Die Themen am 11. März 2016

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - Die Themen am 11. März 2016

Die heutige Vielfalt des Mutterseins wird unglücklicherweise nicht als Freiheit empfunden, sagt Schriftstellerin Alina Bronsky ("Die Abschaffung der Mutter") im Gespräch mit aspekte-Autorin Anna Riek

Beitragslänge:
10 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.03.2017, 15:47

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag um 23.00 Uhr.

Das Phänomen "Regretting Motherhood"

Debatte um die Reue der Mütter

Sarah Fischer hat eine dreijährige Tochter, die sie sehr liebt. Und doch bereut sie es, Mutter geworden zu sein. Fischer hat darüber ein Buch geschrieben: "Die Mutterglücklüge" – es ist ihre Sicht auf das in sozialen Netzwerken und Presse vieldiskutierte Phänomen #regrettingmotherhood. Seinen Ausgangspunkt hatte "Regretting Motherhood" in einer Studie von Orna Donath. Die in Tel Aviv lehrende Soziologin hatte 23 Frauen interviewt, die angeben, dass sie, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten, nicht noch einmal Kinder bekommen würden. "Ich kann es nicht ertragen, Mutter zu sein. Kann diese Rolle nicht ertragen“, lautet eines der typischen Zitate aus der wissenschaftlichen Erhebung. Dass eine solche Studie aus Israel kommt, ist insofern nicht so überraschend, als dort der gesellschaftliche Druck auf Frauen, viele Kinder zu bekommen, ausgesprochen hoch ist. Von den Frauen aus Orna Donaths Studie sind ein Drittel von vorne herein gegen ihren Willen Mutter geworden. Eine andere Frage ist, warum in Deutschland so intensiv über dieses Thema diskutiert wird - also unter völlig anderen gesellschaftlichen Bedingungen. Ein Antwort könnte sein: Weil sich Deutschland seit etwa fünfzehn Jahren in einem politisch gewollten Wandel befindet, bei dem versucht wird, das Model der berufstätigen Mutter allgemein durchzusetzen. Doch Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, das geht eben nicht ohne Friktionen. So bildet der Themenkomplex "Regretting Motherhood" hierzulande eine ideale Projektionsfläche, um widersprüchliche Gefühle in Bezug auf Mutterschaft zum Ausdruck zu bringen. Es ist kein Zufall, dass die Schriftstellerin Alina Bronksy in diesen Tagen eine Verteidigung des Mutterglücks veröffentlicht - ausdrücklich gegen die Erwartung gerichtet, Mütter sollten so rasch wie möglich wieder in den Beruf einsteigen. Wir haben mit Orna Donath, Sarah Fischer und Alina Bronsky über die verschiedenen Konzepte von Mutterschaft gesprochen.

Die Vordenker der Neuen Rechten?

Macher von "Sezession" und "Tumult"

Götz Kubitschek lebt auf einem Rittergut zwischen Leipzig und Magdeburg, zusammen mit seiner Frau und den sieben Kindern. In Schnellroda sitzt auch sein Verlag, in dem er der neurechten Bewegung die Bücher druckt, die "die Menschen zur Führung brauchen", wie er sagt. Von Schnellroda bereist er auch die Demonstrationen von Pegida & Co. Jetzt endlich, so freut er sich, sei die Zeit seines Milieus gekommen, des "neurechten“ Milieus.
Kubitschek fordert in seinen Reden die Menschen dazu auf, Widerstand zu leisten und zornig zu sein. Denn bevor das Volk ausgetauscht werde, müsse das Volk die Politiker austauschen. Bei ihm im Haus wohnt derzeit auch Martin Sellner, einer der führenden Köpfe der österreichischen „Identitären“ - zusammen mit Götz Kubitschek ist er am Projekt „EinProzent“ beteiligt. Das, so sagt der rechtspopulistische Zeitungsmacher Jürgen Elsässer, sei ein „Greenpeace für Patrioten“. Auch Elsässer engagiert sich für das Spendenportal, das bereits von 30.000 Menschen unterstützt wird. Mit den Geldern unterstützt „EinProzent“ Demonstranten, Klagen gegen die Flüchtlingspolitik, schickt Filmteams zu Demonstrationen.

Die Entwicklung von Götz Kubitschek ist symptomatisch für neurechte Positionen. Früher im Stillen wirkend, marschiert er nun mit den Massen - auf der Straße, im Internet und auch zusammen mit der AfD. Die Neurechten sind im Mainstream abgekommen. Frank Boeckelmann ist Herausgeber des vierteljährlich erscheinenden Magazins „Tumult“. In dessen Untertitel heißt es, man sei für eine Konsensstörung. Dass die Rechten den Konsens stören, das stört Boeckelmann, der in den 68ern zusammen mit Fritz Teufel in der „Subversiven Aktion“ war, nicht. Überhaupt findet er die Begriffe „rechts“ und „links“ als nicht mehr tauglich. Er zeigte sich auch auf einer Pegida-Demonstration, gab Götz Kubitschek für dessen Zeitschrift “Sezession“ ein Interview. Dass damit andere ein Problem haben, damit habe er wiederum kein Problem. Manchen sehen in „Tumult“ eine Zeitschrift, die sich nun selbst rechts gewandelt hat. Im neuen Heft schreibt Matthias Matussek, zuletzt wegen seiner Nähe zu neurechten Positionen kritisiert, über die beängstigenden Flüchtlingsbewegungen. Die Tabuisierung des Rechten, so Böckelmann, habe nun ein Ende.

aspekte befragt unter anderem den Soziologen Armin Nassehi, warum neurechte Positionen plötzlich die Mitte erreichen. Nassehi selbst hat 2014 einen längeren Briefwechsel mit Götz Kubitschek geführt, der in seinem Buch "Die letzte Stunde der Wahrheit" nachzulesen ist.

Der Maler Giorgio de Chirico

Erfinder der metaphysischen Malerei

"Pittura Metafisica", "Metaphysische Malerei" nennt die Kunstgeschichte das visuelle Universum des italienichen Malers Giorgio de Chirico. Seine Gemälde von hart beleuchteten, puppenhaften Figuren in klassisch-moderner Backsteinindustrie-Architektur sind kühl und streng, die Motive irgendwo zwischen griechischem Säulenbogen und Bühnenlandschaft. Im Ersten Weltkrieg war er im italienischen Ferrara stationiert und malte zahlreiche dieser sonderbaren Bilder, die später – so will es die Kunstgeschichte – große Surrealisten wie Max Ernst, Salvador Dalí oder René Magritte, aber auch zum Beispiel George Grosz beeinflussten. De Chirico wird in der Stuttgarter Staatsgalerie jetzt in der Ausstellung "Magie der Moderne" mit diesen berühmten Kollegen konfrontiert. Eine Motivsuche bei einem sehr produktiven und rätselhaften Maler, der den theatralischen Raum seiner Bilder später für Modezeichnungen nutzte oder in Bühnenbilder erweiterte - und weit weg driftete vom avantgardisitschen Neuerer. Ein skurriler Künstler-Berserker, der sich im Alter betont anti-modern und unduldsam seinen experimentellen Zeitgenossen gegenüber gab.

Guntram Vespers Mammutwerk "Frohburg"

Das Lebensthema eines Schriftstellers

Frohburg, nichts für ungut, können Sie vergessen: Ein Schloss, ein Marktplatz, ein bisschen Landschaft drum rum. Ein sächsisches Provinznest auf halber Strecke zwischen Leipzig und Chemnitz. 10.000 Einwohner, wenn man die umliegenden Nester großzügig mit einrechnet. "Frohburg", kein Zweifel, müssen Sie lesen: Ein Roman, ach was, eine Chronik, ein Museum, eine deutsche Schicksalssammlung des 20. Jahrhunderts, zu Recht nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse. Auf 1008 Seiten vermisst der Roman ein ganzes Leben, kartographiert ein Land mit den Mitteln der Literatur. "Frohburg", sagt der Schriftsteller und Lyriker Guntram Vesper, "ist der Roman meines Kopfes". Geboren und aufgewachsen in eben jenem sächsischen Kaff, flüchtete Vesper 1957 mit seiner Familie in den Westen. Was er zurückließ, ließ ihn nie wieder los. "Frohburg", das garantieren wir, werden Sie nicht vergessen.

Auf der aspekte-Bühne: Megaloh

Deutschrap mit afrikanischen Wurzeln

"Regenmacher". So heißt das zweite Album von Megaloh. Der Berliner Rapper, der nach zehn Jahren als Selfmademan in der Musikbranche doch zu einem Major-Label gewechselt ist, will es nun noch einmal wissen. Musikalisch mit viel Kontinuität, mit Texten so poetisch wie selten in seinem Genre. Dieses Mal zusätzlich durchsetzt von afrikanischen Anklängen. Die Texte beschreiben seine persönliche Lebenswirklichkeit und thematisieren besonders seine Suche nach der eigenen Identität. Mit afrikanischer Mutter, holländischem Vater und Berliner Kindheit ist Megalohs persönliche Story geprägt vom Nebeneinander der Kulturen. Das Leben mit den daraus entstehenden Verpflichtungen und Herausforderungen nimmt Megaloh real wie verbal an und formt dazu Songs mit mitreißenden Beats. Rap, nicht nur für die "übliche Fangemeinde".

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