Die Themen am 13. Mai 2016

Moderation: Katty Salié & Tobias Schlegl

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Schwarzer Superstar Omar Sy

Im Kino mit „Monsieur Chocolat“

Mit dem Welterfolg von „Ziemlich beste Freunde“ wurde er in Frankreich zum Superstar: Omar Sy war der erste dunkelhäutige Schauspieler überhaupt, der mit einem César geehrt wurde. Er scheint geradezu ein Vorbild für gelungene Integration zu sein, stammt er doch als Kind afrikanischer Einwanderer aus einer "Banlieue", einer jener Pariser Vorstädte mit ihren sozialen Brennpunkten, mit Kriminalität und Islamismus. Orte, die Nichtmoslems lieber meiden. Doch in seinen Filmen stellt er die Leute von dort anders dar, jenseits des Klischees von nichtsnutzigen, schlimmen Typen. Durch seine enorme Popularität und die Fähigkeit, seine Figuren auch mit Humor zu zeichnen, hat Sy es geschafft, dass das weiße Frankreich auch einmal mit anderen Augen auf die Banlieues blickt. Eine Einladung des damaligen konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy in den Elysée-Palast schlug Sy aus, weil der angekündigt hatte, „die Vorstädte mit dem Hochdruckreiniger vom 'Gesindel' zu befreien“.

Auch in seinem neuen Film „Monsieur Chocolat“ geht es um Rassismus und Vorurteile innerhalb der französischen Gesellschaft. Sy spielt den ersten schwarzen Clown Frankreichs, angelehnt an dessen wahre Geschichte. Rafael Padilla, aus der Sklaverei entflohen, feierte Anfang des 20. Jahrhunderts im Duo mit einem weißen Partner riesige Erfolge. Doch trotz des Ruhms will „Chocolat“, so sein Bühnenname, das Stereotyp des lustigen Schwarzen, der sich im Zirkus buchstäblich zum Affen macht, nicht mehr bedienen. Er träumt davon, als ernsthafter Schauspieler, als schwarzer Künstler ernstgenommen zu werden… Eine Rolle wie für Omar Sy geschrieben, schließlich hat er als schwarzer Comedian mit einem weißen Partner bei Radio und Fernsehen angefangen. Anders als "Chocolat" hat er jedoch eine Ausnahme-Karriere geschafft – und spielt jetzt auch in großen Hollywood-Produktionen.

Alice Schwarzer über den Islam:

"Der Schock" der Silvesterübergriffe

Die sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht waren für die deutsche Gesellschaft ein Schock. Für die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer ist klar: Die Täter waren Muslime, und zwar nicht irgendwelche, sondern jene „Sorte junger Männer, die arbeits- und perspektivlos an der Straßenecke steht und denen Rattenfänger erzählen“, ihr Elend sei „nicht ihre Schuld, sondern die Schuld der Ungläubigen“. Dieser Satz stammt aus dem von ihr herausgegebenen Sammelband „Der Schock. Die Silvesternacht von Köln“ (Kiepenheuer und Witsch Verlag), zu dem Schwarzer drei eigene Essays beigesteuert hat. Aus Sicht von Schwarzer ist der „Scharia-Islam“ für die massiven Übergriffe auf Frauen verantwortlich. Seine Anhänger seien die größte Gruppierung von Frauenhassern weltweit. Wer diesen Zusammenhang aus Gründen der Political Correctness nicht klar benenne, mache sich zum Komplizen der Täter. Schwarzers Behauptung, diese Variante des Islam sei ursächlich für die Kölner Attacken verantwortlich, hat ihr den Vorwurf der Islamophobie eingetragen. Wir fragen nach.

Integration durch Städteplanung?

Das deutsches Projekt zur Architektur-Biennale
Deutschland ist seit letztem Jahr ein Einwanderungsland – faktisch. Wie müssen Städte darauf reagieren, wenn Wohnraum knapp wird, wie können sie Integration fördern, wie organisieren sich Einwanderergemeinschaften selbst? Wie werden sie zu „Arrival Cities“? Dieses Thema stellt der deutsche Pavillon unter dem Motto "Making Heimat. Germany, Arrival Country" bei der diesjährigen Architektur-Biennale in Venedig zur Debatte. Eine Reise zu den - überraschenden - Orten, die in Venedig als beispielhaft für die nahe Zukunft vorgestellt werden.

"Berlin 1936" von Oliver Hilmes

Neue Perspektive auf Olympia

Wer an die Olympischen Spiele von 1936 denkt, dem fällt zuerst der amerikanische Athlet Jesse Owens ein, der gleich vier Goldmedaillen nach Hause brachte. Und wir alle haben vor Augen: den monumental inszenierten Körper- und Führerkult von Leni Riefenstahl. Bilder, die sich fest in unser Bewusstsein eingebrannt haben. Wie viele Geschichten sich rechts und links von diesem Mythos ereigneten, davon erzählt Oliver Hilmes in seinem neuen Buch „Berlin 1936“. Der Historiker folgt Berlinern und Touristen, Sportlern und Künstlern, Nazigrößen und Nachtschwärmern, Akteuren und Randfiguren durch diesen Sommer, in dem Berlin weltoffen und unbeschwert wirkt - als schalte die „Diktatur in einen Pausenmodus“. Durch die von Hilmes gesammelten Szenen, Anekdoten, Zeugnisse und die immer subjektive Erzähl-Perspektive seiner Protagonisten gewinnt der Leser einen lebendigen Eindruck vom Alltag damals und erfährt viele unbekannte, groteske und tragische Momente jener 16 Tage im August 1936. Das Highlight unter Oliver Hilmes‘ Entdeckungen: ein 14 Sekunden-Film vom „Kuss-Attentat“ einer amerikanischen Touristin auf Hitler. Ein Dokument, das bisher im deutschen Fernsehen so noch nicht zu sehen war.

Neuköllner Regietalent

Ersan Mondtag beim Berliner Theatertreffen

Ersan Mondtag ist so etwas wie der neue Shootingstar unter den Theaterregisseuren, nur, dass ihm das selbst eigentlich ziemlich egal ist. Wenn ihm die Strukturen zu konform oder autoritär sind, setzt er sein Künstlerkollektiv "K2K" dagegen und inszeniert im öffentlichen Raum, anstatt auf einer Theaterbühne. Dabei kann es schon mal passieren, dass die Zuschauer von der Inszenierung ausgeschlossen werden, wenn sie nicht den genauen Anweisungen folgen.  Provokation gegen das gesellschaftliche Abstumpfen, den Wahnsinn sichtbar machen. Wie bei seiner Performance "Party #4-NSU", bei der er den NSU-Prozess auf die Bühne brachte: Originale Prozess-Transkripte wurden von 12 surrealen Gestalten und einem Streichquartett vorgetragen, das Ganze mündete in einer elektronischen Party, bei der alle - auch die Besucher - hemmungslos tanzten.

Den ganzen Dreck einfach wegtanzen - Mondtag führt die Zuschauer vor, weist auf den gesellschaftlichen Konsens, Unangenehmes zu unterdrücken, wegzusehen. Seine aktuellen Inszenierungen "Schnee" am Thalia Theater Hamburg, "Der alte Affe Angst" am Schauspielhaus Frankfurt und "Tyrannis" am Theater Kassel sind streng choreografisch geführte Stücke, in denen er das Verhältnis von Individuum und Kollektiv auslotet. Das Individuum muss sich behaupten vor der Übermacht des Normativen, davor, geschluckt zu werden, sich aufzulösen. In "Tyrannis" wird das ad absurdum geführt. Eine Familie überwacht sich mit Videokameras selbst, ohne miteinander zu sprechen. Das Anderssein wird zum Horror innerhalb der eigenen Familie - stumme Zombies, eine sprachlose Generation in ihrem eigenen Kosmos. Mit dieser Inszenierung ist Ersan Mondtag jetzt zum Berliner Theatertreffen eingeladen.


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