2030 - Die Jungen proben den Aufstand

Der ZDF-Spielfilm "Aufstand der Jungen" wagt eine düstere Utopie

Deutschland im Jahre 2030. Ein Land am Rande des Bürgerkriegs. In den vergangenen zwanzig Jahren ist die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgegangen. Jetzt schlägt das Heer derer, die an den Rand gedrängt wurden, zurück. Das jedenfalls ist die Horrorvision, die der ZDF-Spielfilm "Aufstand der Jungen" entwirft.

Wie realistisch ist das? Alles nur Science-Fiction? Oder sieht so die Zukunft aus? "Ich glaube, realistisch ist daran, dass eine solche Zukunft möglich ist. Jetzt geht es darum, eine solche Zukunft zu vermeiden", sagt der Soziologe Reimer Gronemeyer. "Aber ich denke, es ist keineswegs so, dass es das Kaninchen aus dem Zylinderhut ist, sondern es geht darum, jetzt wahrzunehmen, dass wir uns auf einem Weg befinden, der unsere Gesellschaft immer mehr in solche, die nichts haben und solche, die immer mehr haben, spaltet."

Ghettoisierung durch Armut

Der Film erzählt von der Suche nach dem 30-jährigen Tim im Berliner Ghetto Schöneberg, Höllenberg genannt. Aus dem ehemals gutbürgerlichen Stadtteil ist ein Elendsviertel geworden, ein rechtsfreier Raum. Zufluchtsort für die Armen und Ausgestoßenen. Ist Tim hier untergetaucht? Der Regietrick des Films: Er hat die Anmutung einer Fernsehdokumentation. Tim ist angeblich im Krankenhaus gestorben. Aber daran glauben Sophie, eine Freundin von Tim, und die TV-Journalistin Lea Bach nicht. Sie recherchieren. Warum musste jemand wie Tim ins Ghetto flüchten?

Tim ist ein Milleniumskind, geboren im Jahre 2000, und gehört zu einer Generation, die erlebt, wie die sozialen Sicherungsysteme zusammenbrechen. Die Gesundheitskosten steigen, die Reallöhne sinken, das Rentensystem ist unhaltbar, der Generationenvertrag wird aufgekündigt. Ein Studium kann sich Tim nicht leisten. Dazu sind die Gebühren zu hoch. Er macht eine Ausbildung als technischer Zeichner, findet danach aber keine Festanstellung und muss zu Niedriglöhnen arbeiten. Für die private Rentenversicherung reicht das Geld nicht. Und auf eine staatliche Rente kann Tim nicht hoffen. Die gibt es nicht mehr, wenn er alt ist. Auch die medizinische Vollversorgung ist im Jahr 2030 längst abgeschafft. Die Zweiklassenmedizin ist Wirklichkeit geworden. Wenn jemand wie Tim eine Krankheit bekommt, für die er nicht versichert ist, muss er die Behandlungskosten selbst bezahlen. Das bedeutet den finanziellen Ruin.

Nur Solidarität löst die Probleme

Doch wird unser Sozialsystem wirklich so aussehen, wie es der Film beschreibt? Sind die Probleme der alternden Gesellschaft unausweichlich? "Die Probleme kann man nicht wegreden", meint Gronemeyer. "Aber man kann sie, denke ich, nicht so lösen, wie das seit Jahren bei uns unter verschiedene Regierungen andeutet - dass keine solidarische Lösung, sondern die privatisierende gewählt wird." Leuten wie Tim bleibt nur das Abtauchen in die Illegalität, in den Untergrund von Höllenberg. Von hier aus nimmt der Aufstand der Armen seinen Anfang. Das ist die düstere Vision des Films.

Wie kann das verhindert werden? Der Film gibt keine Antworten. Aber er eröffnet die Diskussion. "Wir als Alte oder als Junge müssen uns auf den Weg machen und neue Formen des Zusammenlebens und der Solidarität versuchen zu finden. Da können nicht warten, bis die von da oben kommen. Von da kommen sie wahrscheinlich sowieso nicht."

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