Die Themen am 22. Mai 2015

Moderiert von Katty Salié und Tobias Schlegl

Schmerzen quälen den Menschen

Kultur | aspekte - Die Themen am 22. Mai 2015

Schmerz ist das Symptom, das Menschen am häufigsten zum Arzt treibt. Trotzdem treten Pharmaindustrie und Biomedizin bei der Behandlung von Schmerzen auf der Stelle. Warum?

Datum:
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.30 Uhr.

Gesellschaftsphänomen Schmerz - Geselligkeit statt Aspirin?

Schmerz ist das Symptom, das Menschen am häufigsten zum Arzt treibt. Trotzdem treten Pharmaindustrie und Biomedizin bei der Behandlung von Schmerzen auf der Stelle. Warum? "Unser Verständnis vom Schmerz ist zu simpel“, sagt Harro Albrecht, Arzt und Wissenschaftsjournalist, "wir brauchen einen neuen Blick auf das Phänomen Schmerz". Was ist Schmerz? Albrechts Antwort reicht u.a. in Anthropologie, Soziologie, Psychologie, Kulturgeschichte und Kirchengeschichte hinein. Schmerz, sagt Albrecht, ist weit mehr als eine körperliche Empfindung. Er besitzt auch eine gesellschaftliche Dimension und erzählt von unserem Geist-Körper-Verhältnis ebenso wie von kulturellen Prägungen und religiösen Werten. Schmerz ist die Grundlage vieler Religionen und Motor der Kultur. Ohne Schmerz keine Kunst, keine Sprache und kein Denken. Albrechts Plädoyer: Es wird Zeit, dass wir den Schmerz aus der Umklammerung der Medizin befreien.

Die Ausstellung "100 Tage Einsamkeit" - Fotokunst aus Gaza

"Ich warte auf das Licht", sagt Nidaa Badwan. "Manchmal dauert das eine Woche, manchmal einen Monat. "In meinem Zimmer ist alles schön, aber nicht in Gaza. Ich bin bereit, in diesem Raum zu sterben, wenn ich anders nicht mehr rauskomme. Aber vielleicht hat ja das Projekt ein neues Fenster für mich geöffnet. " Das Projekt heißt "100 Days of Solitude". Als Hommage an Gabriel García Márquez weltberühmten Roman. Aber eigentlich dauert Nidaa Badwans Isolation schon viel länger. Seit mehr als einem Jahr hat die Siebenundzwanzigjährige ihr Zimmer aus Protest gegen das Leben in Gaza nicht verlassen. Doch innerhalb der Mauern hat sie sich ihre eigene Welt geschaffen, in der sie sich fotografiert. Eigentümliche Selbstportraits. Komponiert wie Gemälde von Niederländischen Meistern des 16. Jahrhunderts. Auf einem liegt sie mit Jeans-Overall und Wollmütze auf dem Bauch und starrt auf einen Laptop. Mal schaukelt sie mit trotzig aufgeknöpftem Männerhemd auf einem Autoreifen. Zuerst habe sie an Selbstmord gedachte, kaum gegessen und Pillen gegen die Angst geschluckt, erzählt die Künstlerin. Sogar während der Kämpfe zwischen Hamas und Israel im letzten Sommer blieb sie als einzige zu Hause, suchte höchstens Zuflucht im Treppenhaus. Dann inszenierte sie ein Foto von sich selbst in einem sexy kurzärmeligen Kleid vor der aquamarinblauen Wand während sie sich „Ice-Bucket-Challenge“-mäßig einen Eimer Blut über den Kopf goss.

Die Geschichte einer Herztransplantation

Was ist das Herz? In "Die Lebenden reparieren", dem Roman der französischen Autorin Maylis de Kerangal, ist es die Hauptfigur. Es schlägt im Körper des jungen Simon. Bis dieser tödlich verunglückt. Nun wird es in einem anderen Körper gebraucht. Mit Simons Hirntod beginnt eine 24-stündige Reise. Die Reise von Simons Herz. Minutiös verfolgt de Kerangal den Weg über die OP-Tische bis in die Brust einer 51-jährigen Frau. Wem gehört das Herz? Meisterhaft erzählt de Kerangal von Spendern, Eltern, Medizinern und Empfängern - die Geschichte einer Organspende. 24 Stunden zwischen Tod und Leben. Nach einem Zitat von Anton Tschechow, Schriftsteller und Arzt: "Die Toten begraben, die Lebenden reparieren".

Utopie der Superintelligenz - Droht die Herrschaft der Maschinen?

Seit Jahrzehnten wird in Laboratorien weltweit in Forschung und Entwicklung intelligenter Maschinen investiert. Mittlerweile können Computer besser Schach spielen und Auto fahren, und Roboter besser Autos bauen als Menschen. Von wirklicher Intelligenz jedoch ist alles, was wir derzeit haben, noch weit entfernt. Die Forschung allerdings geht ungebremst weiter, und es ist plausibel, davon auszugehen, dass uns eines gar nicht allzu fernen Tages tatsächlich der Durchbruch gelingt.

Nick Bostrom, Direktor am Oxforder Future of Humanity Institute, sieht hier eine existentielle Gefahr für die Menschheit: Wenn Maschinen intelligenter werden als Menschen, werden wir nicht mehr verstehen können, was und wie sie denken. Ob wir sie dann noch kontrollieren können, ist unklar. Wir sind, so Bostrom, gegenwärtig wie Kinder, die mit einer Bombe spielen. Und wir sollten heute anfangen, darüber ernsthaft nachzudenken, wie wir die Zukunft der Menschheit in einer Welt superintelligenter Maschinen sicherstellen können.

Die Regisseurin Yael Ronen

Wenn sich Yael Ronen mit ihren Schauspielern zur Theaterprobe trifft, ist es eher wie eine Art Familientreffen. Alle kennen sich schon sehr lange, der Ton ist freundschaftlich, entspannt. Trotz der Themen, die Ronen regelmäßig in ihren Stücken auslotet und die ihrem Team viel abverlangen: Völkermorde, Rassismus, Immigration, Holocaust. "Da ich Israelin bin, ist es für mich fast unmöglich über etwas nachzudenken oder etwas zu tun, was nicht einen politischen Hintergrund hat", sagt sie.

Wie zum Beispiel ihr hochgelobtes Stück "Common Ground": Ein politisch-persönliches Stück über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Erzählt durch die Biografien der Schauspieler. Wahnwitzig, komisch und hochemotional. Yael Ronen ist Hausregisseurin am Berliner Maxim Gorki Theater, entstammt einer israelischen Theaterdynastie und verkörpert den neuen Typus Regisseur. Von dem Habitus der Großregisseure hält sie nichts: Für sie bedeutet die Entwicklung- und Erarbeitung eines Stückes das 100-prozentige Einbeziehen ihres Ensembles. Das Ergebnis sind Stücke, in denen die Biografien der Schauspieler eine ebenso große Rolle spielen, wie Ronens momentane Haltung zu einer politischen Situation. Jetzt hat sie sich am Gorki Theater "Michael Kohlhaas" von Heinrich von Kleist vorgenommen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet