Die Themen am 3. Juli 2015

Moderiert von Katty Salié und Tobias Schlegl

Amy Winehouse raucht

Kultur | aspekte - Die Themen am 3. Juli 2015

Der Schweizer Regisseur Milo Rau ist mit sogenannten "Reenactements" bekannt geworden. Ein Gespräch anlässlich der Aufführung seines Projekts "Kongo-Tribunal" in Berlin.

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Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Amy Winehouse - ein Dokumentarfilm über die Poplegende


Noch nie gesehene Bilder von Amy Winehouse zeigt der Dokumentarfilm „AMY“ von Asif Kapadia. Der britische Regisseur hat insgesamt 100 Leute aus ihrem Umfeld interviewt, und es ist ihm als erstem gelungen, ihre engsten Freunde und Wegbegleiter zu befragen. Darunter sind Viele, die eigentlich nach dem plötzlichen Tod der Sängerin ein Schweigegelübde abgelegt hatten. Ebenso bekam Kapadia Zugang zu einzigartigen Amy-Privataufnahmen, die auf den Laptops ihrer Freunde und Wegbegleiter schlummerten. Aus all diesem Material hat er ein einfühlsames Portrait komponiert, eines, das den Aufstieg des jüdischen Arbeiterkindes aus Nordlondon nachvollzieht - bis zu den tragischen Umständen, die letztlich zu ihrem Tod geführt haben. "Amy" - ein Jahrhundertalent und ein Mädchen, das die künstlerische Kraft besaß, ihre Depressionen, ihren Liebeskummer wie auch ihre glücklichen Erfahrungen in allgemeingültige Songs zu verwandeln, Lieber, die die Menschen berührten. Aber sie hatte weder die psychische und noch die physische Konstitution, auszuhalten, dass die ganze Welt ein Stück von ihr wollte.

Der europäische Traum am Ende? Wie Europa noch zu retten ist

Es ist ein jämmerliches Bild, das Europa gerade bietet. Das Bild einer permanenten Krise. Vom Versprechen der "Europäischen Idee" - von Einheit, Demokratie, gemeinsamem Wohlstand und Frieden - ist wenig geblieben. Dort, wo 2001 im Zuge des Schengener Abkommens die Grenzzäune fielen, in Dänemark nämlich, denkt die neu gewählte Regierung gerade wieder über Grenzzäune nach. Und dort, wo die Wiege der Demokratie liegt, verglüht der europäische Traum am schnellsten: in Griechenland.

Europäer will kein Deutscher mehr sein, wenn es um die Griechen geht. Europäer wollen vielleicht auch die Briten schon bald nicht mehr sein. Und die, die gerne Europäer wären, aber qua Geburt keine sind, sterben vor den europäischen Grenzen. Niemand will die Flüchtlinge und wenn sie schon jemand nehmen muss, dann bitte die anderen. Es geht um Schuld und Schulden. Unnachgiebigkeit. Und um Wohlstand zu einem hohen Preis: Kälte, Chauvinismus, Nationalismus, Elitenbewusstsein - nichts, wofür Europa jemals angetreten ist. Das Europa von heute teilt sich auf zwischen Norden und Süden, arm und reich, Gläubigern und Schuldnern. Und der Euro, das Jahrhundertwerk, das die Staaten näher zusammen rücken sollte, scheint nur noch eine Währung ohne Gemeinschaft. Sind Euro und Europa gescheitert? Wir sprechen mit dem deutschen Historiker Heinrich August Winkler, dem britischen Historiker Brendan Simms und dem Kultursoziologen Joseph Vogl.

Schwulsein als deutsche Erfindung

Für Traditionalisten dürfte diese Ausstellung eine Provokation sein. Ein klarer Fall von „homosexueller Propaganda“ und „Gender-Wahn“: Zusammen mit dem Schwulen Museum feiert das ehrwürdige Deutsche Historische Museum Berlin die "Homosexualität_en". Eine Doppelausstellung erzählt die Kulturgeschichte eines 150 Jahre währenden, letztlich erfolgreichen Befreiungskampfs. Während Deutschland noch über die Homo-Ehe diskutiert, haben die USA und auch das katholische Irland die Ehe für gleichgeschlechtlich Liebende geöffnet. Dabei ist Homosexualität eine deutsche „Erfindung“, sagt der amerikanische Historiker Robert Beachy. Nirgendwo auf der Welt reiche die Geschichte der "queren" Bewegung so weit zurück wie in Berlin. aspekte folgt verschütteten Traditionslinien, die Traditionalisten traditionell übersehen.

Le Corbusier zum 50. Todestag. Ein Werk zwischen Glanz und Zerfall

Anlässlich des 50. Todestags von Le Corbusier am 27. August setzen sich zahlreiche neue Bücher und Ausstellungen mit dem (Schweizer) Altvater der modernen französischen Archtitektur auseinander. Besonders bemerkenswert: eine Film-Installation der New Yorker Künstlerin Amie Siegel im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK). Siegels - schon im Forum der diesjährigen Berlinale ausgezeichnete - investigative Arbeit PROVENANCE beginnt mit der Versteigerung von Designermöbeln, die Le Corbusier 1951 für Chandigarh, seine avantgardistische "City of Beauty" in Indien, die dortigen Gebäude fertigen ließ. Mehr als ein halbes Jahrhundert später wechselt in einer Auktion einer dieser Tische für 80.000 Euro den Besitzer, eine Couch kommt für fast 100.000 Euro unter den Hammer. Ausgehend von diesem starting point verfolgt Amie Siegel der Spur dieser Möbel: in Restaurationswerkstätten, wo die Designermöbel vor ihrer Versteigerung auf Hochglanz getrimmt wurden, auf dem Schiff, das die Designermöbel zuvor von Indien nach Europa geschafft hat. Und schließlich bis in die indische Planstadt Chandigarh. Dort aber, so hat Amie Siegel ermittelt, verrotten die im Westen so hoch gehandelten Designermöbel ebenso wie die modernistischen Gebäude Le Corbusiers. Das wirft Fragen auf: Nicht nur nach dem Wert, den Le Corbusiers Kreationen heute noch haben. Sondern auch nach dem offensichtlichen Unterschied in der Bewertung zwischen Osten und Westen. Damit aber steht auch die Universalität seiner Kunst infrage. Wie sehr Chandigarh dieses Nachdenken herausfordert, zeigt sich an einer bemerkenswerten Parallele: Auch im Züricher Centre Le Corbusier ist das indische Utopia das große Thema einer Exposition zum 50. Todestag des Meisters. Titel: "Chandigarh sehen. Schweizer Reportagen". Die Frage "Was bleibt?" wird hier durch Fotoserien aus verschiedenen Jahrzehnten aufgeworfen - im Kontrast von Glanz und Zerfall.

Milo Rau und das Kongo-Tribunal. Wenn die Kunst die Justiz ersetzt

Der Schweizer Milo Rau gehört zu den umstrittensten Regisseuren seiner Generation - und zu den umtriebigsten: Gerade inszenierte er das nach eigenen Worten "wohl größenwahnsinnigste politische Kunstprojekt unserer Zeit": "Das Kongo-Tribunal". Milo Rau hat dafür im Kongo Zeugen, Täter, Politiker und Verantwortliche getroffen und interviewt. Es geht um den möglicherweise wichtigsten Wirtschaftskrieg der Gegenwart. Auf kongolesischem Territorium lagern die entscheidenden Bodenschätze unserer Zeit: Coltan, Kobalt, Kupfer, Zinn. Die Rohstoffe, die unsere Kommunikationstechnologie und auch die Energiewende am Laufen halten - ohne die wir kaum überleben können. Milo Rau lässt Verantwortliche und Täter dieses Krieges vor einem fiktiven 6-tägigen Tribunal aussagen, dies sowohl im Kongo als auch in Berlin. Menschenrechtsverletzungen, Wirtschaftskriminalität und Korruption werden vor einer internationalen Jury verhandelt. Zum ersten Mal müssen sich die Verantwortlichen stellen. Milo Rau versucht, mit seiner Inszenierung das zu erreichen, was das Rechtsystem in einem seit mehr als 20 Jahre andauernden Bürgerkriegsgebiet nicht schafft: Gerechtigkeit herzustellen, Widersprüche aufzuzeigen, Recht zu sprechen. Alles im Namen der Kunst.
Parallel arbeitet Rau an verschiedenen Theatern am nächsten Projekt, einer "Europa-Trilogie", in der er den heutigen europäischen Entwurf in Frage stellt. "Das erste, was wir tun sollten, und ich versuche das selber mit meinen Projekten, ist uns vor Augen zu führen, was wir tun. Im Grunde sind wir (Europa) ein großer Machtblock, der, ganz simpel gesagt, Böses tut, um ein gutes Leben zu führen. Dazu führen wir Wirtschaftskriege, zum Beispiel im Kongo. Ich will nicht später zu meinen beiden Töchtern sagen müssen, ich habe die ganze Zeit nur Tschechow im Residenztheater gemacht - da hätte ich ein schlechtes Gefühl."
Milo Rau hat sich mit seinen Projekten etwas Größenwahnsinniges vorgenommen. Wir haben ihn dabei begleitet.

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