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Geflüchtete aufnehmen oder nicht?

Schon seit 2015 wird diese Frage diskutiert. Mit dem Feuer im Flüchtlingslager Moria ist nun auch diese Diskussion wieder heftiger geworden. Deutschland und Frankreich haben sich jetzt entschieden, Geflüchtete aus dem Lager aufzunehmen - andere Länder wollen das jedoch nicht. logo! erklärt, welche Gründe sie dafür nennen.

Datum:

In den vergangenen Tagen waren die Nachrichten voll von Bildern aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos. Das hatte vor kurzem Feuer gefangen - und damit das Leben für die Geflüchteten dort noch schwerer gemacht, als es sowieso schon war. Wer genauer erfahren will, was auf Lesbos in den vergangenen Tagen passiert ist und wie die aktuelle Lage aussieht, kann das hier nachlesen:

Aufnehmen...

Bei solchen schlimmen Nachrichten finden viele Menschen, dass man den Geflüchteten in Not helfen muss. Deshalb gibt es immer wieder in mehreren deutschen Städten Demonstrationen und auch Proteste im Internet: Dabei fordern viele Leute und auch Hilfsorganisationen, einen Teil der Geflüchteten in Deutschland aufzunehmen.

Deutschland wird nun knapp 1.500 Geflüchtete aufnehmen. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich: Manche Leute sagen, dass Deutschland viel mehr Geflüchtete aufnehmen kann und das deshalb auch tun müsste - immerhin leben über 12.000 Menschen in Moria. Andere Leute finden es dagegen ungerecht, dass nicht jedes europäische Land gleich viele Menschen aufnimmt, und sind deshalb dagegen, überhaupt jemanden in Deutschland zu empfangen.

Flüchtlinge auf Lesbos
Geflüchtete auf Lesbos - bevor das Lager Feuer gefangen hatte
Quelle: reuters

...oder nicht aufnehmen?

So wie sich einzelne Leute uneinig sind, ob man Geflüchtete aufnehmen sollte oder nicht, sind es auch die Regierungen verschiedener Länder: Manche Mitglieder der Europäischen Union sagen "ja", manche sagen "nein". Auch aktuell gibt es einige Länder, die niemanden aus Moria aufnehmen wollen. Dafür nennen sie verschiedene Gründe:

  • Wiederholung in Zukunft: Davor haben manche Länder Angst. Sie befürchten, dass sie, wenn sie einmal Geflüchtete aufnehmen, das in der Zukunft immer wieder machen müssen. Das nennt man auch Präzedenzfall. Deshalb wollen sie niemanden aufnehmen - sie denken, dass es später dann immer heißen könnte: "Damals habt ihr es auch gemacht, warum nicht jetzt?"
Flüchtlinge in einem Boot auf dem Mittelmeer
In Booten wie diesen versuchen Geflüchtete, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen
Quelle: reuters
  • Ungerechtigkeit: Kennt ihr dieses Gefühl, wenn eure Geschwister etwas dürfen und ihr nicht? Sich ungerecht behandelt vorkommen? So geht es auch einigen Ländern: Sie finden es unfair, dass nicht jedes Mitglied der Europäischen Union, also der EU, gleich viele Geflüchtete aufnimmt. Deshalb wollen sie abwarten bis andere EU-Länder ebenfalls mitmachen und sich bereit erklären, Menschen auf der Flucht bei sich aufzunehmen - und bis dahin sagen sie "nein".

Dieses Argument finden andere Länder wiederum ungerecht. Sie sagen, dass es innerhalb der Europäischen Union viele Unterschiede gibt: Manche Mitgliedstaaten haben zum Beispiel weniger Geld als andere. Deshalb finden einige ärmere Länder es ungerecht, wenn sie gleich viele Menschen aufnehmen müssen wie reichere Länder.

500 Menschen sind mit Booten auf Lesbos angekommen
Menschen, die nach und nach mit Booten auf der griechischen Insel Lesbos ankamen
Quelle: stonisi.gr
  • Geld: Überhaupt spielt bei der Frage Geld eine wichtige Rolle. Denn Menschen aufzunehmen, ist nicht billig: Sie brauchen zum Beispiel eine Wohnung, müssen erstmal die Sprache lernen und außerdem gibt es sehr viel Papierkram zu erledigen. Auch den Menschen dabei zu helfen, sich zu integrieren, also sich in die Gesellschaft einzufügen, kostet Geld. Manchen Ländern ist das zu teuer und sie sagen, dass sie das Geld lieber für ihre eigene Bevölkerung ausgeben wollen als für Leute aus anderen Ländern.

Was die Frage noch schwieriger macht:

Ein Problem, das bei der schwierigen Frage noch dazu kommt, ist der Zeitdruck: Die verschiedenen Länder können sich nicht ganz in Ruhe besprechen, weil die Geflüchteten genau jetzt in Not sind - und deshalb auch so schnell wie möglich eine Lösung brauchen. Hilfsorganisationen finden es verantwortungslos, so lange zu diskutieren, während es den Menschen auf der Flucht so schlecht geht. Außerdem kritisieren sie, dass die EU schon seit mehreren Jahren über diese Frage redet - und immer noch zu keiner Lösung gekommen ist.

Sprachhilfe für Flüchtlinge
Deutschunterricht für Geflüchtete
Quelle: dpa

Wer mehr darüber wissen will, wie die einzelnen Länder bisher mit der Frage umgegangen sind, was es für Gesetze dazu gibt und was sich in Deutschland seit 2015 dabei verändert hat, erfährt das hier:

Geflüchtete kommen nach Deutschland

ZDFtivi | logo! -
Sommer 2015: Viele flüchten nach Deutschland
 

Wie ist die Situation heute, fünf Jahre danach?

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