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Krimi mit uralter Hauptdarstellerin

Um die Himmelsscheibe von Nebra gibt es gerade einen heftigen Streit.

Datum:
Himmelsscheibe von Nebra
Die Himmelsscheibe von Nebra.
Quelle: dpa

Sie ist mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern etwa so groß wie eine Pizza. Sie ist aus Bronze und sie soll wohl den Himmel darstellen. Und: Die Himmelsscheibe von Nebra ist richtig alt.
3.700 Jahre alt schätzten Expertinnen und Experten bisher. Damit wäre sie weltweit die älteste Darstellung des Himmels und eine Sensation für den Ort Nebra in Sachsen-Anhalt, an dem sie gefunden worden sein soll. Sie ist der Stolz einer ganzen Region, wird im Museum ausgestellt, prangt auf T-Shirts und auf Schmuck.

Doch keine Sensation?

Doch zwei Wissenschaftler bringen diese Sensation jetzt ganz schön ins Wanken. Sie behaupten, die Himmelsscheibe von Nebra sei gar nicht so alt, sondern ganze 1.000 Jahre jünger - und aus Nebra stamme sie wahrscheinlich auch nicht. Aber von vorn.

Diebe als Finder

Archäologische Ausgrabungen
Archäologie ist die Wissenschaft, die die Entwicklung der Menschheit untersucht. Dabei stützen sich Archäologen oft auf uralte Funde, die sie bei Ausgrabungen entdecken.
Quelle: dpa

Vor gut 20 Jahren wurde die Himmelsscheibe entdeckt.
Zwei Raubgräber haben sie gefunden. Raubgräber sind Diebe, die nach Überresten aus uralten Zeiten graben. Solche archäologischen Funde, wie beispielsweise hunderte oder tausende Jahre alter Schmuck, Geschirr oder Schwerter, sind nämlich sehr wertvoll.
An den meisten Orten in Deutschland gehören sie aber nicht dem Finder, sondern der Allgemeinheit. Sie müssen also abgegeben werden und können dann beispielsweise im Museum gezeigt werden. Die Raubgräber hatten allerdings nie vor, die Himmelsscheibe abzugeben. Sie wollten sie heimlich verkaufen und viel Geld damit verdienen. Doch sie sind aufgeflogen. Im Jahr 2002 konnte die Polizei die Himmelsscheibe sicherstellen.

Das Alter bestimmen ist kompliziert

Dass diese grünliche Bronzescheibe sehr alt sein muss, das war den Expertinnen und Experten schon damals klar. Doch nun kam die Frage: Wie alt genau ist sie?
Um diese Frage zu beantworten, wurde die Scheibe sehr genau untersucht und die Raubgräber, die sie gefunden hatten, wurden sehr genau befragt. Denn das Alter eines archäologischen Fundes zu bestimmen, ist hochkompliziert.

  • Das Material der Himmelsscheibe wurde untersucht. Sie ist aus Bronze. Bestimmte Metall-Expertinnen und -Experten können oft an der genauen Metallzusammensetzung erkennen, wo das Material herkommt und aus welcher Zeit es stammen könnte.
  • Die Raubgräber wurden dazu befragt, wo genau sie die Himmelsscheibe gefunden hatten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versuchten mit Hilfe dieser Angaben den genauen Fundort in Nebra zu bestimmen. Das war wichtig, denn bestimmte Fundorte, zum Beispiel in welcher Bodenschicht ein Gegenstand ausgegraben wurde, können auf ein bestimmtes Alter hinweisen.
  • Die Raubgräber sollten außerdem Auskunft darüber geben, welche Gegenstände sie neben der Himmelsscheibe noch an diesem Fundort entdeckt hatten. Sie nannten Schwerter, Beile und Armreifen. Auf den Schwertern waren Überreste von Pflanzenteilen. An ihnen ließ sich das Alter der Schwerter bestimmen. Und die Wissenschaftler gingen davon aus, dass die Himmelsscheibe ähnlich alt sein müsse wie die Schwerter. Im Video erfahrt ihr, wie man mit Hilfe von Pflanzenresten das Alter von Gegenständen bestimmen kann.

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So bestimmen Wissenschaftler das Alter von uralten Gegenständen.

Videolänge:
1 min

Der Wissenschaftler-Streit

Doch wie sehr kann man sich auf die Aussage von Raubgräbern verlassen? Haben sie wirklich die Wahrheit gesagt und die Himmelsscheibe in Nebra gefunden, zusammen mit den anderen Gegenständen?
Zwei Wissenschaftler bezweifeln das jetzt. Sie haben alle gesammelten Informationen noch einmal ausgewertet. Sie sagen, sie glauben nicht, dass die Himmelsscheibe aus Nebra stamme und sie glauben auch nicht, dass sie mit den Schwertern zusammen gefunden wurde.
Schlussendlich sind sie der Meinung, dass die Himmelsscheibe deshalb nicht so alt sein kann, wie bisher angenommen. Sie vermuten, dass sie etwa 1.000 Jahre jünger sei. In dieser Zeit war es eher üblich, den Himmel abzubilden und wäre bei weitem nicht so eine Sensation.

Klar, dass da einige andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stinksauer sind: Ihre Sensation wird jetzt einfach so in Frage gestellt. Sie wehren sich, indem sie Gründe anführen, nach denen die Himmelsscheibe doch 3.700 Jahre alt sein muss. Und der Streit wird sicher noch eine Weile weitergehen.
So ist das mit so uralten Dingen: Ganz sicher wissen, wo sie herstammen und wie alt sie genau sind, werden wir fast nie.

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