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Warum bewegen uns manche Geschichten?

Viele Menschen auf der ganzen Welt haben die Geschichte der Fußballmannschaft, die in einer Höhle in Thailand eingeschlossen waren, verfolgt. Warum eigentlich?

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Jeden Tag passiert viel Gutes und auch viel Schlechtes auf der Welt. Doch nur wenige dieser Themen erreichen uns und ziehen uns in ihren Bann. Ein Beispiel dafür ist die Rettung der Fußballmannschaft aus einer Höhle in Thailand. Darüber haben viele Menschen gesprochen und mitgefiebert. Doch warum berührt viele die Geschichte dieser zwölf Jungen und ihres Trainers mehr als zum Beispiel das Schicksal hunderter Geflüchteter, die im Mittelmeer ertrinken?

In Thailand wurden die 12 Jungen mit ihrem Trainer bei einer großen Rettungsaktion aus einer Höhle befreit.
Hunderte thailändische Schulkinder haben sich mit den Jungen gefreut, die aus der Höhle gerettet wurden.
Quelle: reuters

Natürlich hat niemand das Recht, zu sagen, dass eine von beiden die schlimmere Situation ist. Trotzdem liegen vielen Menschen in diesem Fall die zwölf Jungen mehr am Herzen als andere Menschen. Dafür gibt es laut Experten mehrere Gründe:

1. Wir mögen Geschichten

Eine gute Geschichte baut sich langsam auf und bleibt die ganze Zeit über spannend. Bei der Rettungsaktion in Thailand wurde zum Beispiel diskutiert, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, die Mannschaft aus der Höhle zu befreien.

Auch danach blieb es spannend, denn das Wetter wurde zu schlecht, um eine Rettung zu wagen. Sogar nachdem eine erste Gruppe bereits herausgeholt worden war, haben wir noch um die restlichen Jungen gebangt. Viele andere Meldungen erzählen keine solche Geschichte.

2. Wir brauchen ein Gesicht

Am Ende der Höhlen-Rettung hatten wir fast das Gefühl, dass wir die eingesperrten Jungen gut kennen, obwohl wir sie niemals persönlich getroffen haben. Das liegt daran, dass wir von ihnen und ihren Familien zum Beispiel Fotos und Videos gesehen haben. So wurden sie uns nähergebracht.

Das Schicksal dieser Menschen bewegt uns dann auch mehr als eine bloße Zahl. Wenn es heißt, dass 100 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind, aber wir niemanden davon kennen, finden wir diese Nachricht zwar trotzdem schrecklich, aber sie bewegt unsere persönlichen Gefühle nicht so sehr. Wenn sich eine Freundin oder ein Freund verletzen, tut einem das häufig auch ein bisschen mehr leid, als wenn sich ein fremdes Kind verletzt - obwohl eigentlich beides gleich schlimm ist.

3. Wir können mitfühlen

Viele von uns spielen selbst in einem Verein Fußball. Sie können sich deshalb gut vorstellen, dass es auch ihnen selbst passieren könnte, dass sie bei einem Ausflug mit der Mannschaft in eine solche Situation geraten und gerettet werden müssen. Dagegen können wir uns nur schwer vorstellen, wie es ist, in einem Land zu leben, in dem Krieg herrscht, und dass wir dann von dort in ein anderes Land flüchten müssen.

4. Wir wollen ein Happy End

Es war zwar nicht sicher, ob die Geschichte der Jungen in Thailand gut ausgeht, aber es gab zumindest diese Möglichkeit. Deshalb haben wir mitgefiebert und gehofft, dass alle noch gerettet werden können und uns ein bisschen auch selbst als Helferinnen und Helfer gesehen. Wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken, erinnert uns das oft daran, dass das nur passiert ist, weil wir selbst nicht bereit waren zu helfen. Und weil wir uns lieber anhören, was wir gut gemacht haben, hören wir bei Kritik oft nicht so genau hin.

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