aspekte extra: Die Frankfurter Buchmesse 2017

Bücher, Autoren, Gespräche und ein Blick auf Frankreich - Gastland der Buchmesse

Kultur | aspekte - aspekte extra: Die Frankfurter Buchmesse 2017

Katty Salié und Jo Schück sorgen auf der Bücher-Mammutschau für Orientierung.

Beitragslänge:
32 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.10.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Junge Autoren über ein zerrissenes Land

Frankreich - Gastland der Frankfurter Buchmesse 2017

Frankreich steht für die schönen Seiten des Lebens. Und für die Kunst, das Leben zu genießen. Doch unter der eleganten Oberfläche gärt es, und das findet seinen Widerhall in der französischen Literatur. Wir stellen Frankreichs neue Schriftstellergeneration und ihre Themen vor. In Lyon lehrt Tristan Garcia Philosophie. Frankreichs Identität als Republik steckt tief in der Krise, glaubt er. In seinem Roman "Faber" reflektiert er über Fremdbestimmung und gesellschaftliche Zwänge. Dramatisch findet Garcia, dass das Arbeitermilieu und die weiße Mittelschicht ihre eigene Identität verloren haben. Er gehört zu einer jungen aufsehenerregenden Generation französischer Schriftsteller, die den Zustand des Landes durchleuchtet. Wie auch Leila Slimani - geboren in Marokko, lebt sie seit langem in Paris. Für sie ist wichtig: Die Franzosen müssten sich untereinander versöhnen. In ihrem Buch "Dann schlaf auch Du" prallen zwei in der Großstadt getrennt lebende Klassen aufeinander: Die neue Bourgeoisie mit Nachwuchs und ein Kindermädchen aus armen Verhältnissen. Sie zusammenzubringen, bedeutet eine Art Kampf, sagt Slimani. Die Reichen wollen zu viel. Die Armen bleiben mit ihren Problemen allein. Und dann sind da noch die Erschütterungen durch den Terror der jüngsten Zeit. Wie gewalttätig das Zusammenleben ist, reflektiert Édouard Louis in seinen autobiographischen Romanen. Dessen neues Buch "Im Herzen der Gewalt" erzählt von seiner Nacht mit dem Drogenabhängigen Reda. Dessen Vater kam aus Algerien, litt in einem engen Wohnheim unter Rassismus. Eine Vorgeschichte, die mit erklärt, warum Reda brutal wird. Louis macht Gewalt zum Thema. Eine aufsehenerregende neue Generation französischer Schriftsteller schreibt über die gesellschaftlichen Brüche und Gräben, die Frankreich heute zerreißen.

Kultur verteidigen?

Terry Eagletons Streitschrift

Terry Eagleton: Kultur. Ullstein
Quelle: ZDF

'Unsere Kultur', raunt es auf der rechten Flanke, 'die machen uns unsere schöne Kultur kaputt.' Die, das sind die Flüchtlinge und der ahnungslos, linksgrünversiffte Rest. Goethe, Schweinshaxe, Fashion Week? Was soll das sein: Kultur? Und: Sollten wir uns um sie sorgen? Sollten wir, sagt Terry Eagleton, Britanniens prominentester Kulturtheoretiker und bekennender Marxist. Für ihn beginnt das Problem schon damit, dass wir unseren Kulturbegriff so erweitert haben, dass er praktisch alles umfasst: Das macht es schwer zum Kern der Sache vorzudringen. Kultur ist etwas, das gehegt und gepflegt werden muss. So viel hat unser Kulturbegriff noch mit Yoghurt-Kulturen gemein. Seit die Kultur sich vom elitären Vergnügen zum Massenphänomen gehäutet hat, hält sie der Kapitalismus im Griff. Das Profitstreben sorgt dafür, dass die Kultur global an Einfluss gewinnt. Von der Logik des Marktes, warnt Eagleton, sollten wir uns nicht täuschen lassen: Auch wenn Kultur zur Ware wurde: Masse ist kein Wert an sich. Nur weil etwas kulturell bedingt ist, muss man es nicht kritiklos hinnehmen. "Eine Meinung ist nicht deshalb zu respektieren, weil jemand sie vertritt.“ Und weiter: „Genauso wenig sind alle Minderheiten vorbehaltlos zu akzeptieren. Die herrschende Klasse ist so eine Minderheit.“

Gespräche auf der Buchmesse

Katty Salié trifft Daniel Kehlmann, der seinen von der Kritik hochgelobten historischen Roman "Tyll" auf der Buchmesse vorstellt. Kehlmann erzählt darin die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges aus der Perspektive des berühmten Schelmen Till Eulenspiegel.

Mit einer Institution des Literaturbetriebs, der Verlegerin Antje Kunstmann, spricht Jo Schück über das Geschäft von Verlagen in politisierten Zeiten. Wie reagiert Literatur auf Politik und gesellschaftliche Diskussionen?

Ayelet Gundar-Goshen "Lügnerin"

Ein Roman über Lügen und ihre Folgen

Wir alle lügen, die meisten von uns mindestens ein Mal täglich. Die meisten Lügen bleiben folgenlos – und unerkannt. Was aber geschieht, wenn aus einer vergleichsweise kleinen Lüge eine faustdicke wird? Eine, die andere Menschen ins Unglück zu stürzen vermag? Die israelische Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen begibt sich in ihrem neuen Roman "Lügnerin" in die Untiefen und Abgründe von Lügengeschichten heute und deren Auswirkungen - auf den Einzelnen genauso wie auf die Gesellschaft. In unserer "postfaktischen" Welt von Twitter, Facebook & Co zählen, so die Autorin, "Stories" und Lügen mehr als Fakten. Und zuweilen basiere der Gründungs-Mythos einer ganzen Nation auf einer Lüge, so Gundar-Goshen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.