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"aspekte on tour" über die Zukunft des Reisens

Unterwegs mit Jo Schück

Corona hat das Reisen monatelang unmöglich gemacht. Und auch wenn Europa die Grenzen vorsichtig öffnet, wird dieses Jahr anders gereist als zuvor. Zeit, Bilanz zu ziehen: Wie steht es um das Reisen?

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43 min
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10.07.2020
Video verfügbar bis 09.07.2021

Die Branche steht schon lange in der Kritik – zu viele Flugzeuge in der Luft, zu viele Schiffe auf den Meeren: Die Ökobilanz des Massentourismus ist katastrophal. Aber der Tourismus ist ein gigantischer Wirtschaftszweig - und viele, gerade ärmere Regionen können ohne Touristen nur schwer überleben. Ob wir aus der Krise lernen, anders zu reisen? aspekte macht sich auf den Weg, um Antworten zu finden.

Eine kurze Geschichte des Tourismus

Vom Privileg zum Massenvergnügen

Der moderne Tourismus wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in England erfunden. 1841 organisierte Thomas Cook für die Abstinenzbewegung eine Bahnfahrt ins Grüne. Im Fahrpreis waren ein Schinkenbrot und eine Tasse Tee inbegriffen. Die Kombination von Pauschalreise und Alkoholverzicht setzte sich langfristig allerdings nicht durch. Natürlich wurde auch davor schon gereist - abgesehen von Naturforschern wie Alexander von Humboldt reisten Seeleute, Händler und natürlich Soldaten - auf todbringende Schlachtfelder. Noch im 19. Jahrhundert blieben 95 Prozent aller Mitteleuropäer da, wo sie waren - ihr Leben lang. Echte Fernreisen waren dem Adel vorbehalten. Erst die Romantiker weckten die Sehnsucht nach der Ferne und die Liebe zur Natur. Die Schweizer waren die ersten, die das große Geschäft witterten. Die Eidgenossen hatten kaum mehr als frische Luft zu bieten, davon aber jede Menge. Bald stand vor jedem Berggipfel ein Grand Hotel, mit dem sich die kostenlose Landschaft kapitalistisch verwerten ließ. Über die Jahrzehnte wurde das Reisen bequemer, die Angebote billiger, die Ziele exotischer. Aus dem Privileg wurde ein Massenvergnügen. Mit all seinen Folgen. Heute hängt ein Drittel der Weltwirtschaft am Tourismus und acht Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Von allen Schwerindustrien ist der Tourismus die schwerste.

Ischgl vor dem Neustart

Lässt sich der Alpentourismus reformieren?

Die Pandemie nahm in Europa ihren Anfang an einem der touristischsten Orte der Welt: Ischgl. aspekte kehrt zurück an den Ort, der derzeit an einem neuen Tourismuskonzept laboriert - doch Kritiker sagen, dass Ischgl das schon oft versprochen habe. Ein Fotoband zeigt eindrücklich, wie hier gefeiert und ignoriert wurde. Wir sprechen mit dem Fotografen Lois Hechenblaikner, wie er diese Zeit in Ischgl erlebte. Bleibt die Frage: Ändert Corona nun doch noch etwas? Was wird das sein und wie nachhaltig soll es werden?

Lois Hechenblaikners Fotoband "Ischgl"
Quelle: Steidl Verlag

In den Bergen, die neben 'Overtourism' auch Einsamkeit bieten, lässt es sich sinnieren über das, was Reisen dort bedeuten kann - und nachhaltig machen könnte. Dort fragt aspekte den Bergsteiger und ehemaligen Europaparlament-Abgeordneten Reinhold Messner, was auf die Alpen nach Corona zukommen könnte. Wie begegnet man dem nahezu unlösbaren Widerspruch zwischen profitträchtigem Massentourismus in künstlichen Bergwelten voller Schneekanonen und dem Reisen als Wandern zu sich selbst in erhabenem Ambiente und im Streben nach höheren Werten?

Die Ökologie des Reisens

Was zu tun wäre

Wer nicht weg fährt, kann nicht wiederkehren, sagt ein altes Sprichwort. Aber alte Sprichwörter bringen uns gerade nicht weiter. Das Wegfahren war nie so hindernisreich wie dieser Tage. Und doch birgt es die größten Chancen, wenn man sie nur sieht. Endlich ohne CO2-Fußabdruck dorthin fahren, wo man noch nie war. Und das im eigenen Land und ganz ohne Touri-Jet. Nehmen wir die wunderschöne Insel Juist, Perle der Nordsee, mitten im verrufenen Ostfriesland. Eine Insel, auf der Autos keine Chance haben und Möwe und Krebs sich in bester Luft Gute Nacht sagen, während die Kurgäste sich auf Fahrrädern gesund strampeln oder sich im besten Sinne rumkutschieren lassen. Ein Ansatz, der Schule machen sollte - auch anderswo, meint aspekte.

"Sight Seeing – Die Welt als Attraktion"

Eine Ausstellung in der Kunsthalle Emden

Was ist des Sehens würdig? Eine Sehenswürdigkeit. Platt wie wahr möchte man meinen. Doch wie wird etwas zur Sehenswürdigkeit, warum haben sich bis vor kurzem noch Horden von Massentouristen vor dem Eiffelturm fotografiert oder versucht, den Schiefen Turm von Pisa vor dem Umkippen zu bewahren? Woher kommt der menschliche Drang, fast möchte man meinen Zwang, sich an Orten zu versammeln, die Sehenswürdigkeiten versprechen - obwohl man am Ende den Eiffelturm, die Mona Lisa oder die lange Anna auf Helgoland nur auf dem Display des vor einem fotografierenden Touristen sieht? Diese Fragen stellt sich die kleine aber feine Emdener Kunsthalle gerade in einer illustren Ausstellung. Die Kunst ist an der Entstehung von Sehenswürdigkeiten naheliegenderweise nicht unbeteiligt. Von der venezianischen Stadtansicht und dem Dürerschen Panorama bis zur millionenfach verbreiteten Postkarte und schließlich zum milliardenfach geposteten Insta-Bild war es ein langer und doch gar nicht so weiter Weg. aspekte schaut, was des Sehens würdig ist.

Reisen, ohne in die Ferne zu schweifen

Jo Schück findet in Potsdam Architektur aus aller Welt, zum Beispiel eine Moschee mit Minarett, die eigentlich ein Dampfmaschinenhaus ist, oder das holländische Viertel und die russische Kolonie Alexandrowka. In der Stadt der Schlösser und Parks trifft er den Soziologen Andreas Reckwitz, um mit ihm über die Zukunft des Reisens und die Bedeutung des Reisens für unsere Gesellschaft zu sprechen.

Das Kreuz mit der Kreuzfahrerei

Matthias Polityckis Gedanken über das Reisen

Derzeit liegen sie überall am Kai. Zwangsläufig. Mehr als 500 Kreuzfahrtschiffe waren zuletzt auf den Weltmeeren unterwegs - ein beispielloser Boom. Laut Internationalem Kreuzfahrtverband buchten 2019 rund 30 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt - sechs Mal mehr als 25 Jahre zuvor. Der Schriftsteller Matthias Politycki verbrachte schon vor Jahren sechs Monate auf einem Kreuzfahrtschiff, eine Einladung der Reederei. Einzige Auflage – er sollte ein Buch darüber schreiben. Es wurde eine Satire. Politycki ist womöglich der meistgereiste deutsche Schriftsteller der Gegenwart, mit mehr als 100 Ländern auf der Uhr. In seinem aktuellen Roman "Das kann uns keiner nehmen" entführt er die Leser auf den Kilimandscharo, inszeniert dort ein Gipfeltreffen der besonderen Art. Es ist der Beginn einer Reise auch durch unsere Werte, Klischees und Weltanschauungen. Jede Reise sei zu Beginn ein Ausweg, so Politycki, in ihrem Verlauf ein Umweg und am Ende ein Rückweg zu uns selbst. Was meint er damit bloß?

Afrika schmecken

Einen Kontinent über das Essen entdecken

Maria Schiffer auf ihrer Reise quer durch Afrika in Namibia
Maria Schiffer auf ihrer Reise quer durch Afrika in Namibia
Quelle: Maria Schiffer

Afrika – wie fühlt sich der Kontinent eigentlich an, wie riecht er, wie leben die Leute jenseits der meist üblen Nachrichten? Das fragte sich die Fotografin Maria Schiffer. Ihre Idee: Ein Kochbuch. Sie machte sich auf, allein, mit kleinem Budget. Zehn Länder, viele Küchen, 50 Rezepte. Wo auch immer sie hinreiste: Sie fragte gleich nach der Ankunft: Mit wem könne sie wohl afrikanisch kochen? Und sie wurde sofort eingeladen. Die Geschichten über die Leute in ihrem Buch erfuhr sie am Herd. Maria Schiffer lädt aspekte zum Kochen ein – in den Berliner Wedding. Gemeinsam wird "Ravitoto" gekocht - das Rezept verdankt Maria der Familie von Natalie und Roger aus Madagaskar.

Am 12.07. wird Maria Schiffer das "Ravitoto"-Rezept auf ihrem Instagram-Account live nachkochen.

  • Moderation - Jo Schück
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