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aspekte on tour - vom 17. August 2018

Katty Salié & Jo Schück in Europas Kulturhauptstädten 2018

Von Erdäpfeln und Ordensrittern - Europas Kulturhauptstädte 2018: Leeuwarden und Valletta.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.08.2019

Bis auf das für beide jeweils große Thema "Wasser" und natürlich die eigenständige "kleine" Sprache - Friesisch und Malti - haben die beiden Städte im Kulturjahr wenig gemeinsam. Leeuwarden und Valetta - sie stehen für Licht und Schatten im Europa der Gegenwart.

"Potatoepoetischer" Austausch zwischen Malta und Friesland

Die gesamte Region Friesland ist Kulturhauptstadt - mit Leeuwarden im Zentrum und zehn weiteren Städtchen, inmitten einer flachen, grünen, weitgehend strukturschwachen Naturlandschaft, darunter das Weltnaturerbe Watt. Die Friesen präsentieren sich unter dem Motto "Trau Dich!". Ungleich zahlreicher europäischer Vorgänger mit teils internationalen Kuratoren und großen "Acts" ermuntern und beflügeln sie sich gegenseitig. Sie bauen auf Initiativen und Ideen von Bürgern und lokalen Künstlern, setzen auf Behutsamkeit, Charme und Poesie.

Der Brunnen des Künstlers Jaume Plensa
Der Brunnen des Künstlers Jaume Plensa in Leeuwarden
Quelle: ZDF

Neue visionäre Projekte im Umgang mit Landschaft und Natur sind gefragt. Die Friesen - und auch aspekte-Moderator Jo Schück - betreten neues Terrain. Gemeinsame Herausforderungen gemeinsam bewältigen - das zieht sich durch das Programm im Kulturjahr. Die "Elfstedentocht", der berühmt gewordene Eislauf durch alle elf Städte auf Kanälen und Grachten, konnte seit 20 Jahren nicht mehr stattfinden. Schuld daran ist der Klimawandel. Nun haben internationale KünstlerInnen zusammen mit den Bürgern elf einzigartige Brunnen gestaltet. Sie thematisieren in jeder der friesischen Städte auf ihre Weise 'die Gewalten'.

"Holländisch", "Niederländisch", "Friesisch" - was bedeutet das eigentlich dieser Tage? Das Theaterkollektiv Wunderbaum hinterfragt laut und mit furiosem Hintersinn, was es im heutigen Europa mit Nation, Identität und patriotischen Klischees auf sich hat. Wie könnte, sollte unser Leben aussehen in der Zukunft? In der Ausstellung "Places of Hope" erkunden die Besucher - mit 3D-Brillen - farbenfrohe Szenarien. "Dare to be different" ist eines der Leitmotive in Leeuwarden 2018. "Different" - so empfanden die Leeuwardener seinerzeit wohl auch den berühmtesten Sohn der Stadt, den Zeichner und Grafiker M.C. Escher. Ihm war es zu 'eng' in der Weite Frieslands, er ging jahrelang nach Italien und Spanien, ließ sich dort inspirieren zu seinen heute weltberühmten illusionistischen Grafiken. "Escher auf Reisen" - so der Titel der Ausstellung im renommierten Fries-Museum Leeuwarden.

Im Blick auch: die Poesie der Kartoffel. Schon vor der diesjährigen Partnerschaft mit der Stadt Valletta begann ein "potatoepoetischer" Austausch mit Malta. Dichter am Mittelmeer wie an der Nordsee erzählen Geschichten, die auf die ein oder andere Weise Erdäpfel betrachten. Eine unter ihnen ist die Sorte "Valletta".

Valletta, Maltas Hauptstadt, wurde bereits 1980 wegen ihrer vielen historischen Bauwerke ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Die Renaissance-Stadt, 1566 gegründet und von einem Schüler Michelangelos am Reißbrett geplant, ist das steinerne Vermächtnis des Malteser Ritterordens. Die sieben "Zungen" des Männerordens - also die Sprachen der Länder, aus denen die Ritter nach Malta kamen - bildeten schon vor Jahrhunderten einen Vorläufer der EU 'en miniature'.

Zwei europäische Städteregionen mit großer Handelsgeschichte

Katty Salié in einem Fischerboot an der maltesischen Küste
Katty Salié begleitet einen maltesischen Fischer

Leider ist von diesem internationalen Erbe im Programm der Kulturhauptstadt wenig bis kaum etwas zu ahnen. Seit Maltas Regierung im vergangenen Jahr das Leitungsteam der Kulturhauptstadt ausgetauscht hat - kommentarlos und ohne den Hauch einer Begründung - besteht das Programm aus einer Reihe mehr oder weniger glanzvoller Events. Ein Vorgehen, das auch bei der EU für Unmut sorgte: der Vorsitzende des EU-Ausschusses, der Valletta einst ausgewählte, ruft offen zum Boykott auf.

Gegenwart und Zukunft der kleinen Inselrepublik bereiten Kopfzerbrechen. Spätestens seit dem Mord an der Investigativ-Journalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia im vergangenen Jahr steht Malta als Steuerparadies, Mafia-Hochburg und Korruptionsmoloch am Pranger. Während Vallettas Glanzzeiten verdienten die nicht immer keuschen Ordensritter mit dem Export seltener Potenzpilze. Heute verkauft die Inselrepublik EU-Pässe an Superreiche aus aller Welt. Unbestreitbar hatten die traditionsbewussten Malteser schon immer ein großes Talent dafür, sich neu zu erfinden.

Umstrittenste Kulturhauptstadt seit Jahren

Was macht eine europäische Kulturhauptstadt aus? Und was bietet Valletta? Katty Salié taucht ein in die wechselvolle Geschichte Maltas, trifft einen echten Ritter und spricht mit Machern wie Kritikern der wahrscheinlich umstrittensten Europäischen Kulturhauptstadt seit Jahren.

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