Die Themen am 6. Februar 2015

Moderiert von Tobias Schlegl und Jo Schück

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Andreas Dresen verfilmt Clemens Meyers Erfolgsroman

Zum dritten Mal geht er auf Bärenjagd: Andreas Dresen - einer der herausragenden deutschen Regisseure - feiert mit seinem neuen Spielfilm Weltpremiere im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale. Seit 1991 schon laufen dort regelmäßig Filme von ihm, 1999 war "Nachtgestalten" im Wettbewerb, 2002 erhielt er den Silbernen Bären der Jury für "Halbe Treppe". Mit "Als wir träumten" verfilmte Dresen jetzt den hochgelobten Debütroman von Clemens Meyer, das Drehbuch schrieb Wolfgang Kohlhaase, einer der wichtigsten Drehbuchautoren der deutschen Filmgeschichte.

Fünf Freunde im Leipzig der Nachwendezeit: Gesellschaften und Systeme prallen aufeinander, alles scheint möglich und die Jungs immer mittendrin - zwischen FDJ und BMW. Rauschhaft träumen sie davon, die Größten zu sein, streunen durch die Nacht, trinken billigen Fusel, knacken Autos, prügeln sich mit "Glatzen". "Es gibt keine Nacht, in der ich nicht von all dem träume, und jeden Tag tanzen die Erinnerungen in meinem Kopf, und ich quäle mich mit der Frage, warum das alles so gekommen ist. Sicher, wir hatten eine Menge Spaß damals", heißt es im Roman, "und doch war bei dem, was wir taten, eine Art Verlorenheit in uns, die ich schwer erklären kann." Alle Träume zerplatzen, Rebellen ohne Orientierung und ohne Chance auf eine bessere Zukunft: eine verlorene Jugend. Clemens Meyers Roman wurde als "kompromisslos, authentisch, präzise, sensibel, lakonisch" gepriesen. Andreas Dresens Filme sind berühmt für ihre Wahrhaftigkeit und lebensechte Handschrift.  Und in der Tat: Ihm ist eine kongeniale Umsetzung des Romans geglückt. "Als wir träumten" ist kraftvoll, wuchtig, wild, zärtlich, schnell – mit blitzenden Bildern und knallharten Technovibes. Perfekt besetzt hat er seine Jungs, und wie immer bei Dresens Filmen wirkt es, als blicke der Zuschauer aufs echte Leben. Ein Film ohne jedes Ost-Klischee: traumhaft – bärenstark.

Richard III. – Lars Eidinger gibt an der Schaubühne den Despoten

William Shakespeare hat mit seinen Königsdramen eine der blutigsten und dramatischsten Perioden der englischen Geschichte fiktional gebrochen und nacherzählt. Sein Richard III ist wohl eine der abscheulichsten Kreaturen auf der Bühne des Theaters. Für dieses Werk mischte Shakespeare historische Fakten mit literarischer Freiheit.

Das Bild des letzten englischen Herrschers, der auf dem Schlachtfeld starb, ist seit Jahrhunderten geprägt von einer äußerst negativen Darstellung: ein verwachsener, hinterhältiger Giftzwerg und Usurpator, ein Bruder- und Neffenmörder. Gerade inszeniert Thomas Ostermeier den Richard an der Schaubühne, mit Lars Eidinger in der Titelrolle. Für diese Inszenierung wurde ein Saal des Theaters zum berühmten "Globe" umgebaut. Zwei Jahre dauerte die Planung für die technische Umsetzung - mehr als 40 Tonnen Stahl wurden verbaut. Am Samstag ist Premiere. Wir waren bei den Proben dabei.

"Der späte Rembrandt" in Amsterdam - Feuerwerk der leisen Töne

Das Ohr hat sich Van Gogh aus einem anderen Grund abgeschnitten. Aber um das Gemälde "Die Judenbraut" von Rembrandt für 14 Tage zu sehen, hätte er zehn Jahre seines kurzen Lebens gegeben. Rembrandt ist ein Großmeister der Kunstgeschichte, und wo andere Künstler heute schwächeln - im Alter -, da hat er nochmal richtig losgelegt. Trotz des frühen Todes seiner ersten Frau und eines saftigen Konkurses malte er als alter Mann weiter und verfeinerte seinen Stil. "Die Judenbraut" hängt in Amsterdam, wo Rembrandt den größten Teil seines Lebens verbrachte. Am 12. Februar eröffnet hier die Ausstellung "Der späte Rembrandt" im Rijksmuseum. Die Kunstgeschichte verbucht den Meister als Barockkünstler. Doch sind seine aus dem Hauch eines fernen Dunstes hindurchscheinenden Gemälde alles andere als schwülstig oder übertrieben, und ein Rubens wirkt dagegen einfach nur plump und adipös. Als erster Künstler hat er in seinen Portraits wirklich die Psychologie seiner Modelle erfasst. Stolz, Unsicherheit, Verletztlichkeit - alles gespeist aus der Erfahrung mit dem eigenen Leid. Ein Feuerwerk der leisen Töne.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet