"All-Tag" in Wien

Die Ausstellung "Weltraum. Die Kunst und ein Traum"

Seit Gallileo unter Lebensgefahr feststellte, dass die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt ist, drängt es uns hinaus ins All - immer wieder beflügelt von der Phantasie der Kunst.

Abheben, mit übermenschlicher Geschwindigkeit, schwerelos werden - das Weltall ist ein mächtiger Projektionsraum voller Mythen und Skurrilitäten. Längst vor dem ersten Mondflug wusste die Kunst, wie es "dort oben" aussieht. Die erste Vorstellung von Science Fiction lieferte Georges Méliès 1902. Das All hypnotisiert uns. Zwischen der Lust auf's Unbekannte und der Gefahr, dem absoluten Nichts - oder einem hässlichen Alien - ins Auge zu sehen.

Heute mit Satelliten bevölkert

Die Sehnsucht nach dem Weltraum hat unsere Kultur zu Höchstleistungen getrieben: vom Space-Shuttle bis zum Space-Comic. Schon 1938 traumatisiert Orson Wells die gesamte USA mit seinem legendären Radiodrama vom Einmarsch der Marsmenschen. Er mobilisiert die Urangst vor der Zerstörung durch einen unheimlichen Gegner. Heute kommt die Angst vor der Vernichtung aus irdischeren Quellen. Das All ist nicht mit Aliens, sondern mit Satelliten bevölkert. Sie machen Internet und Überwachung möglich. Und der Weltraum ist nicht mehr die große Utopie.

Die Künstlerin Jen Liu meint: "Kleine Jungen wollen nicht mehr Astronaut und kleine Mädchen nicht mehr die Frauen von Astronauten werden. Als Traum von Jedermann ist es, glaube ich, vorbei - auch wenn Obama noch über den Mars redet, oder Leute, die sich für den Weltraum interessieren. Aber das ist heute fast wie ein antikes Ideal. Deshalb interessieren sich so viele Künstler dafür." In der Wiener Kunsthalle wird gerade gezeigt, was die Kunst mit dem All macht - von den erwartbaren Pop-Art-Klassikern bis zu Bastelarbeiten der hintergründigen Art.

Technik-Skepsis statt Technik-Glaube

Das Space-Shuttle, einst Inbegriff von Innovation, wirkt da heute wie aus der Zeit gefallen. Der schockierende Unfall der "Challenger" von 1986 rechtfertigt kaum mehr den Ausdruck "Katastrophe". Damals war es ein harter Schlag. Gerald A. Matt, der Direktor der Kunsthalle Wien sagt: "Ich denke, und das sieht man auch in der Ausstellung, der Technik-Glaube ist einer Technik-Skepsis gewichen. Aber ich denke auch, und das sieht man gerade an diesem großen Atomunfall in Japan, dass uns diese Skepsis gut tut, dass diese Skepsis letztlich zu nichts anderem führt als zu mehr Verantwortung, zu mehr Nachdenken auch über das, was wissenschaftlicher und technischer Fortschritt ist. Ihn aber bitte nicht ausschließt."

Damals, als der erste Mensch ins All flog, gab es noch keine Zweifel an der Technik. Der Russe Juri Gagarin verpasste vor 50 Jahren den USA die große Ohrfeige. Er war der einzige Medienheld der Sowjetunion. Seine Landung interpretiert die russisches Künstlerin Lena von Lapschina heute sehr originell. Sie ist in der Nähe des Kosmodroms in Baikonur aufgewachsen. "Während der Landung sieht Gagarin, dass eine Frau aus dem Dorf mit einem Kind auf dem Feld geht", sagt Lena von Lapschina. "Sie waren total erschreckt, dass vom Himmel irgend so ein Objekt fällt, vielleicht ein Außeridischer. Und Gagarin hat gesagt: 'Fürchtete euch nicht. Ich bin ein Sowjet genau wie ihr. Ich bin gerade aus dem All gekommen.'"

Die Ausstellung "Weltraum. Die Kunst ein Traum" ist noch bis zum 15. August in der Kunsthalle Wien zu sehen.

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