Die Themen am 16. Januar 2015

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 0.00 Uhr.

"Tolerieren können wir nur, was wir falsch finden!"

Der Philosoph Rainer Forst ist Professor an der Universität Frankfurt. Seine Bücher über die Frage der Gerechtigkeit und das Problem der Toleranz haben ihn berühmt gemacht. Vor zwei Jahren wurde dem Schüler von Jürgen Habermas der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgesellschaft verliehen. Im Interview mit der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Philosophie-Magazin" sagt Forst, angesichts von Pegida müsse man bezweifeln, dass wir in einer toleranten Gesellschaft leben. Wir fragen nach: Welche Toleranzkonflikte hat das multikulturelle Deutschland, zu dem der Islam ebenso gehört wie die Demonstranten in Dresden?

Ein Film über das 1992er Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

In der Nacht zum Dienstag, 25. August 1992, setzten mehrere hundert Jugendliche unter den Augen von Fernsehkameras und Journalisten aus aller Welt und unter dem Beifall und Anfeuerungsrufen von über 3000 Zuschauern ein Asylbewerberheim in Brand. 120 Vietnamesen sowie Sozialarbeiter, Wachschutzarbeiter, Aktivisten der Antifa, der Ausländerbeauftragte der Stadt Rostock und ein Fernsehteam des ZDF-Magazins "Kennzeichen D" befanden sich im Gebäude. Die Polizei hatte sich zu diesem Zeitpunkt zurückgezogen, die Feuerwehr wurde von den Zuschauern nicht zum Haus durchgelassen. Der Notruf der Polizei funktionierte nicht und fast alle verantwortlichen Politiker waren nicht erreichbar. Die so genannte "Brandnacht" - das "Pogrom" von Rostock - war der Höhepunkt von fünftägigen "bürgerkriegsähnlichen" Ausschreitungen im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. Mit starrem Entsetzen musste sowohl die deutsche wie auch die Weltöffentlichkeit erkennen, dass zwei Jahre nach der friedlichen Revolution plötzlich wieder ein Ausbruch fremdenfeindlicher Gewalt möglich war, den man nach dem Ende des Nationalsozialismus in Deutschland nicht mehr für möglich gehalten hatte.

Der Film "Wir sind jung. Wir sind stark" zeigt eindringlich, wie eine Gesellschaft in einer lauen Sommernacht moralisch gegen die Wand fährt. Mit Feingefühl und Sensibilität folgt Burhan Qurbani, Regisseur mit afghanischen Wurzeln, dem schmalen Grat zwischen Verlust von Identität und der daraus resultierenden Flucht in eine Ideologie, die vermeintlich eine Perspektive verspricht. Mutig zeichnet Qurbani das Bild einer verlorenen Generation und das moralische Versagen einer Gesellschaft.

Mathematikgenie, Kriegsheld, schwul: Cumberbatch spielt Turing

Bekannt ist er für seine Rollen als brillianter, kühler, intellektueller Einzelgänger in Filmen wie "Inside Wikileaks", als Khan in "Star Trek" - und vor allem durch die Fernsehserie "Sherlock": Benedict Cumberbatch. Jetzt kommt er als der genialer Mathematiker Alan Turing in die deutschen Kinos. "The Imitation Game" zeigt, wie Turing - ein verschlossener Außenseiter - der Leiter eines Teams wurde, welches unter größter Verschwiegenheit den Kampf zur Entschlüsselung des "Enigma Decoders" aufnahm. Der riesige Druck, ein scheinbar unlösbares Problem zu lösen, wird im Film spannend präsentiert. Ebenso Turings wohl gehütetes Geheimnis, dass er schwul war - eine Straftat in England bis 1967. Durch Turings Verdienste wurde der Krieg an die vier Jahre verkürzt, Millionen Menschenleben wurden gerettet. Trotz all seiner Leistungen wurde Turing wegen seiner Homosexualität regelrecht verfolgt. Sein Status als einer der wichtigsten Logiker und Theoretiker des 20. Jahrhunderts  und als einer der Väter des modernen Computers half ihm nicht. 1952 wurde Turing angeklagt und verurteilt. Um eine Gefängnisstrafe zu vermeiden, entschied er sich für die Alternative: ärztliche und medikamentöse Behandlung. Diese löste Depressionen aus. Turing nahm sich zwei Jahre später das Leben. Erst 2009 entschuldigte sich der britische Premierminister Gordon Brown für die Verfolgung Turings, 2013 wurde Turing dann durch die Queen "begnadigt" und damit auch offiziell "rehabilitiert".

Die Sopranistin Anna Prohaska singt Lieder über den Krieg

Schwärmerei, naive Daseinslust, mystische Schrecke. Am kommenden Samstag feiert Carl Maria von Webers große romantische Oper "Der Freischütz" Premiere an der Berliner Staatsoper. Mit dabei auch Anna Prohaska als Ännchen. Bereits mit 23 Jahren gab die Sopranistin dort ihr Debüt und hat seither eine beachtliche Karriere hingelegt. Mittlerweile ist sie als Solistin auf allen großen Konzertpodien international gefragt. Und die mittlerweile 30-Jährige hat ein Faible für schräge Konzeptalben. Auf ihrer aktuellen CD singt sie Kriegslieder. Wir werfen mit ihr einen Blick hinter die Kulissen der aktuellen Freischütz-Produktion und begleiten sie zu den letzten Proben vor der Premiere.

Museumslotto: Geigenbaumuseum Mittenwald

Im "aspekte-Museumslotto", das einmal pro Monat einem kleinen Museum die Chance gibt, sich vor einem Millionenpublikum zu präsentieren, hat in der letzten Ziehung das Geigenbaumuseum Mittenwald gewonnen – ein Haus, in dessen Mittelpunkt Matthias Klotz, der Begründer des Geigenbaus in Deutschland, steht. Wir sind nach Bayern gefahren, um sich uns dort umzusehen - besonders neugierig darauf, ob die Geigen aus Mittenwald es klanglich mit einer Stradivari aufnehmen können.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet