Die Themen am 10. April 2015

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.30 Uhr.

Mut zum Denken - Der saudische Blogger Raif Badawi

Im Sommer 2014 wurde der Blogger Raif Badawi von einem saudischen Gericht zu zehn Jahren Gefängnis, einer hohen Geldstrafe und zu 1000 Peitschenhieben verurteilt. Sein „Verbrechen“: Er schreibt, was er denkt - und das ist in der Regel äußerst Kritisches über den Islam in Saudi-Arabien. Im Januar 2015 wurden die ersten 50 Peitschenhiebe vollstreckt, im Vorhof einer großen Moschee in Dschedda. Weltweit setzen sich Menschen und Organisationen für seine Freilassung ein. Und dafür, dass er zu seiner Ehefrau nach Kanada reisen darf. Ensaf Haidar lebt dort mit den drei gemeinsamen Kindern im Exil. Sie war es auch, die half, die Texte Badawis, die jetzt auf Deutsch erscheinen, zu editieren. aspekte trifft Ensaf Haidar in Kanada zum Interview.


Mutterliebe und Missbrauch - Rosa von Praunheims neuer Film

Männer, die sich an Kindern vergehen - an solche Meldungen haben wir uns schon fast gewöhnt. Aber dass Mütter ihre eigenen Kinder missbrauchen, darüber wird nach wie vor nicht gesprochen. Andreas Marquardt wurde von seiner Mutter missbraucht, da war er gerade mal acht Jahre alt. Später wurde er der gefährlichste und brutalste Zuhälter Berlins. Rosa von Praunheim erzählt in seinem neuen, halbdokumentarischen Film "Härte" die Lebensgeschichte von Andreas Marquardt, und wie es diesem gelang, den Teufelskreis aus Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung zu durchbrechen und einen Weg zurück ins Leben zu finden. Heute betreibt er ein Karatestudio in Berlin-Neukölln und engagiert sich für Missbrauchsopfer. Der Filmemacher ist zusammen mit Andreas Marquardt im aspekte-Studio, um mit uns über "Härte" zu sprechen.

Nichts war zu Ende - Steven Uhlys "Königreich der Dämmerung"

Die "Stunde Null" ist eine Fiktion. Tatsächlich ist das Kriegsende im Mai '45 kein finaler Punkt, von dem aus alles neu beginnt. Tatsächlich werden Juden, selbst die Überlebenden der Konzentrationslager, noch jahrelang rüde herumgeschubst in Europa. Tatsächlich schämen sich Täter nicht, sondern erschleichen sich ihre "Entnazifizierung" oder machen Karriere im deutschen Geheimdienst. Auch darum heißt das Ziel fast aller europäischen Juden Israel, das gelobte - das eigene - Land.

In seinem großen Kriegsende-Roman "Königreich der Dämmerung" schildert der Münchner Autor Steven Uhly in einer packenden Mischung aus Fakten und Fiktion den Aufbruch der Gepeinigten. Im Mittelpunkt des dramatischen Geschehens: die Brichah, eine zionistische Untergrundorganisation, die vor allem in Deutschland operiert. Mit gefälschten Pässen, "geliehenen" Lastern und reichlich Chuzpe gelingt ihr unter den Augen misstrauischer Alliierter eine logistiche Meisterleistung: Die legendäre "Exodus" ist nur eines der Schiffe, die die Brichah - gegen alle Widerstände - mit tausenden jüdischen Passagieren an Bord auf den Weg bringt - nach Palästina.

Der reine Glück - Cartoonist Gerhard Glück im Frankfurter Caricatura

Seine Werke tragen so befremdliche Titel wie "Wilfried zeigt seinen neuen Schuhen den tristen Alltag" oder "Auch Frau Hilberts brasilianisches Karnevalskostüm konnte ihre Ehe nicht mehr retten". Dennoch wagt man es kaum, Gerhard Glück einen simplen Cartoonisten zu nennen. Der Wahl-Kasseler pinselt seine Gags ganz altmeisterlich auf Leinwand, in Acryl und Tempera, wetterbeständig, für die Ewigkeit gemacht.

Seit Anfang der 70er veröffentlicht der gelernte Kunsterzieher seine Arbeiten in der "SZ", der "NZZ" oder dem "Eulenspiegel". Seinem ursprünglichen Beruf ist er dabei weitgehend treu geblieben: Das weihevolle Gewese des Kunstbetriebs nimmt er besonders gern aufs Korn. Das Caricatura, Frankfurts Museum für komische Kunst, versammelt in einer großen Retrospektive über 240 von Glücks Arbeiten: Heroen der Kunstgeschichte und Spießer in Öl, eben der reine "Glück im Museum".

Eigene Kunstwelten - Michael Beutler im Hamburger Bahnhof

Wenn Kunst das ist, was mit einfachen Mitteln verblüfft, dann ist Michael Beutler ein Großmeister. Der Mann aus Oldenburg hat die Begabung, aus den ärmsten Materialien Räume und Situationen zu bauen, die schlicht in Erstaunen versetzen. Gerade bereitet er unter dem Titel "Moby Dick" seine Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin vor. Fast alle Materialien für die Einbauten stellt Beutler mit seinem Team vor Ort her, mit selbst gebauten Apparaten, die ohne Strom Drahtgitterwände, Wellpapier, Gerüststangen oder bunte Papierbauklötze fabrizieren. Eine schwimmende Kuppel, die die Besucher selbst in Bewegung setzen können, bildet das Zentrum dieses Erlebnisraums, der auch während der Laufzeit der Ausstellung (17.4. - 6.9.2015) von Beutler und seinem Team weiter verändert wird. Beutler zeigt: Mit einfachsten Materialien und dem Einsatz der eigenen Fantasie, kann man eigene Kunstwelten schaffen.

"Brenna tuat’s schon lang" - Ein Film über Hubert von Goisern

Dass man ihn mal als Revoluzzer der Volksmusik feiern würde, hätte sich Hubert von Goisern nicht träumen lassen, als sein Großvater ihm vor Jahrzehnten eine Ziehharmonika schenkte: "Mich hot der Schlog troffen", erinnert er sich. Von Volksmusik wollte er nichts wissen. Erst Jahre später entdeckt er die Wucht der Ziehharmonika. In den 80ern war der Mix aus Rock und alpiner Volksmusik zunächst ein Schock. Doch dann starteten Goisern und seine "Alpinkatzen" durch, damals bis nach Paris, New York und sogar Texas. Goiserns Karriere zeichnet nun der Dokumentarfilmer Marcus H. Rosenmüller nach. Sein Film "Brenna tuat’s schon lang" ist eine Art Gesamtschau des umtriebigen Künstlers. Natürlich nur eine vorläufige, denn schon im Mai gibt es ein neues Album und den Auftakt zur Tournee.

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