Die Themen am 27. Februar 2015

Moderiert von Katty Salié und Tobias Schlegl

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Ein Scharfschütze als Held? Clint Eastwoods Film "American Sniper"

Ihn gab es wirklich: Chris Kyle, Scharfschütze der US Navy-Seals. Mindestens 160 Menschen hat er getötet. Im Häuserkampf schützte er vom Dach aus die Truppen am Boden. Sekundenschnell musste er entscheiden: Zivilist oder Feind? Leben oder Tod? In den USA gaben die Kinogänger dafür bisher mehr als 300 Millionen Dollar aus. Rekord. Chris Kyle wurde - tragische Ironie - nach seinem Kriegseinsatz von einem anderen Irak-Veteranen ermordet. Zuvor hatte er seine militärische Lebensgeschichte als Buch veröffentlicht. Ein Verkaufserfolg. Basierend auf diesem Buch setzte Clint Eastwood dem Mann, den die Amerikaner bald als "The Legend" kannten, ein Denkmal (Hauptrolle Bradley Cooper). Sein "American Sniper" war Oscar-nominiert, wurde aber nur in einer Nebenkategorie ausgezeichnet - dies auch, weil der Film in den USA polarisiert wie lange kein Film mehr.

Eastwood sagt, ihm sei es "nur" um eine Charakterstudie gegangen, eine bewusste Reduktion auf die Situation eines einzelnen Soldaten im Krieg, seine Opfer, Taten und Zweifel, sowie seine Schwierigkeiten, das Töten im Häuserkampf, den "Krieg im Kopf" mit der Heimat, mit Frau und Familie zu vereinbaren. "Kriegsverherrlichend", "kontextlos" und unzulässig zugespitzt, sagen die Kritiker - Propaganda. Wir treffen Garett Reppenhagen, selbst ehemaliger US-Scharfschütze im Irak. Wie sieht er Eastwoods "Scharfschützen"? Ein Film spaltet Amerika. Nun auch bei uns im Kino.

Der Orient als Comic: Riad Sattoufs "Der Araber von morgen"

Wenn Riad Sattouf auf die Unterschiede zwischen der europäischen und arabischen Welt angesprochen wird, winkt er nur ab: "Es gibt keinen Kampf der Kulturen. Das ist ein reines Konstrukt in den Köpfen der Menschen." Sattouf müsste es wissen. Als Sohn einer französischen Mutter und eines syrischen Vaters verbrachte er seine Kindheit in Libyen, Syrien und Algerien. Heute zählt der Autor und Regisseur ("Jacky im Königreich der Frauen") zu Frankreichs bekanntesten Comic-Zeichnern. Zehn Jahre lang verantwortete er eine wöchentliche Kolumne im Satiremagazin "Charlie Hebdo", jetzt hat der erste Band seiner - natürlich (aus)gezeichneten - Autobiografie "Der Araber von morgen" den wichtigsten französischen Comicpreis gewonnen.

Aus der unschuldigen Perspektive eines kleinen Jungen schildert er den alltäglichen Wahnsinn einer Kindheit unter Despoten wie Hafiz al Assad und Muammar al-Gaddafi. So verstörend, fremd und brutal der Nahe Osten der 80er Jahre auch erscheinen mag - Sattouf ist sich sicher: So sehr unterscheidet sich das alles nicht vom Frankreich der 50er Jahre: "Das haben wir nur erfolgreich verdrängt."

Ein bewegendes Leben: Holocaust-Überlebende Valentina Freimane

In Lettland ist sie eine Legende: Valentina Freimane, 93. Für Generationen von Studenten war die Film- und Theaterwissenschaftlerin das Fenster im Eisernen Vorhang. Sie war es, die während der sowjetischen Besatzung verbotene Filme aus der ganzen Welt besorgte und die zeitgenössische europäische Kultur nach Lettland holte. Ihr Urteil, ihre Stimme zählt bis heute.

Dass Valentina Freimane den Holocaust überlebt hat, ist ein Wunder. Sie verlor ihren Mann, ihre Eltern und fast alle Verwandten. Heute wohnt die Zeugin eines ganzen Jahrhunderts wieder in Berlin, wo sie in den 30er Jahren eine glamouröse, kosmopolitische Kindheit zwischen Künstlern und Leinwandhelden verbracht hatte. In ihren Erinnerungen "Adieu Atlantis" - in Lettland ein Bestseller - beschreibt Valentina Freimane ihr dramatisches Leben: die Rückkehr der Familie nach Riga, die Okkupation des Baltikums durch die Russen und 1941 den Einmarsch der Nazis, vor denen sie sich drei Jahre lang verstecken konnte. Den mutigen Menschen, die ihr Leben für sie riskierten, ist ihr Buch gewidmet.

"Adieu Atlantis" zeigt beeindruckend, wie eine furchtlose Frau selbst in den schlimmsten Situationen sich ihren Glauben an die Menschlichkeit und an sich selbst bewahrt und aus Schmerz nie Hass werden lässt. In Lettland ist Valentina Freimanes Buch besonders bei jungen Leuten beliebt, gilt gar als "Hipster-Bibel". Vielleicht weil es trotz des schweren Themas kein bisschen düster ist, sondern lebensfroh und verblüffend unterhaltsam. Zur Zeit erzählt eine Oper in Riga das Leben von Valentina Freimane. "Valentina" kommt am 19. Mai 2015 als Gastspiel an die Deutsche Oper Berlin.

"Yankee-Diva" Joyce DiDonato

Sie stammt aus Kansas, nennt sich "Yankee-Diva" und hat sich ihre Bodenständigkeit bewahrt, obwohl sie zu den weltbesten Stimmen der Opernwelt gehört: Joyce DiDonato. Die Mezzosopranistin ist wohl eine der außergewöhnlichsten Sängerinnen unserer Zeit. Selbst ein gebrochener Knöchel konnte sie nicht davon abhalten, bandagiert die Premiere des "Barbiere di Siviglia" von Rossini zu singen. Das war im Juli 2009 in London am Covent Garden. Auf Krücken machte sie weiter und rettete die folgenden Aufführungen im Rollstuhl.

Gerade hat sie die Titelpartie in Rossinis Oper "La Donna del Lago" an der Met in New York gesungen. Es ist das erste Mal, dass die Met diese Oper auf die Bühne bringt. Denn selbst für dieses Weltklassehaus ist es schwierig, geeignete Sängerinnen und Sänger zu finden, die die halsbrecherischen Partien bewältigen können. Für Joyce DiDonato ist das allerdings kein Problem. Gerade für Rossini gibt es derzeit keine bessere Besetzung als sie. Wir haben die Ausnahmesängerin in New York bei den ersten Bühnenproben begleitet.

aspekte-Museumslotto

Im "aspekte-Museumslotto", das einmal im Monat einem kleinen Museum die Chance gibt, sich zu präsentieren, hat in der letzten Ziehung das Schloss Freudenberg in Wiesbaden gewonnen - ein Haus, das sich als "Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne und des Denkens" für Leute "zwischen drei und 103" versteht. Ein Team von aspekte ist nach Hessen gefahren, um sich dort umzusehen. Besonders neugierig darauf, welchen Mehrwert die Besucher aus den -22°C im "Erfahrungsfeld Winter" ziehen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet