aspekte am 30. September 2016

Moderation: Katty Salié & Tobias Schlegl

Kultur | aspekte - aspekte am 30. September 2016

Interview mit der Politologin Esra Küçük. Sie setzt sich in der Initiative "Die Offene Gesellschaft" ein, fordert mehr Mut und Offenheit im Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen.

Beitragslänge:
3 min
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Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Plädoyer für politisches Engagement

Kulturschaffende melden sich zu Wort

Deutschland ist zerrissen. Zerrissen zwischen Hilfsbereitschaft und Fremdenfeindlichkeit, zwischen Altparteien und neuen Rechten, zwischen Abschottung und Offenheit. Die neuesten Zahlen sind schockierend: Gewaltbereitschaft von politischen Extremisten nimmt zu, gerade flogen Sprengsätze in Dresden, Hasstiraden im Netz untergraben das gesellschaftliche Miteinander, der politische Diskurs verroht. Dagegen tritt nun auch Martin Roth an, der langjährige Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden legte gerade sein Amt als Chef des Londoner Victoria & Albert Museum nieder. Kulturschaffende dürfen nicht wegsehen, sondern müssten Fürsprecher einer offenen Gesellschaft sein, so sein Credo.

Der unschuldige Doppelmörder?

Neuer Film zum Fall Jens Söring

Jens Söring war ein naiver, verliebter Student, der in die Mühlen der amerikanischen Justiz geriet. Lebenslang wegen eines Mordes verurteilt, den er erst gestand, um seine Freundin zu schützen, und dann wieder bestritt. Seit 30 Jahren sitzt er in den USA im Gefängnis, obwohl es seit langem mehr als begründete Zweifel an seiner Schuld gibt. Der Dokumentarfilm „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ von Markus Vetter und Karin Steinberger rollt den Fall nun neu auf und legt Beweise vor, die belegen, dass Spuren übersehen wurden, die seine Unschuld belegen könnten.
Filmstart: 27.10.2016

Elif Shafaks neuer Roman

„Der Geruch des Paradieses“

Elif Shafak ist die berühmteste türkische Schriftstellerin. Die kosmopolitische Politikwissenschaftlerin und Feministin lebt seit Jahren in London. Ihr neuer Roman „Der Geruch des Paradieses“ liest sich wie ein Psychogramm der gegenwärtigen Türkei. Peri, die weibliche Heldin, kommt aus einer Familie, die ebenso tief gespalten ist wie die türkische Gesellschaft, in der sie lebt: Säkulare, Strenggläubige, Ultranationalisten und Linke. Peri, weder besonders religiös noch ungläubig, steht wie die Türkei zwischen Orient und Okzident. Sie sucht nach einem dritten Weg, nach ihrer Identität. Peri studiert in Oxford, freundet sich mit zwei ganz unterschiedlichen Musliminnen an: einer gläubigen und einer, die den Islam als rückständig hinter sich gelassen hat. Im Seminar eines geheimnisvollen, charismatischen Professors kommt es zu hitzigen, intellektuellen Diskussionen über Gott. An solchen offenen Diskursen, an Akzeptanz der Vielfalt von Menschen und Meinungen mangele es derzeit in ihrem Heimatland, beklagt Elif Shafak. 2006 wurde sie wegen der Äußerungen einer ihrer Romanfiguren wegen „Beleidigung des Türkentums“ vor Gericht gestellt – und freigesprochen. Im Interview mit aspekte äußert sie sich tief besorgt über den Niedergang der Demokratie, fordert Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit, Rechte für Frauen, ethnische und sexuelle Minderheiten und setzt sich für verhaftete Schriftsteller und Journalisten ein.

Ein neues Museum für Afrika

Das „Zeitz MOCAA“ in Kapstadt

Im Februar 2017 soll es endlich soweit sein: Dann soll Afrika endlich seinen eigenen Kulturtempel bekommen: Das „Zeitz Museum for Contemporary Art Africa“, kurz MOCAA. Dahinter steht der ehemalige Puma-Chef Jochen Zeitz, der schon seit etlichen Jahren Kunst aus Afrika sammelt und eine erhebliche Sammlung zusammengeführt hat. Diese soll künftig als Dauerleihgabe dem Museum zur Verfügung stehen, außerdem kommt Zeitz für die laufenden Kosten und das Ankaufsbudget auf. Als mögliche Standorte hatten die Macher Lagos und Nairobi im Blick, aber letztendlich ist die Wahl auf das bei Touristen so beliebte Kapstadt gefallen. Die Architektur ist beeindruckend: ein altes Silogebäude wird entkernt und soll zukünftig auf 6000 Quadratmetern nebst Skulpturengarten mehr als 1000 Exponate beherbergen. Mit dem Projekt folgt Zeitz auch einem Trend: Afrikanische Kunst ist weltweit im Kommen. Zeitz versteht sich als eine Art Mäzen derselben, aber es gibt auch Kritik: ausgerechnet ein Europäer startet ein solches Projekt, noch dazu mit einem weißen Kurator. Und ausschließlich diese beiden entscheiden über Ankäufe – das kommt gerade in Südafrika mit seinen nach wie vor vorhandenen Spannungen zwischen schwarz und weiß, nicht überall gut an.

Porträt Ferdinand Schmalz

Shootingstar der Theaterautoren

Ferdinand Schmalz Stücke haben so seltsame Namen wie „Am Beispiel der Butter“, „Dosenfleisch“ oder „Der Herzerlfresser“. Der Mann hat eine Schwäche für Lebensmittel, soviel ist sicher. Die hat auch keinen Halt vor seinem Künstlernamen gemacht - denn bürgerlich heißt er einfach Matthias Schweiger. Schmalz gehört zu den derzeit meist gespielten österreichischen Dramatikern. Seine Stücke spielen in Molkereien, in einer Autobahnraststätte, im Einkaufszentrum oder im Thermalbad. Ihn interessiert das Alltägliche, das scheinbar Banale, die Fußnote in der Regionalzeitung. Der Theaterautor Ferdinand Schmalz ist ein begnadeter Wortakrobat. Er „fettet“ seine Texte an mit Witz, Beobachtungsgabe, Ironie und illustren Metaphern. Seine Sprachspiele sind die Essenz der Stücke. Er wechselt zwischen einer manieristischen Kunstsprache und Kalauern hin und her - ein großes Vergnügen. Und ihm gelingt der Drahtseilakt, noch so Banales durch seinen humoristischen oberösterreichischen Blick in etwas Relevantes zu verwandeln. Mit seinem Debüt „Am Beispiel der Butter“ gewann er 2013 den Retzhofer Dramapreis, er war beim Mühlheimer Theatertreffen und eröffnete letztes Jahr mit „Dosenfleisch“ die Berliner Autorentheatertage. Jetzt feiert Schmalz neues Stück „Thermaler Widerstand“ am Deutschen Theater in Berlin Premiere. Grund genug, sich Ferdinand Schmalz genauer anzusehen.

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