Die Themen am 23. Januar 2015

Moderiert von Jo Schück und Tobias Schlegl

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Rummel um einen Roman: Michel Houellebecq im aspekte-Interview

Mit seinem Roman "Unterwerfung" hat Michel Houellebecq einen literarischen Tsunami ausgelöst. Spätestens seit den Terroranschlägen von Paris ist das jüngste Werk des französischen Skandalautoren, in dem er den islamischen Halbmond über Frankreich aufgehen lässt, den Sphären des Feuilletons endgültig entrückt. Während sein Buch nun wie eine Art Dämon über der Debatte schwebt, befindet sich Houellebecq selbst inmitten eines Sturms aus Vorwürfen, Verteidigungen, Lobpreisungen und Deutungsversuchen: Ist er ein Islamhasser? Schreibt er das Ende des Westens herbei oder macht er sich nur über die französischen Intellektuellen lustig? Houellebecq hat dazu hauptsächlich geschwiegen. Bis zu dieser Woche. Aspekte hat ihn nach der deutschen Buchvorstellung von "Unterwerfung" zum Gespräch getroffen - das einzige Interview im deutschen Fernsehen.

Durch Musik das KZ überlebt: die Jazzlegende Coco Schumann

"Ich bin ein Musiker. Ein Musiker, der im KZ gesessen hat, kein KZ-Häftling, der auch ein bisschen Musik macht. Die Lager und die Angst veränderten mein Leben grundsätzlich, aber die Musik hat mein Leben geführt, und sie hat es gut gemacht." Coco (eigentlich Heinz Jacob) Schumann kam 1924 in Berlin zur Welt. Er wird am 14. Mai stolze 91 Jahre alt. 1943 wurde er als Halbjude verhaftet und von den Nazis zuerst in das Ghetto Theresienstadt und dann nach Auschwitz verschleppt. Dort zwang man ihn, Musik zu spielen, während andere Gefangene in die Gaskammer geführt wurden. Im Januar 1945 wurde er in das KZ Dachau transportiert, von wo er im April von den Nazis auf Todesmarsch Richtung Innsbruck geschickt wurde. Unterwegs wurde er von amerikanischen Soldaten befreit. Als die Berliner Jazz-Szene nach dem Fall der Nazi-Diktatur wieder aufblühte, ging es für Coco Schumann steil nach oben. Er begann zu komponieren, zu arrangieren und seinen einzigartigen Sound auf der E-Gitarre zu perfektionieren. Coco spielte sogar zusammen mit Ella Fitzgerald und Louis Armstrong, ging auf Tournee in Europa, gab unzählige Konzerte und wurde schließlich Deutschlands berühmtester Swing-Gitarrist.

Todschick? Tobias Schlegl unterwegs auf der Fashion Week

Fashion Week Berlin: Glamour, Stars und Sternchen - Mode soweit das Auge reicht. Aber es ist zum überwiegenden Anteil konventionell produzierte Mode - entstanden unter schlechten Arbeitsbedingungen, zu unfairen Löhnen und mit Materialien, die bei der Herstellung unsere Umwelt nachweislich zerstören. Und das passiert nicht nur bei H&M, Kik oder Zara. Vor allem die großen Labels der Modewelt haben jede Menge Dreck am Stecken. Das hat Gisela Burckhardt - Autorin, Aktivistin und Vorstandsvorsitzende von Femnet - eindrucksvoll in ihrem Buch "Todschick - edle Labels, billige Mode. Unmenschlich produziert" nachgewiesen. Grund genug, einmal genauer hinzusehen, was die Modewelt für Alternativen bietet. Dazu sind wir unterwegs auf der "Ethical Fashion Show" und im "Green Showroom", wo sich Designer versammeln, die nachhaltig, ökologisch zertifiziert und zu fairen Arbeitsbedingungen produzieren lassen.Was muss sich ändern, damit wir umdenken? Wo wir doch so aufgeklärt sind. Ist ökologische Mode ein Zukunftsmarkt oder doch nur ein Nischenprodukt? Wir treffen dazu unter anderem den "barre noire"-Designer Timm Süßbrich, die Autorin Gisela Burkhardt und Magdalena Schaffrin, Gründerin und Intitatiorin der "grünen" Fashion Week. Und wir sprechen mit Pola Fendel, Gründerin der online-Plattform "Kleiderei" mit dazugehörigem Laden in Hamburg, als Ergänzung zu nachhaltigem Umgang mit Mode noch ein anderes Konzept parat hat: Leihen statt Kaufen. Und: Was sagt die andere Seite? Tobias Schlegl macht sich auf die Suche nach Antworten.

"Birdman" - Oscarkandidat Michael Keaton in seiner besten Rolle

Was tun gegen Stimmen im Kopf? Verfolgt vom eigenen Über-Ich - das neue Meisterwerk des mexikanischen Regisseurs Alejandro Gonzales Inarritu ("Babel", "21Gramm", "Biutiful") ist ein komischer und gleichzeitig todernster Film über das Stargeschäft, unsere Träume und unsere Egos. Der abgehalfterte Hollywood-Schauspieler Riggan Thomson will es allen nochmal zeigen. Mit einem eigens adaptierten Theaterstück versucht er sein Comeback am Broadway. Doch im Nacken sitzt ihm die Stimme von "Birdman", seiner Erfolgsrolle, die ihn verfolgt. Ausgerechnet der Schauspieler Michael Keaton spielt den Ex-Superhelden am Rande der Psychose. Der Mann, der mit "Batman" vor 25 Jahren gigantische Erfolge feierte. Ein zu Recht für neun Oscars nominierter Film. Ein Film, der den Kommerz auf's Korn nimmt - und doch selbst die Blockbuster-Mittel auf's Unterhaltsamste nutzt.

Gast im Studio: Mario Adorf

"Schauen Sie mal böse" - dazu hat ihn der Regisseur seines ersten großen Films beim Casting Mitte der Fünfziger Jahre aufgefordert. Mario Adorf hat wohl böse genug geschaut, er bekam die Rolle eines Massenmörders und avancierte spätestens mit dem Schuss auf Winnetou zum Lieblingsschurken des deutschen Films. Zu ihrem Lieblingsschauspieler haben ihn die Deutschen erst vor ein paar Tagen mal wieder gekürt. Doch nicht nur in Deutschland hat er Karriere gemacht, sondern auch in Italien, Frankreich und sogar Hollywood. Weil man ihn dort allerdings ausschließlich als "Mexikaner" besetzte, verließ er die Traumfabrik rasch wieder.  In mehr als 200 Kino- und Fernsehfilmen spielte Adorf mit, schuf dabei unvergessliche Figuren wie den kleinbürgerlichen Nazi-Vater in der "Blechtrommel", den gierigen Klebstoff-Fabrikanten in "Kir Royal", den ergrauten Firmenpatriarchen im "Großen Bellheim". Damit nicht genug. Adorf kann auch singen, hat unter anderem eine CD mit Kreisler-Liedern aufgenommen, er erweist sich in mehreren - meist autobiografisch inspirierten - Büchern als begnadeter Erzähler und geht ab Februar mit bald 85 Jahren wieder mit einem Soloprogramm auf Tournee. Darin liest und spielt er Geschichten aus seinem Leben und zeigt sich einmal mehr als unübertroffener Komödiant, dessen wahres Zuhause die Bühne ist.

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