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187 Näherinnen verändern die Welt

"We want Sex" - der erste Frauenstreik im Kino

1968: In den Ford-Werke in London-Dagenham arbeiten außer 55.000 Männern auch 187 Frauen. Sie fertigen die Autositze. Dass die Näherinnen im BH arbeiten, hat nichts mit der neuen sexuellen Freizügigkeit der Sechziger zu tun. Es ist nur unerträglich heiß und stickig in der Halle. Schlecht bezahlt ist die Arbeit noch dazu.

"Eines Tages", erzählt Regisseur Nigel Cole, "erfuhren die Frauen, dass sie sogar noch herabgestuft und als Ungelernte bezahlt werden sollten. Das ärgerte sie. Sie beschwerten sich - ohne jede Reaktion. Da wurde ihnen klar: Man ignorierte sie seit Jahren, nur weil sie Frauen waren." Typisch Nigel Cole - die Heldinnen seiner Filme sind fast immer einfache, unscheinbare Frauen, die plötzlich über sich hinauswachsen.

Wahre Geschichte

In "We want Sex" ist es Rita (Sally Hawkins), die die anderen Frauen schließlich in den Arbeitskampf führt: "Am Arbeitsplatz werden Frauen schlechter bezahlt als Männer, egal was sie können. Und aus diesem Grund müssen wir jetzt endlich dafür sorgen, dass wir alle das gleiche Recht bekommen und eine Bezahlung, die sich nicht danach richtet, ob man einen Schwanz hat oder nicht."

"We want Sex" beruht auf einer wahren Begebenheit, dem ersten Frauenstreik der britischen Geschichte. Kaum zu glauben: 26.000 Streiks in zwölf Monaten sah das Land damals! Doch noch nie hatten Frauen die Arbeit niedergelegt. Dafür kamen sie nun gleich mit Maximalforderungen: gleicher Lohn für Männer und Frauen - Geschlechtergleichheit - Sex Equality!

Weltweit Gesetze zur Lohngleichheit

Die anfängliche Zustimmung der Männer beruhte übrigens auf einem Missverständnis - zumindest teilweise. Die demonstrierenden Frauen hatten ihr Spruchband nicht richtig ausgerollt und forderten statt "We want Sex Equality" nur "We want Sex" ... "Die Männer", so Nigel Cole, "fanden es amüsant, dass die Frauen streiken wollten. Sie belächelten sie etwas, unterstützten sie aber. Aber dann, als die Frauen streikten und keine Autositze mehr machten, konnte Ford auch keine Autos mehr produzieren. Die ganze Fabrik wurde dicht gemacht - auch für die Männer. Das waren die Ehemänner, Freunde und Väter der Frauen. Und so kippte die Stimmung."

Keine Sitze. Keine Autos. Keine Arbeit. Für Zehntausende. Der Streik kostet Ford Millionen. "Die Näherinnen", sagt Cole, "waren sich über die Tragweite ihres Tuns überhaupt nicht im Klaren. Das kam erst viel später." Am Ende schreiben die Frauen von Dagenham Geschichte. Weltgeschichte. Nicht nur erhalten sie die geforderte Lohnerhöhung; die britische Regierung verspricht ihnen auch die gesetzliche Gleichstellung.

Hommage an Streikladies

1970 tritt in England der "Equal Pay Act" in Kraft. Erst danach werden in den meisten Industrieländern der Welt ebenfalls Gesetze zur Lohngleichheit erlassen. So couragiert und trotzdem fast vergessen. "We want Sex" ist eine Hommage an die Streikladies von Dagenham: leicht erzählt und vergnüglich. Selten war Geschlechterkampf so unterhaltsam.

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