aspekte vom 10. Februar 2017

Moderation: Katty Salié & Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 10. Februar 2017

67. Berliner-Filmfestspiele: Humor ist, wenn man trotzdem lacht, Regiestar Paul Verhoeven: Basic Instincts eines Jury-Präsidenten, Schlacht um Dresden: Im Nahkampf um das Toten-Gedenken, Gast: Josef Hader über sein Berlinale-Regie-Debüt, Live: Bilderbuch

Beitragslänge:
40 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.02.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Regiestar Paul Verhoeven

Basic Instincts eines Jury-Präsidenten

Religion, Sex und Gewalt sind seine Themen. Er ist der Regisseur mit einem geradezu lustvollen Verhältnis zur Provokation: Paul Verhoeven. In Hollywood füllte er die Kinosäle und ließ die Kassen klingeln. Bei der 67. Berlinale ist er Präsident der Wettbewerbsjury für den Goldenen Bären. Verhoeven ist kein Mann der leisen Töne - seine Filme: extrem körperlich und explizit. Wo andere die Blicke senken, scheut er vor nichts zurück. Er zensiert sich selbst nicht um dem Publikum entgegenzukommen. Wenn Manche dann irritiert oder verärgert sind – ist es ihm "egal". Seine Frühwerke sind in den Niederlanden Kult: "Türkische Früchte“, inzwischen ausgezeichnet als bester holländischer Film des Jahrhunderts. Von Amsterdam nach Hollywood, vom geförderten europäischen Autorenkino zum Big Business – aspekte ist gespannt, ob die Berlinale diesen umstrittenen Filmemacher aushalten kann.

"Homo Deus"

Yuval Noah Hararis Zukunftsgeschichte

Der israelische Historiker Yuval Noah Harari ist ein Star, Millionen lasen bereits sein erstes Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit", Zigtausende verfolgen seine Vorlesungen online. In seinem neuen Buch "Homo Deus" beschreibt er eine Zukunft, in der Bewusstsein und Intelligenz nicht länger zusammen gehören: Ob nun bewusst oder unbewusst - es spiele keine Rolle, wenn Computer besser Auto fahren, operieren, und über kurz oder lang den Großteil heutiger Jobs übernehmen. Hararis Szenario: Homo Sapiens wird göttlich und das Denken sollte mensch besser den Maschinen überlassen.

Zunehmend verschmelzen Biologie und Datenwelt. So schwirren beispielsweise schon bald Nano-Roboter durch unsere Blutbahn, überwachen Gesundheit und gesunden Lebensstil, sind vernetzt mit Ärzten, Versicherungen; Unsterblichkeit ist nicht mehr undenkbar. Und am Lebensanfang? Babys werden sicher, gesund geboren und nach Wunsch der Eltern "optimiert". Leben und Tod – bisher war dafür Gott zuständig, bald jedoch: Homo Deus. Und was ist mit "Gott", wie wir ihn bisher kennen, mit aktuellen Auseinandersetzungen, dem "IS" etc.? Yuval Harari: "Mehr als ein Jahrhundert nachdem Nietzsche verkündet hat, Gott sei tot, scheint der Allerhöchste ein Comeback zu erleben. Doch das ist ein Trugbild. Gott ist tot – es dauert nur eine Weile, den Leichnam loszuwerden."

Info: Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt noch bis zum 26. März die Ausstellung "Eine kurze Geschichte der Menschheit",inspiriert von Yuval Noah Hararis Kultbuch "Eine kurze Geschichte der Menschheit".

Zu Gast im Studio: Josef Hader

Über sein Berlinale-Regie-Debüt

Josef Hader ist ein Ausnahme- und Multitalent: Er ist Österreichs erfolgreichster Kabarettist, außerdem Schauspieler, Drehbuchautor und jetzt auch Regisseur. Fast schon Kult ist sein Simon Brenner in den vier Verfilmungen der Brenner-Krimis von Wolf Haas - zusammen mit ihm und Regisseur Wolfgang Murnberger schrieb Hader die Drehbücher. Zuletzt von der Kritik gefeiert wurde seine Darstellung des Stefan Zweig in "Vor der Morgenröte". Mit seinem Debüt als Regisseur hat er es gleich in den Wettbewerb der Berlinale geschafft. Damit nicht genug: Auch hier schrieb er das Drehbuch und spielt die Hauptrolle. In "Wilde Maus" ist er Georg, Edel-Feder und Musikkritiker im Feuilleton einer Wiener Zeitung. Völlig überraschend wird ihm im Zuge von Sparmaßnahmen gekündigt – und durch eine Kollegin ersetzt, die inkompetent, aber jung ist. Georg fühlt sich als Versager. Seiner Frau, deren Gedanken nur um ihren nächsten Eisprung und Kinderkriegen kreisen, verheimlicht er den Rausschmiss und sinnt auf Rache. Dabei steht ihm sein Freund zur Seite, dem Georg in seiner neu gewonnenen Freizeit hilft, eine marode Achterbahn im Wiener Prater wieder in Gang zu setzen. Georgs nächtliche Rachefeldzüge gegen seinen ehemaligen Chef beginnen als kleine Sachbeschädigungen und steigern sich zu Terror. Sein bürgerliches Leben gerät völlig aus dem Ruder. Schon vor der Weltpremiere seines Films ist Josef Hader zu Gast im aspekte-Studio.

Bilderbuch: "Magic Life"
Quelle: Maschin Records

Live auf der aspekte-Bühne: Bilderbuch - The Top of Austro-Pop - mit "Bungalow"

Schlacht um Dresden

Im Nahkampf um das Toten-Gedenken

Am 13. Februar jähren sich die die Alliierten-Bombardements auf Dresden, durch die 1945 etwa 25.000 Menschen in nur wenigen Tagen starben. Ein heikles Datum. Jahrzehntelang zog es Neonazis und Geschichtsrevisionisten an, die an dem Jahrestag Aufmärsche in der Stadt abhielten. Seit längerem versucht Dresden nun gegenzusteuern, und zwar durch ein "demokratisches Gedenken", wie es genannt wird, das bewusst Verbindungen zu heutigen Kriegen und deren Opfern schlägt. Die erste (temporäre) Kunstaktion in diesem Rahmen – drei ausrangierte Busse, die senkrecht aufragend vor der Frauenkirche montiert wurden als Mahnmal für die Opfer des Syrienkriegs - rief in dieser Woche bereits lautstark demonstrierende Pegida-Anhänger auf den Plan. Sie wehren sich dagegen, dass die Opfer von Dresden mit heutigen Opfern von Krieg und Zerstörung gleichgesetzt werden. Bei der zweiten Installation mit dem Titel "Lampedusa 361" werden wieder Proteste erwartet. Für "Lampedusa 361" werden am Freitag 90 übergroße Fotos von - größtenteils anonymen, manchmal nur numerierten - Flüchtlingsgräbern auf Lampedusa und an anderen Orten in Italien auf dem Platz vor der Semper-Oper ausgelegt, so dass eine Art Gräberfeld der auf der Überfahrt nach Europa Ertrunkenen entsteht.

Die Installation "Lampedusa 361" (initiiert von 'Friends of Dresden e.V.' - hier in Interview mit der Vorsitzenden Heidrun Hannusch) auf dem Dresdner Theaterplatz ist ab dem 10. Februar, 14.00 Uhr bis zum 14. Februar zu sehen. Mehr Infos: Dresden-Preis 2017

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