Almanya - Wilkommen in Deutschland

Deutsch-türkisches Märchen - außer Konkurrenz

Ist "Almanya" die Entgegnung auf Sarrazin aus türkischer Sicht? Nun ja, man kann den Film als einen Beitrag zur Integrationsdebatte sehen, sogar der Bundespräsident saß im Publikum - doch eigentlich ist er ein humorvolles, rührendes Märchen in warmen, freundlichen Farben.

Die türkischstämmigen Schwestern Yasemin (Regie und Drehbuch) und Nesrin (Drehbuch) Samdereli, die auch schon für die Serie "Türkisch für Anfänger" geschrieben haben, verarbeiten hier natürlich einige Erinnerungen, aber ihre eigene Familiengeschichte ist es nicht.

Opa verordnet Urlaub in der Türkei

Die Film-Familie Yilmaz - Großeltern, deren Kinder und Enkel - staunt nicht schlecht, als Opa Dede ihnen verkündet, er habe ein Haus in seinem Heimatdorf in der Türkei gekauft. Dabei haben er und Oma doch deutsche Pässe. Schaudernd fragen sie sich, ob sie etwa zurückkehren sollen? Nein, nur einen gemeinsamen Urlaub dort verbringen. Keiner hat richtig Lust, doch in einer türkischen Familie hört man noch auf das Wort des Ältesten.

Die junge Canan erwartet ein Kind von ihrem britischen Freund und traut sich nicht, es zu gestehen. Ihre Mutter raucht heimlich und will sich vielleicht scheiden lassen. Der 6-jährige Enkel Cenk fragt sich, ob er nun Deutscher oder Türke ist. Ihm wird in Rückblenden die Geschichte erzählt, wie sein Großvater nach Deutschland kam. Der hat einst seine Frau aus dem Dorf entführt und geht mit ihr nach Istanbul. Mehr schlecht als recht bringt er sie und die drei Kinder durch und kommt schließlich als 1.000.001. Gastarbeiter in Deutschland an. Das schicke Moped für den Einmillionsten geht ihm also knapp durch die Lappen.

Klischees auf der Schippe

Später holt er die Familie nach. Alles ist fremd in Deutschland: die Sprache, die Religion (die nageln Menschen ans Kreuz und essen sonntags in der Kirche davon), das Essen (Schwein!). Doch die Kinder, das vierte kommt hier zur Welt, leben sich schnell ein und wünschen sich nichts mehr ... als einen Weihnachtsbaum. Das Staunen über die fremde Welt ist besonders gelungen - die Deutschen sprechen ein unverständliches Phantasie-Kauderwelsch, das untertitelt wird, die Türken dagegen flüssiges Deutsch.

Im ersten Teil ist "Almanya" eine rasante, witzige Komödie, die jedes Klischee beider Seiten auf die Schippe nimmt. Als die Familie in die Türkei reist, wird es allerdings sentimental und rührselig. "Almanya" bereits ab 10. März im Kino zu sehen - wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und ist in der Tat ein netter, lustig-liebenswerter Film mit sympathischen Charakteren.

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