aspekte vom 1. Dezember 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 1. Dezember 2017

U.a.: Politik ohne Vertrauen - Wohin führen Vorwürfe und Verrat?; Zeit für Stille - Sehnsucht nach einer leiseren Welt; Martin Walser und Jakob Augstein - Vater und Sohn schreiben ein Buch; Neustart an der Berliner Volksbühne - Chris Dercons Ideen für …

Beitragslänge:
45 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.11.2018, 23:59

Zeit für Stille

Sehnsucht nach einer leiseren Welt

Das Bedürfnis nach Stille gibt es auf der ganzen Welt. Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen. Wieso eigentlich? Wozu brauchen wir Stille? Und umgekehrt: Was passiert, wenn wir ständig Geräuschen und Lärm ausgesetzt sind? Was genau ist Stille überhaupt? Ein akkustisches Phänomen? Die Abwesenheit von Lärm? Eine metaphysische Erfahrung? Kann man über Stille reden oder muss man sie erfahren? Eine Reise zu Menschen, die Stille erforschen, erleben oder ersehnen, zeigt der Dokumentarfilm "Zeit für Stille" von Patrick Shen (seit dieser Woche im Kino).

Politik ohne Vertrauen

Wohin führen Vorwürfe und Verrat?

Viele Menschen haben, so Wahlanalysen, das Vertrauen in die etablierten Parteien und ihre Handlungsfähigkeit verloren. Ist die Politik derzeit in einer Vertrauenskrise? Warum kommt es zu diesem Vertrauensverlust? Aktuell empört die Koalitionspartner der geschäftsführenden Regierung sogar der Vertrauensbruch rund um das Pestizid Glyphosat. Wie wichtig ist das Vertrauen der Politiker untereinander, und wie kann das Vertrauen in die Politik wieder gestärkt werden? In diesen Zeiten lohnt es sich, zu fragen, worauf "Vertrauen" eigentlich basiert. aspekte geht dem nach nach - bei dem ehemaligen Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, bei der Philosophin Rebekka Reinhard und dem Politikwerber Stefan Wegner.

Martin Walser und Jakob Augstein

Vater und Sohn schreiben ein Buch

Martin Walser/Jakob Augstein: Das Leben wortwörtlich. Ein Gespräch; Rowohlt
Martin Walser/Jakob Augstein: Das Leben wortwörtlich. Ein Gespräch; Rowohlt; 352 S., 19,95 €

Literaturhaus Stuttgart am letzten Sonntag, am Ende eines langen Leseabends: Auf der Bühne zwei Männer, Vater und Sohn, die über dreißig Jahre nichts voneinander wussten. Ganz zum Schluss eine Geste, als die Kameras schon abgebaut scheinen. Da küsst der 50-jährige Jakob Augstein dem 90-jährigen Martin Walser die Hand. Es mag ihm peinlich sein - und doch ist es ein großer Moment. "Das Leben wortwörtlich", heißt das Buch, das Deutschlands berühmtester Groß-Schriftsteller und der 40 Jahre jüngere Spiegel-Kolumnist gemeinsam geschrieben haben. Auf den ersten Blick ist es ein Streifzug durch Martin Walsers Schreiben, durch all die Werke mit dem Wort "Liebe" im Titel. Vor allem aber ist es, oft nur angedeutet, manchmal auch zwischen den Zeilen, der Versuch von Verwandten ersten Grades, die sich verpasst haben -, wie ihr Buch es nennt - "einander kennen zu lernen". Ein nachgeholter Gesprächsakt, der Vater und Sohn etwas von der familiären Normalität zurückgeben soll, die sie nicht hatten.

Gast und Musik

Im Gespräch: Hans-Christian Ströbele

Live: Gregory Porter mit "Mona Lisa"

Neustart an der Berliner Volksbühne

Chris Dercons Ideen für das Theater

Im September sind die Neuen angetreten. Chris Dercon, ehemals Direktor der Tate Modern in London und seit seiner Berufung vor zwei Jahren der wohl umstrittenste Intendant aller Zeiten, hat mit seinem neuen Team die Volksbühne in Berlin eröffnet. Oder besser gesagt: eine temporäre Spielstätte, den Hangar auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz wurde zu dem Zeitpunkt noch renoviert. Der Tänzer und Choreograph Boris Chamatz lud mit "A Dancers Day" zum Tanz ein - und zwar alle Besucher. Das hatte er zuletzt auch in der Tate Modern in London gemacht, unter freiem Himmel gab es das allerdings von ihm noch nicht zu sehen. "Ringelpiez am Rosinenbomber" titelte die FAZ spöttisch. Ganz so schlimm war es dann nicht, aber ein Paukenschlag gelang dem Team um Chris Dercon damit auch nicht gerade. Zum Tanz gesellte sich ein paar Wochen später die erste Theateraufführung von Mohammad al Attars "Iphigenie". Laiendarstellerinnen aus Syrien sprechen darin in einem gespielten Casting über ihre Fluchterfahrungen und Alltag. Als Überbau ist da noch Iphigenie", die Märtyrerin". Ambitioniert, aber großes Theater sieht anders aus.

Samuel Beckett-Einakter an der Volksbühne Berlin. Hier der Mund von Anne Tismer in " Nicht Ich ".
Samuel Beckett-Einakter an der Volksbühne Berlin: "Nicht Ich / Tritte / He, Joe". Hier der Mund von Anne Tismer in " Nicht Ich ". Quelle: David Baltzer

Und dann Mitte November endlich die lang erwartete Eröffnung der eigentlichen Spielstätte, der Volksbühne. Die jetzt nicht mehr "Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz" sondern nur noch "Volksbühne Berlin" heißt. Ohne OST-Schriftzug auf dem Dach und ohne das berühmte Rad auf dem Vorplatz. "Reset", zurück auf Anfang. Der sieht dann so aus: Theater und Performance bilden ein Werk. Der bildende Künstler Tino Seghal zeigt seine Museums-Installationen der letzten zehn Jahre und ein neues Werk für den Eröffnungsabend - im gesamten Haus. Auf der Bühne gibt es Beckett zu sehen: Walter Asmus, passionierter Beckett-Kenner, zeigt seine Vorstellung von Reduktion. Und lässt das Publikum 25 Minuten lang auf den sprechenden Mund der Schauspielerin Anne Tismer schauen. Im tiefschwarzen Raum ein Loch, ein Scheinwerfer auf den Mund, sonst nichts. Nur Wörter. Auch das Eröffnungs-Wochenende ist bei den Kritikern krachend durchgefallen. Und als nächstes? Kommt die erste große Uraufführung der jungen Regisseurin Susanne Kennedy auf die Bühne: "Women in Trouble" (Premiere ist am 30. November). So viel darf schon prophezeit werden: auch hier werden sich die Gemüter erhitzen. Grandios oder verfehlt? Wie geht es weiter mit 'dem' Theaterhaus des Berliner Ostens? Eine Bestandsaufnahme.

Tattoo-Kunst in Leipzig

Ausstellung "Die Welt unter der Haut"

Foto in der Ausstellung "Grassi invites - Tattoo & Piercing: Die Welt unter der Haut"
Foto in der Ausstellung "Grassi invites - Tattoo & Piercing: Die Welt unter der Haut" Quelle: SKD, Foto: Antje Kröger/GRASSI Museum

Wie bekommt man neues Publikum in eine ethnologische Sammlung? Wie interessiert man junge Leute für ein scheinbar staubiges Thema? Die neue Direktorin des Grassi-Museums in Leipzig hat ihre historischen Darstellung von tätowierten Urvölkern zu einer Mitmachaktion für heutige Tätowierte erweitert, sie erzählen ihre Geschichten hinter den Tattoos. Mit Erfolg: die Ausstellung wurde wegen des enormem Zuspruchs um ein Vierteljahr verlängert. Erkenntnis: Arsch-Geweih ist out, Tribals sind in, Piercings und Körper-Modifikationen scheinen gesellschaftlich mehr und mehr akzeptiert. Zumindest sind sie heute sichtbarer denn je. Was lange verpönt war und hierzulande nur gesellschaftlichen Randgruppen zugeschrieben wurde, ist längst zum Modetrend geworden. Und der Blick in die Geschichte zeigt: Tätowierungen waren zu früheren Zeiten nicht nur bei fremden Völkern, sondern auch in europäischen Breiten üblich. (Grassi Museum Leipzig "Tattoo & Piercing. Die Welt unter der Haut")

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