Die Themen am 22. April 2016

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.35 Uhr.

Musikgenie und Idol

Prince ist tot

"Prince kann nicht sterben", twitterte der Rapper Ice-T. Songs wie "Purple Rain", "Sign o' the Times", "Kiss" und "When Doves Cry" sind unvergesslich, Prince hat mit seiner Musik eine ganze Generation geprägt. Im Alter von 57 Jahren ist der Musiker überraschend gestorben. Mit seinem einzigartigen Stil zwischen R&B, Funk, Rock und Soul galt
Prince als einer der vielseitigsten und wandlungsfähigsten Künstler seiner Zeit. Er gewann sieben Grammys, produzierte Alben und schrieb Songs für andere Musiker. Ein Nachruf.

Palmyra nach der Befreiung vom IS

Die Rettung des Weltkulturerbes

Der Triumphbogen von Palmyra - letztes Jahr vom IS gesprengt - erstrahlt dieser Tage in neuem Glanz, und zwar mitten in London: als sechs Meter hohe 3D-Kopie aus ägyptischem Marmor. Währenddessen konnten sich Journalisten einen ersten eigenen Eindruck von der Zerstörung der antiken Tempelstadt Palmyra in Syrien machen. Die Weltkulturerbestätte ist wieder in den Händen der syrischen Regierungstruppen. Laut dem Direktor der syrischen Antikenverwaltung, Maamoun Abdulkarim, sei nur etwa 20 Prozent zerstört - und könne in fünf Jahren wiederaufgebaut werden. Fakt ist jedoch, dass weite Teile des Geländes vermint sind. Das UNESCO Welterbezentrum hat sich mit Resolutionen zur Rettung und Konservierung der antiken Stätten befasst - und stößt auf Kritik. Die Ruinen scheinen zu einem Objekt in einer Propaganda-Schlacht zu werden: Wer darf Palmyra wiederaufbauen - wer muss an einen Tisch gebracht werden? Und wie kann eine solche Rekonstruktion überhaupt aussehen, was sind die nächsten Schritte? Wie lässt sich über Wiederaufbau sprechen, solange in Syrien noch Krieg herrscht?

Peggy Guggenheim und die Kunst

Warum sie Bilder und Männer sammelte

Kunstgeschichte wird in der Regel von Männern geschrieben. Der Dokumentarfilm „Peggy Guggenheim - Ein Leben für die Kunst“ erzählt vom aufregenden Leben einer emanzipierten Exzentrikerin, die süchtig war nach moderner Kunst. Diese Leidenschaft ließ Peggy Guggenheim zur einflussreichen Mäzenin, Sammlerin und Galeristin werden. Anfang der 20er Jahre geht sie nach Paris, wo sich die Avantgarde der ganzen Welt niedergelassen hat. Peggy trifft Surrealisten, Dadaisten, Man Ray, Picasso und Marcel Duchamp, der in Sachen Kunst ihr Lehrer und Ratgeber wird. In London eröffnet sie ihre erste Galerie. Wenig später im von den Nazis besetzten Paris kauft sie von in die Enge getriebenen Künstlern, die dringend Geld brauchen, den Grundstock ihrer enormen Sammlung. Da der Louvre, an den sie sich hilfesuchend gewandt hatte, diese Werke für nicht rettenswert hält, verschifft sie ihre Bilder getarnt als Haushaltsgegenstände nach New York. Dort heiratet sie den Maler Max Ernst und eröffnet ihre bahnbrechende „Art of the Century“-Galerie. Im Film ist auch Guggenheim selbst zu hören: auf bisher verschollen geglaubten Tonaufnahmen. Sie hat einige der größten Künstler unserer Zeit entdeckt und gefördert, darunter Jackson Pollock, Hans Arp, Wassily Kandinsky, Max Ernst, Salvador Dali, Joan Miro und viele andere. Die Kunst gab ihrem Leben einen Sinn, war ihr Weg der emotionalen Selbstfindung.

Arm und Reich in Deutschland

Eines der ungleichsten Länder Europas

Das Land der größten Ungleichheit in Europa: Deutschland. Den oberen zehn Prozent gehören zwei Drittel des gesamten Vermögens und die unteren vierzig Prozent haben so gut wie nichts. Das macht Marcel Fratzscher, Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, in seinem Buch "Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird" zum Thema. Er zeigt: Auch bei gleicher Begabung hat ein Kind aus sozial schwachem Elternhaus so gut wie keine Chance auf den Aufstieg. Und diese Chancenungleichheit ist eine Wachstumsbremse, sagt der Ökonom. Der österreichische Publizist Robert Misik geht noch weiter. Seine These: Es ist das Wirtschaftssystem selbst, das Ungleichheit hervorbringt. In seinem Buch "Kaputtalismus. Wird der Kapitalismus sterben und wenn ja, würde uns das glücklich machen?" fragt er nach Alternativen. Wir haben mit beiden Autoren über die wachsende Ungleichheit gesprochen.

Der britische Tenor Ian Bostridge

Live im Studio mit der "Winterreise"

Diesem Liederzyklus wird eine besondere, mystische Aura nachgesagt. Er ist eine Folge von 24 kurzen Liedern mit depressivem Text, geschrieben 1827 von einem trinkfreudigen Außenseiter, der sich wahrscheinlich wenige Jahre zuvor mit Syphilis angesteckt hat: Franz Schubert. Der Wanderer in Schuberts "Winterreise“ ist der erste Aussteiger in der Musikgeschichte, einer, der nicht in die Gesellschaft passt. Warum soll man sich heute mit der "Winterreise" beschäftigen, wo doch alles darin doch bloß Tod und Düsternis ist? Die Themen der "Winterreise“ waren damals schon so universell wie heute. Der Zyklus ist eine Allegorie auf die politische Entfremdung in der postneapolitanischen Zeit, der Winter Ausdruck der eingefrorenen politischen Zustände der von Metternich geprägten Zeit und dem damals aufkommenden neuen Nationalismus. Dem Zyklus entstammt darüber hinaus auch eines der wohl bekanntesten deutschen Volkslieder überhaupt: "Der Lindenbaum“. Darin geht es um die Selbstmordgedanken des Wanderers, und wir können uns heute fragen, was das wohl über die deutsche Seele aussagt. Startenor Ian Bostridge ist dem in seinem Buch "Schuberts Winterreise“ auf den Grund gegangen. Bevor er Profimusiker wurde, studierte er in Oxford Geschichte, und lehrte Politiktheorie. Ian Bostridge ist ein Universalgelehrter. Mit nichts aber kennt er sich besser aus als mit Schuberts "Winterreise", die er vor dreißig Jahren zum ersten Mal öffentlich gesungen und seitdem nach eigener Schätzung "an die hundert Mal" aufgeführt hat.

Kunstvermittlung für Blinde

Gemälde zum Anfassen

In der altehrwürdigen Albrechtsburg zu Meißen - Deutschlands ältestem Schlossbau - gibt es etwas Neues, eine kleine Weltpremiere sogar: Hier haben blinde und sehbehinderte Menschen die Chance, sich die berühmten Wandgemälde nicht nur beschreiben zu lassen, sondern sie durch dreidimensionale Modelle aus dem 3D-Drucker selbst zu ertasten, zu erspüren, wortwörtlich zu begreifen. Ausgedacht hat sich das Ganze eine junge Frau: Tina Richter, die mit diesem Projekt im Fach Museumsmanagement promoviert. Drei Jahre lang hat sie gemeinsam mit Betroffenen an diesem Projekt gearbeitet. Sechs Tastmodelle sind so in Meißen entstanden. Wie diese Tastmodelle funktionieren - die die Albrechtsburg auch Sehenden empfiehlt, die neugierig auf neue sinnliche Eindrücke sind - möchte Tobias Schlegl in Meißen genauer wissen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet