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2020... und jetzt?

aspekte vom 11. Dezember - mit Katty Salié und Jo Schück

Singen als Protestform: Der "Freie Chor" in Minsk; "Neue Auftraggeber" - wie Bürger Kunst finanzieren; Der Fall Assange und die Pressefreiheit; Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre im Dialog über alles außer Corona; Musik: AnnenMayKantereit

39 min
39 min
11.12.2020
11.12.2020
Video verfügbar bis 11.12.2021, in Deutschland, Österreich, Schweiz

Was war - was kommt

Je schneller wir uns bewegen, umso langsamer vergeht die Zeit, sagt Einstein. Wenn wir jetzt ganz schnell langsamer werden, wird es dann im kommenden Jahr so wie es  vorher war? Wollen wir das überhaupt? Ist es nicht auch eine Blütezeit des Individualismus? Nur mit sich im eigenen Universum? Oder vermissen wir uns so sehr, dass wir das Miteinander 2021 mehr zu schätzen wissen? Darüber haben wir Künstlern und Kulturschaffenden gesprochen: dem Schauspieler Ulrich Matthes, der Schriftstellerin Jagoda Marinić, dem Musiker Till Brönner, dem Autor Daniel Kehlmann und der Tennis-Spielerin und Autorin Andrea Petković

Der „Freie Chor“ von Minsk im Jahr der Revolution von Belarus

Musik ist zum untrennbaren Teil des Protests in Weißrussland geworden. Sie hilft den Menschen ihre Angst zu überwinden. Über die sozialen Netzwerke verabreden sich die fast 300 SängerInnen des „Freien Chors“ von Minsk zu musikalischen Flashmobs – sie singen patriotische Protestsongs gegen das Regime von Alexander Lukaschenko. An geheimen Orten nehmen sie Lieder auf, drehen Musikvideos und stellen sie in Netz. Dabei sind sie ständig in Gefahr. Schätzungen zufolge wurden in Belarus bisher bis zu 100 MusikerInnen festgenommen. Doch allen Einschüchterungsversuchen zum Trotz: die SängerInnen des „Freien Chors“ Minsk geben nicht auf, erheben in kleineren Aktionen weiterhin ihre Stimme. „Wir kommen unserem Ziel näher!“, sagt ihre Chorleiterin. „Die Gesellschaft braucht uns, und wir sollten noch mehr singen!“ aspkete hat die mutige Dirigentin begleitet.  

Im Gespräch zur Situation in Belarus: Taras Siakerka. Der Aktivist demonstriert in Berlin jeden Tag vor der "alternativen" Botschaft Weißrusslands

„Alle sind so ernst geworden“ - Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre sprechen über alles außer Corona

Die Autoren Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre in der Sauna
Quelle: ZDF / Jula Höpfner

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre. Obwohl - beide schreiben. Erfolgreich. Doch damit hört es auch schon auf, vergleicht man Leben und Werk des vornehmen Bestsellerautors und Schweizer Grandseigneurs Suter mit dem des permanent gescheit-fiebrigen und Exzess erfahrenen sowie einige Jahre jüngeren Ex-Pop-Literaten Stuckrad-Barre. Ausgerechnet in Badehosen sind sich die beiden vor einer Weile begegnet - im Wellnessbereich eines stilvollen Hotels. „Hallo, Sie sind doch …?“. Es war der Beginn einer kreativen Freundschaft mit immer wieder frisch verteilten Rollen. Der rege gedankliche Austausch der beiden Autoren über sensible Themen wie Hochzeitsfotografie oder das Zubereiten teurer Tiefseefische, über bewusstseinserweiternde Substanzen oder auch eine Begegnung mit ‚Siri‘ -  all ihre Erörterungen fanden nun Platz zwischen zwei Buchdeckeln: „Alle sind so ernst geworden“. Klar, dass es dabei auch um Bademode geht. Und klar auch, dass Jo Schück die Badelatschen einpackt, für sein Treffen mit Martin Suter und Benjamin Stuckrad Barre. 

Musik und Gespräch

Die Band AnnenMayKantereit mit dem Song "So laut so leer"

Generalintendant Hartmut Dorgerloh zur angekündigten Teil-Eröffnung des Humboldt-Forums in Berlin

„Neue Auftraggeber“ – Bürger finanzieren Kunst

An Kunst Teil zu haben – nicht nur als Betrachter – das ist der Grundgedanke des Projekts „Neue Auftraggeber“.  Kunst entstehen zu lassen, als Auftrag von Bürgerinnen und Bürgern. Was klassenkämpferisch klingt, ist sogar revolutionär. Nicht der Staat, eine Stadt, oder reiche Mäzene beauftragen Künstlerinnen und Künstler, sondern jede beliebige Person, so sie oder er denn einen Auftrag hat, begleitet von klugen Mediatoren. Angefangen hat es vor 30 Jahren in Frankreich. Mittlerweile ist das Prinzip auch in Deutschland angekommen und es werden die unterschiedlichsten Aufträge unterstützt. So entstand etwa der Comic „Temple of Refuge” im Auftrag des kurdischen Irakers Sartep Namiq, der 2016 nach Deutschland kam und ein Jahr im Flüchtlingscamp auf dem Tempelhofer Feld lebte. Doch „Neue Auftraggeber“ sind genau wie Sartep Namiq auch die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Steinhöfel in Brandenburg. Bei ihnen geht es nicht um einen Comic, sondern um die große Frage, wie sie miteinander gut alt werden können. Zusammen mit der Theatergruppe Rimini-Protokoll und dem Baukollektiv Construct Lab suchen die Menschen aus Steinhöfel nach gemeinsamen Geschichten, Rezepten (auch fürs Leben) und nach ihren Wurzeln. Die Idee der neuen Auftraggeber ist so offen wie die Gesellschaft selbst. Menschen erleben, dass Kunst den Alltag gestaltet und verändert und sie selbst Teil des Prozesses werden. Das schafft eine neue Selbstverständlichkeit, ganz ohne Museumsgebäude, Eintrittsgeld und teure Ausstellungsstücke.

Der Fall Assange und die Konsequenzen für die Pressefreiheit

Demonstrierender Unterstützer von Assange mit einem Plakat
a supporter of julian assange, with a poster of the wikileaks founder, joins other protesters to block a major road in front of westminster magistrates court in london, thursday, may 2, 2019. wikileaks founder julian assange is facing court over a u.s. request to extradite him for alleged computer hacking. (ap photo/frank augstein)
Quelle: ap

Nach fast 7 Jahren eingeschlossen in der ecuadorianischen Botschaft in London sitzt Julian Assange seit 9 Monaten in Einzelhaft im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Die USA verlangen seine Auslieferung, ihm drohen bis zu 175 Jahre Haft. Am 4. Januar nun soll vor dem Central Criminal Court die Entscheidung gefällt werden. Doch geht es hier keineswegs nur um die Person Julian Assange, sondern um Pressefreiheit und Demokratie weltweit. Die USA wollten Assange kriminalisieren, an ihm ein Exempel statuieren und Enthüller unbequemer Wahrheiten mundtot machen, sagt Spiegel-Journalist Marcel Rosenbach, der mit dem Wikileaks-Gründer ab 2010 zusammenarbeitete. Daß durch dessen Veröffentlichungen "Blut an seinen Händen" klebe, sei wahrheitswidrig. Assange sei ein politischer Gefangener in einem durch und durch politischen Verfahren. Hätte das Vorgehen der USA im Fall Assange Erfolg, stünden nicht nur Whistleblower mit einem Bein im Gefängnis, sondern auch Journalisten und Verleger weltweit - alle, die geheime staatliche Dokumente entgegennehmen, auswerten und veröffentlichen – selbst dann, wenn diese Dokumente schwerste Menschenrechtsverletzungen und von Regierungen geduldete Verbrechen belegen.

Stab

  • Moderation - Katy Salié, Jo Schück
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