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aspekte - on tour vom 10. Mai 2019

Katty Salié auf der 58. Kunstbiennale in Venedig

Mit Kurator Ralph Rugoff in den Giardini und im Arsenale; Der deutsche Pavillon: Künstlerin Natascha Süder Happelmann; Frauen auf der Biennale; Margaret & Christine Wertheim: Häkelkunst gegen Plastikmüll in den Meeren.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.05.2020

Katty Salié führt durch die Kunstbiennale in Venedig. In den Giardini stellt sie den Deutschen Pavillon vor. Dort wie im Arsenale begibt sie sich auf Spurensuche nach den Favoriten für den Goldenen Löwen.

La Biennale di Venezia: Sa, 11. Mai 2019 - So, 24. November 2019.

Gesprächsgast:

Ralph Rugoff, Kurator Kunstbiennale Venedig
Quelle: La Biennale di Venezia

Ralph Rugoff, Kurator Kunstbiennale Venedig

Die rätselhafte Kunst des deutschen Pavillons

Deutschland wird in diesem Jahr auf der wichtigsten Kunstschau der Welt von einer Kunstfigur vertreten. Sie hat sich den unaussprechlichen Namen Natascha Süder Happelmann gegeben und tritt mit einem steinartigen Gebilde auf dem Kopf in die Öffentlichkeit. Ist sie aus dem All oder aus einem Loriot Sketch gefallen? Die Künstlerin verweigert jeder Form der Zuordnung und damit auch alles, was von Künstlerinnen und Künstlern erwartet wird: Eine Biografie, eine Einordnung in den Kanon der Kunstgeschichte. Auch wenn mittlerweile bekannt ist, dass hinter dieser Aktion die Künstlerin Natascha Sadr Haghighian steckt, die durchaus ein Werk vorzuweisen hat, in dem es um Migration, Machtmissbrauch, die Rüstungsindustrie und andere politisch relevante Themen geht, gibt sie als Kunstfigur Rätsel auf. Was wird die Besucher des historisch belasteten Pavillons erwarten? Eine politische Aktion, ein Spiel? Ernst oder humorvoll? Es wird um Kollaboration gehen und dazu hat sie ein ganzes Kollektiv, das vorwiegend aus anderen Künstlerin und Musikern besteht, eingeladen, die „ Ruine“ mit ihr zu bespielen. Fest steht schon jetzt, dass „Natascha Süder Happelmann“ den künstlerischen Geniegedanken ad absurdum führt und den Blick allein auf die Kunst lenken wird.

Faschist werden? Wie sich Italien verändert hat

Wie hat sich Italien unter der rechtspopulistischen Regierung verändert ? Ist Italien auf dem Weg zu einem neuen, modernen Faschismus? Die sardische Schriftstellerin Michela Murgia ist überzeugt davon. Nur wolle das niemand wahrhaben. Mit ihrer Anleitung „Faschist werden“ will sie das ändern. Ihre Satire – zur Zeit das in Italien meistverkaufte Sachbuch - ist gerade auf Deutsch erschienen. Mit ihr und der Bestsellerautorin Francesca Melandri ("Alle außer mir") haben wir über Matteo Salvini und die Gründe für seinen Erfolg gesprochen. Und wie reagiert die Kunst auf das politische Italien? Dieser Frage gehen wir auf der Biennale nach. Den italienischen Pavillon gestaltet ein Künstlertrio auf der Grundlage eines Textes von Italo Calvino „Die Herausforderung des Labyrinths“ (von 1962). Subversiv oder eskapistisch?

Der weibliche künstlerische Blick auf die Welt

Katty Salié in den Giardini
Quelle: ZDF

Frauen auf der Biennale
KünstlerINNEN aus verschiedenen Ländern und Kulturen: Sie konkurrieren in den Nationen-Pavillons - die in diesen Fällen ebenfalls durch KuratorINNEN besetzt wurden - um den Goldenen Löwen der Kunst-Biennale Venedig. Sie geben aspekte Einblicke in „ihre“ Kunstwelt, auch in Bezug auf die Stellung von Frauen in der Kunstszene des jeweiligen Landes. aspekte ist unter anderem im Gespräch mit Hrafnhildur Arnardóttir (Shoplifter), die den isländischen Pavillon bespielt.

Porträt Margaret und Christine Wertheim
Margaret Wertheim ist eigentlich Wissenschaftsjournalistin und ihre Zwillingsschwester Christine Wertheim Literaturwissenschaftlerin und Kuratorin. Sie sind als Künstlerinnen zu dieser Biennale eingeladen worden, weil sie seit 13 Jahren an einem aus Plastikmüll gehäkelten Korallenriff arbeiten, das mittlerweile gigantische Ausmaße angenommen hat. Unterstützt von zahlreichen, zumeist weiblichen Helfern weltweit, wollen sie mit diesem Projekt nicht nur auf die Schönheit der vom Aussterben bedrohten Korallenriffe hinweisen, auf die Situation der von Plastikmüll verseuchten Meere. Es geht bei diesem Projekt auch um Mathematik, um die Darstellbarkeit von komplexen organischen Formen, an denen zahlreiche Wissenschaftler bisher gescheitert sind. Die unterschätzten Hausarbeitstechniken werden zum künstlerischen Instrument um eine Brücke von der Naturwissenschaft in die Kunst zu schlagen. Die universelle Schönheit der Natur greifbar und den Verlust sichtbar zu machen.

Was macht der Tourismus mit Venedig?

Als Thomas Mann 1911 am Lido in Venedig abstieg, versprach das „Grand Hotel des Bains“ jenen Komfort, ohne den die Elite des Fin des Siècle auch Venedigs morbide Schönheit nicht hätte genießen wollen: Fließendes Wasser, fließender Strom und ein Heer voll emsiger Bediensteter. Heute, da das Reisen längst kein elitäres Vergnügen mehr ist und auch die letzte Airbnb-Gruft über fließend Wasser und Strom verfügt, ist Venedig weltweit das Symbol für „Overtourism“ und das „Grand Hotel des Bains" eine Ruine: 53.000 Einwohner stehen 33 Mio. Besuchern jährlich gegenüber - die meisten davon Tagestouristen, die außer Müll wenig in der Stadt zurücklassen, jedenfalls kaum Geld. Venedig, die fragile Schönheit, ist keine lebendige Stadtgemeinschaft sondern eine weitgehend sinnbefreite Hülle, die meistbietend an internationale Investoren verramscht wurde. Der Plan, für dieses „Veniceland“ nun auch offiziell Eintritt zu nehmen, wurde zwar noch einmal verschoben, aber die Serenissima ist längt Opfer des eigenen Erfolgs geworden: Das Prinzip der Verknappung (Nur noch heute! Nur für kurze Zeit! Greifen sie zu!) ist auch für die Fremdenverkehrsindustrie elementar. Und womit ließe sich besser werben, als mit einer dem Untergang geweihten Stadt? (Nur noch heute! Buchen Sie schnell!) Tatsächlich hat sich der Tod in Venedig schon vor Jahrhunderten auf Ratenzahlung eingelassen: Bislang haben weder Kreuzfahrschiffe, Umweltverschmutzung noch Massentourismus für einen schnellen Exitus gesorgt. Stattdessen droht ein langes Siechtum.

Valentin Groebner
Quelle: Universität Luzern / Franca Pedrazetti

Dazu Gesprächsgast:
Valentin Groebner, Historiker für mittelalterliche Geschichte

  • Moderation - Katty Salié
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