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Tagebuch: Travelino auf der "Polarstern"

Unsere logo!-Figur "Travelino" ist seit Mitte Juni an Bord des Forschungsschiffs "Polarstern" - mitten in der Arktis, so gut wie abgeschnitten von der Außenwelt. In diesem Tagebuch berichtet Travelino von seiner abenteuerlichen Expedition.

Datum:

Heute durfte ich mit Michael und Christian zusammen aufs Eis. Die machen eine richtig krasse Sache: Sie lassen den größten Ballon der Expedition fliegen. Er heißt Beluga und ist 12 mal 3 Meter groß. Das ist ungefähr vergleichbar mit der Größe eines kleinen Stadtbusses. Dieser kleine Stadtbus-Ballon wird an einer Leine 1.000 Meter hoch in die Luft gelassen. An der Leine sind Messgeräte angebracht, mit denen sie Eigenschaften der Atmosphäre über der Eisscholle messen. Christian untersucht die kleinen Partikel in der Luft. Sie heißen Aerosole, davon habt ihr vielleicht schon mal während der Corona-Zeit gehört. Michael interessiert sich mehr dafür, wie Wolken entstehen. Ich versteh nur die Hälfte von dem, worüber die beiden reden. Aber ich wär auch gern in dem Ballon :)

Travelino bei den beiden Wissenschaftlern auf dem Eis
Travelino bei den beiden Wissenschaftlern auf dem Eis
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Ja ich geb’s zu, das sieht auf den ersten Blick nicht so spannend aus. Aber die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier sind total verrückt nach Wasserlöchern. Sie haben in unserer Scholle über die vergangenen Monate sooo viele Löcher gesägt und gebohrt. Diese Löcher brauchen sie um zum Beispiel, um große Messinstrumente in den Ozean herunter zu lassen, um in den Tiefen des Arktischen Ozeans Messungen zu machen oder Wasserproben zu nehmen. Hier hängt ein akustischer Strömungsmesser, der die Ozeanströmungen in verschiedenen Tiefen des Ozeans misst. Und das ist dann schon ganz schön cool. :)

Travelino neben einem Wasserloch
Travelino neben einem Wasserloch
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufs Eis gehen, haben sie oft solche orangefarbenen Überlebensanzüge an. "Überlebensanzüge" – das klingt schon gruselig oder? FALLS die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nämlich ins Wasser fallen sollten, geben die Anzüge ihnen den nötigen Auftrieb, um an der Wasseroberfläche zu bleiben und nicht zu unterkühlen. Und sie sind wasserdicht. Die Anzüge brauchen sie, wenn sie zum Beispiel nah an der Kante der Eisscholle arbeiten, oder wenn sie viel durch Schmelztümpel gehen müssen oder Löcher ins Eis sägen. Doch auch wenn man so einen Anzug anhat, sollte man versuchen, so schnell wie möglich aus dem Wasser zu kommen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ziehen ihre Überlebensanzüge an.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ziehen ihre Überlebensanzüge an.
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Das „Biest“ wird ferngesteuert – über einen Monitor in einem Container. Der Container steht nur wenige Meter neben dem Eisloch. Hier sitzt Meereisphysiker Ilkka und steuert das Gerät. Er kann mit der Kamera sehen, wo er das Gerät lang fahren lässt. Es ist bisschen wie zocken, nur cooler :) Meistens hat Ilkka bestimmte Routen, die er in regelmäßigen Abständen entlangtaucht und dabei verschiedene Messungen macht. Wenn das „Biest“ mal ausfällt, kann er ein Reservegerät einsetzen, das genauso aussieht. Es heißt „Die Schöne“. :)

logo!-Figur Travelino auf dem Forschungsschiff Polarstern
Ilkka steuert den Unterwasserroboter.
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Nun ist die Polarstern wirklich nicht mehr an unserer Scholle – voll komisch! Aber ich hab noch so viel erlebt, was ich euch erzählen will: Letzte Woche durfte ich mit Polarforschern und Polarforscherinnen aufs Eis und ein großes ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug zu Wasser lassen. Sie nennen das Gerät auch das „Biest“. Es kann unterhalb des Meereises entlangtauchen - aber auch tiefer, bis zu 100 Meter. Das „Biest“ misst zum Beispiel, wieviel Sonnenlicht durch das Eis durchkommt. Gleichzeitig kann man mit einer Kamera gucken, wie es unter dem Eis aussieht. Wir konnten schon Quallen, kleine Krebstiere und Algen beobachten. Teilweise ganz schön wabbelig, was da so lang schwimmt!

logo!-Figur Travelino auf der Polarstern Foto 16
Darf ich vorstellen: das "Biest"!
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Puh, in den vergangenen Tagen ist viel passiert! Wir sind jetzt nah an der Eiskante! Gleich lösen wir uns von unserer Eisscholle und können wieder richtig im Wasser fahren! Deswegen bauen wir unser Wissenschaftscamp jetzt ab. Wir haben schon alle Messgeräte zurück an Bord gebracht. Direkt am nächsten Tag haben große Risse unsere Eisscholle durchzogen, und über Nacht hat sich unsere Scholle dann in ein Meer aus vielen kleinen Eisschollen verwandelt. Es war also gerade noch rechtzeitig, dass wir alle Geräte in Sicherheit gebracht haben. Verrückt, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter jetzt mehr als 10 Monate auf dieser Scholle gelebt und hier alles erforscht haben - von Oktober letzten Jahres bis jetzt. Aber alle sind auch ein wenig traurig, die Scholle und das Zuhause der letzten Monate verlassen zu müssen.

Travelino vor der Polarstern
Jetzt wird das Wissenschaftscamp abgebaut!
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Heute war ich mit den Biologinnen und Biologen auf dem Eis angeln! Dazu lassen sie eine lange Angelleine mit vielen Haken in ein Eisloch herunter. Die Angelleine ist ca. 500 Meter lang. Damit sie nicht verknotet, ist sie ordentlich in einem Eimer aufgewickelt. Auch die Köder an den Haken sind schon vorbereitet. Am besten eignen sich Garnelen und Tintenfische als Köder für die arktischen Fische. Wir haben schon einige Fische fangen können, unter anderem den Polardorsch. Die Biologinnen und Biologen können dann die Ernährung der Fische und deren Gesundheitszustand untersuchen.

Travelino mit der Angelleine
Ganz schön lange Angelleine!
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Donnerstags messen wir meistens unter dem Eis – also im Ozean! Unser Messgerät wird von einem Kran an einem Drahtseil in den Ozean heruntergelassen. Und glaubt mir, das ist ein ziemlich langes Drahtseil! Das Gerät war schon in einer Wassertiefe von 4 Kilometern (!!!) - also gerade so tief, dass es nicht auf dem Meeresboden aufsetzt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler messen beim Herunterlassen des Geräts anhand von Sensoren die Tiefe und die Temperatur, sowie das Salz- und Chlorophyllgehalt des Wassers. Tiefe, Temperatur und Salz ist mir klar. Das Chloro-irgendwas muss ich gleich heimlich nochmal nachschlagen. ;) Beim Hochholen werden dann die 24 Flaschen mit Wasser aus unterschiedlichen Tiefen gefüllt. Zurück an Bord beobachte ich gerade, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter das Wasser aus den Flaschen für weitere Untersuchungen abfüllen.

Besonderes Messgerät
Dieses Messgerät hat's ganz schön drauf!
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Wuuuah - wir hatten in den letzten Tagen richtig viele Eisbären in unserem Camp! Sie kamen meistens abends oder über Nacht – da waren wir zum Glück sicher auf dem Schiff! Ich bin immer mega aufgeregt, wenn die in der Nähe sind. Die können nämlich echt gefährlich sein. Deswegen hat auch jede Gruppe, die auf das Eis geht, eine Eisbärwache dabei, die nur Ausschau nach Eisbären hält. Zudem stehen immer Leute mit Ferngläsern auf dem Heck und auf der Brücke unseres Schiffs so wie ich hier. Auf der Brücke hat man immer eine gute Rundumsicht und kann die Eisbären von Weitem kommen sehen.

Travelino auf der "Polarstern"
Immer schön Ausschau nach Eisbären halten
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Ich war heute mit dem Wissenschaftler Felix unterwegs. Der hat eine Fernsteuerung mit dabei – genau so eine, mit denen man zuhause Videospiele zocken kann. Mit der Fernsteuerung steuert er allerdings kein Spiel, sondern sein Wassermessgerät "Böötle". Ich find' den Namen ganz witzig :) Damit misst er die Tiefe des großen Schmelztümpels vor uns. Mit den Daten möchte er dann Karten von dem Tümpeln erstellen, um zu sehen, wie sie sich bilden und sich weiterentwickeln.

Travelino auf der "Polarstern"
Wie tief ist das Wasser? Travelino hilft beim messen.
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Das Felix' "Böötle" hat auch eine Kamera, um die Bewölkung zu beobachten und die Küstenlinie vom Schmelztümpel im Auge zu haben. Damit weiß man im Nachhinein, wo das Boot auf dem Schmelztümpel gewesen ist, als es seine Messungen gemacht hat. Eine coole Perspektive der Kamera, findet ihr nicht auch?

Travelino Böötle
Dieses Foto wurde vom "Böötle" aus gemacht.
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Auf der Eisscholle, auf der wir jetzt wohnen, sehe ich ganz viele Pfützen. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nennen sie "Schmelztümpel". Das ist geschmolzener Schnee auf der Oberfläche der Eisscholle. Wir sehen hier gerade jeden Tag, wie sie immer größer und breiter werden. Am Anfang konnten wir noch durchstapfen, jetzt müssen wir oft einen Bogen um sie machen.

Travelino im Schnee 2
Travelino vor einem "Schmelztümpel"
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

In der Arktis ist es inzwischen echt warm geworden: um die 0°C! Trotzdem noch kein Badewetter ;-). Wenn hier Niederschlag kommt, fällt der manchmal als Regen und manchmal als Schnee vom Himmel. Die Temperaturen im Ozean unter dem Eis sind zurzeit etwas niedriger als in der Luft. Sie liegen im Minusbereich. Das Wasser kann deswegen noch gefrieren und das Meereis von unten wachsen. Wenn es wärmer wird, wird das Meereis allerdings auch wieder etwas schmelzen.

Travelino im Schnee
Travelino im Schnee
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Yeah - ich bin auf dem Eis! Eigentlich stehen wir ja gerade auf dem Ozean. Aber das merkt man gar nicht - denn die Eisscholle ist zwischen 1-2 Meter dick. Was ich auch verrückt finde: die Eisschicht ist gar nicht so platt, wie ich gedacht hätte. Es gibt auf dem Eis ganz viele Hügel. Die Hügel entstehen, wenn Eisschollen sich aufeinander zubewegen und sich dann aufeinander schieben. Es sieht aus wie Gebirge - nur in ganz klein.

Travelino auf dem Eis
Travelino auf dem Eis
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Ich bin gespannt was wir in den nächsten Tagen auf dem Eis noch alles erleben werden! Ab jetzt gehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jeden Tag aufs Eis, um ihre Experimente zu machen.

Es geht los! Das Team und ich haben unsere Messinstrumente und Verpflegung für den Tag eingepackt. Wir transportieren unser Gepäck mit Schlitten aufs Eis. Für die Arbeit auf dem Eis benötigen wir spezielle Anzüge. Sie wärmen uns – zumindest wurde mir das versprochen ;-) Und halten uns an der Wasseroberfläche, falls wir durch eine Eisspalte ins Wasser fallen sollten. Ich hoffe, ich stelle mich nicht zu tollpatschig an!

Travelino mit einem Wissenschaftler vor dem Aufbruch
Travelino bricht zur den ersten Experimenten auf.
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Eeeendlich bin ich nach einer langen Reise und viel Wartezeit auf der "Polarstern" angekommen! Verrückt – das Schiff ist einfach mitten in einer großen Eisscholle festgefroren und treibt so durch die Arktis.

Travelino steht auf der Reling der Polarstern
Travelino genießt die Aussicht von der Polarstern.
Quelle: AWI/Lisa Grosfeld

Wenn ich vom Schiff runterschaue, sehe ich nur weiß weiß weiß! Ich bin schon ganz aufgeregt, bald selbst meinen Fuß das erste Mal auf das Eis zu setzen.

Noch haben wir alle gar nicht so viel zu tun und können auch mal an Deck sitzen. Ich habe schon Freunde gefunden! Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler scheinen alle ganz cool zu sein :-)

Travelino sitzt mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschatlern gemeinsam auf Deck.
Travelino lernt auf Deck seine Kollegen kennen
Quelle: AWI/Markus Rex

Endlich an Bord eines Schiffes. Von Bremerhaven aus fahre ich mit den Forschungsschiffen "Sonne" und "Maria S. Merian" Richtung "Polarstern". Dabei geht mir dieses Lied durch den Kopf: "Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön...!" Kann es kaum glauben, dass wir jetzt endlich tatsächlich unterwegs in die Arktis sind. Mega aufregend!

Travelino sitzt an der Reling eines Schiffs.
Travelinos Reise geht los!
Quelle: AWI/Markus Rex

Autsch! Ich bin heute zum dritten und letzten Mal auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet worden und dazu hat unser Arzt mir ein Wattestäbchen tief in die Nase gesteckt. Voll unangenehm! Aber muss sein...

Travelino bekommt ein Wattestäbchen in die Nase geschoben.
Travelino beim Corona-Test
Quelle: AWI/Markus Rex

Zum Glück bin ich nicht infiziert! Also darf ich am Montag mit! Nur noch drei Nächte an Land schlafen, ich bin jetzt schon ganz aufgeregt!

Seit gestern sind wir alle für zwei Wochen in Quarantäne. Ich darf jetzt niemanden mehr sehen :-(! Schließlich müssen wir ja virenfrei aufbrechen. Denn auf der "Polarstern" kann keiner das Coronavirus gebrauchen! Ich bin also ganz alleine - aber immerhin habe ich eine schöne Aussicht.

Travelino schaut aus dem Fenster auf den Hafen.
Travelino sitzt in Quarantäne.
Quelle: AWI/Markus Rex

Jede Expedition geht mit Anprobe und Test der Expeditionsausrüstung los. Passt alles und ist superwarm! Mir wurde versprochen, dass der Anzug auch bei dem kältesten Arktiswetter warmhält. Hoffentlich stimmt’s :-)

Travelino probiert die Expeditionsausrüstung an
Travelino probiert die Expeditionsausrüstung an. Naja - kann er noch reinwachsen.
Quelle: AWI/Markus Rex

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Alexander trifft Polarforscher
 

Was hat er auf dem Forschungsschiff "Polarstern" in der Arktis erlebt?

Videolänge:
2 min
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