Ai Weiwei - Das Phantom von Berlin

Wohlfühlprotest und Zerknirschung

Fast vier Wochen nach seiner Verhaftung gibt es noch keine Anklageschrift gegen den chinesischen Künstler Ai Weiwei. Niemand weiß, wo er festgehalten wird. Im Internet kursieren Gerüchte, er habe unter Folter Steuervergehen gestanden. Ai Weiwei ist bei Weitem nicht der einzige Dissident, der in seinem Land inhaftiert ist, aber der im Ausland populärste.

Mit seiner Kunst und seinen Agit-Prop-Aktionen ist er außerhalb Chinas zum idealen Symbol des Kampfes für Freiheit und Demokratie in China geworden.Weltweit laufen die Proteste gegen seine Inhaftierung.Von Hong Kong bis Berlin gehen die Menschen auf die Straße. Sie verehren ihn fast wie Gandhi oder Nelson Mandela.

Ai Weiwei in Berlin

An diesem Wochenende trifft sich die Kunstwelt in Berlin beim Gallery Weekend. Ursprünglich sollte Megastar Ai Weiwei seine eigene Ausstellung eröffnen. Die Ausstellung gibt es, aber ohne ihn. Kurz vor seiner Verhaftung war bekannt geworden, daß er in Berlin ein großes Areal für Studios kaufen wollte. Und jetzt meldet die Universität der Künste, daß man ihn als Professor haben möchte.

Nach den andauernden Diskussionen, ob man die deutsche Aufklärungsausstellung in Peking aus Protest gegen die Inhaftierung Ais schließen solle, haben diese Woche Museumsleute, Sinologen und erstmals Wirtschaftsvertreter den sogenannten Berliner Appell unterzeichnet. Er fordert die sofortige Freilassung Ai Weiweis.

Ist der Kult um Ai Weiwei eine Pflichtübung?

Ob Appelle dieser Art tatsächlich ein Mittel sind, um Ai Weiwei aus dem Gefängnis zu bekommen, ist umstritten. Denn bei der kommunistischen Partei Chinas bewirkt offene Kritik oft eine Trotzhaltung. Handelt es sich bei dem Kult um Ai Weiwei mittlerweile um eine Pflichtübung derjenigen, die auf der richtigen Seite stehen wollen? Oder ist er ein wirksames Mittel, um ihn frei zu bekommen und die Menschenrechte in China zu stärken?

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