Die Themen am 21. Oktober 2016

Moderation: Katty Salié & Jo Schück

Kultur | aspekte - Die Themen am 21. Oktober 2016

Beitragslänge:
10 min
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Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Jo Schück unterwegs auf der Buchmesse

Flandern, Feminismus, Flüchtlinge
Die Frankfurter Buchmesse: 7000 Verlage aus rund 100 Ländern stellen in diesem Jahr ihre Programme vor. Die Messe ist wichtiger Handelsplatz der Buchbranche, aber auch der Ort, an dem Autoren ihre neuesten Bücher persönlich präsentieren. Unmöglich, sie alle zu treffen – trotzdem: aspekte-Moderator Jo Schück versucht, sich einen Überblick zu verschaffen. Was charakterisiert die Literatur aus dem diesjährigen Gastland? Jo Schück spricht mit dem für seine Experimentierfreude bekannten Niederländer Arnon Grünberg und der Flämin Saskia de Coster. Zudem trifft er Journalisten und Autoren, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und die erstmals Texte in Deutschland veröffentlichen. Er spricht mit der Feministin Margarete Stokowski und vielen mehr.

Bruce Springsteen - "Born to run"

Wie er seine Depression bewältigte

"The Boss" ist krank. Zumindest war er das, jahrzehntelang. Bruce Springsteen hat seine Autobiografie geschrieben. Und was für eine. Es sind knapp 700 Seiten geworden, nicht unangemessen für einen Musiker, der auch mit 67 Jahren noch 4-stündige Konzerte feiert. Ja, feiert - die Bühne ist sein Ort der Freiheit, war lange Zeit seine einzige Zuflucht. Es waren Zeiten, in denen er regelmäßig Therapeuten besuchte. Sein Vater, irischstämmig, hat ihm die Depression "vermacht", war stärker als die lebensfrohe, italienischstämmige Mutter, damals, in Freehold, New Jersey - in der katholisch geprägten Arbeitergegend, in der der kleine Bruce aufwuchs, und dessen Ausbruchs-Werkzeug die Gitarre werden sollte. "Born to Run" - geboren, fortzulaufen, so hieß sein Album 1975, ein Meilenstein und der kommerzielle Durchbruch für Bruce Springsteen. Einen besseren Titel hätte er kaum für seine Autobiografie finden können - "Born to Run", ein ehrliches, anrührendes, aber auch humorvolles, rebellisches Buch, in dem Springsteen es schafft, den Geist des Rock ‚n Roll wie überhaupt das turbulente Amerika ab den 60ern zwischen zwei Buchdeckel zu packen - und dabei stets persönlich bleibt; geschrieben von einem, der den amerikanischen Traum lebte, dabei aber rastlos immer weiterlief, der Angst hatte - am meisten vor sich selbst.

Hass im Internet

Neuerscheinungen von Jon Ronson und Jarett Kobek
Noch vor wenigen Jahren bestand das Internet vor allem aus Katzenvideos und Sex – jetzt sind es zu sechzig Prozent Hass, heißt es in einer Broschüre des "No Hate Speech Movement", einer Kampagne des Europarats. Durch Shitstorms, die sich überbietende Empörung des Schwarms, haben Millionen online die Macht der Masse erfahren. Das Internet führt den Pranger wieder ein, die öffentliche Beschämung. Einzelne werden lebenslang für Kleinigkeiten bestraft, meint der britische Star-Journalist Jon Ronson in seinem Buch "In Shit-Gewittern". Gewinner des Massen-Rufmords sind die Schamlosen, die nichts schert, und die Internetriesen. Sie verdienen Milliarden am Hass - und provozieren ihn, so Jarett Kobek, Autor des Romans und Überraschungs-Bestsellers "Ich hasse dieses Internet". Facebook, Twitter, Instagram - die großen Internet-Plattformen sind für Kobek Ergebnis der Schulhoffantasien von Zwölfjährigen, gemacht für Konformismus, Neid, Bullying. Sie kehren die Sozialisation um, auch im "wahren Leben"! Ein Bully als US-Präsidentschaftskandidat zeigt, wie sich Online-Hass und Realität befeuern. Wir sprechen mit Jon Ronson, Jarett Kobek und Jasna Strick. Sie gründete den Hashtag #Aufschrei gegen Alltagssexismus mit und steht seit zwei Jahren im Kreuzfeuer des Online-Hasses. Der geht immer mehr von organisierten Gruppen aus, den Trollen, die sadistischen Spaß in der Post-Wahrheits-Ära haben. Strick berichtet, wie sie die Demütigungen überlebt und sich den Mund nicht verbieten lässt.

Simbabwes Erzähltalent Petina Gappah

"Die Farben des Nachtfalters"
Dieses Roman-Debüt hat es in sich: Im Todestrakt des Zentral-Gefängnis von Harare, Simbabwe, sitzt eine einzige Insassin; die junge Albino-Frau soll ihren weißen Liebhaber umgebracht haben. Sie schreibt ihr Leben auf und schnell wird klar, die Welt innerhalb der Gefängnismauern ist nicht wesentlich anders als draußen: Hoffnungslosigkeit, Gewalt, Sex und der Einfluss der Politik auf das Individuum. Glänzend schildert die Autorin die Zustände in einem Land mit 86 Prozent Arbeitslosigkeit, einer korrupten Regierung und dem täglichen Kampf ums Überleben. Im Interview in Harare nimmt die Autorin und Anwältin Petina Gappah kein Blatt vor den Mund.

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