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aspekte vom 11. September 2020

Moderiert von Katty Salié

Kulturaustausch mit Russland beenden? Das Nawalny-Attentat und die Folgen; Corona als Inspirationsquelle - Das Kunstfest Weimar und das Virus; Kunstliebhaber Trump - Ein Präsident steht auf Fakes; Live: Giant Rooks

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43 min
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11.09.2020
Video verfügbar bis 11.09.2021

Kulturaustausch mit Russland beenden?

Das Nawalny-Attentat und die Folgen

Das Attentat auf den russischen Oppositionellen Alexei Nawalny, die Verhaftung von Maria Kolesnikowa in Minsk, die skrupellose Parteinahme des Kreml für den Autokraten Lukaschenka in Belarus gegen das eigene Volk: Es herrscht eine neue Eiszeit in den deutsch-russischen Beziehungen, die auch langfristige gemeinsame Projekte in Frage stellt – wie die Debatte um die Fertigstellung der Pipeline "Nord Stream 2" zeigt. Doch steht auch die deutsch-russische Kooperation im Kulturbereich zur Disposition? Kann der kulturelle Austausch angesichts massiver Repressionen einfach so weitergehen? Oder gibt es Grenzen, etwa für den deutsch-russischen Museumsdialog? "Europa ohne Grenzen" heißt ein gemeinsames deutsch-russisches Ausstellungsformat, an dem seit Jahrzehnten die Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz und große russische Museen wie die Petersburger Eremitage und das Moskauer Puschkin-Museum beteiligt sind. 2013 kamen bei der letzten Ausstellung dieses Formats in St. Petersburg Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Putin - trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten auch in Fragen der "Beutekunst" - zur Eröffnung. Kultur erwies sich als "letzter Draht" in auch damals schon schwierigen Beziehungen. Jetzt steht eine neue große deutsch-russische "Eisenzeit"-Ausstellung an. Durch Corona verschoben, soll sie im November eröffnet werden. Doch welches Signal ginge von diesem deutsch-russischen Museums-Großprojekt aus? Ist es denkbar, dass der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger die prunkvolle Ausstellung zur Epoche der Eisenzeit in St. Petersburg eröffnet? Was sagen Aktivisten aus Belarus dazu und nutzt Russland die Kultur-Kooperationen für Propaganda? aspekte fragt russische und deutsche Museumsdirektoren, die in Belarus bedrängte Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, Aktivisten und Vertreter der Zivilgesellschaft in Russland, Belarus und Deutschland: Was kann und soll Kultur leisten?

Corona als Inspirationsquelle

Das Kunstfest Weimar und das Virus

Der Schauspieler Benny Claessens auf dem Kunstfest Weimar in der Inszenierung "Paul oder im Frühling ging die Erde unter"
Der Schauspieler Benny Claessens auf dem Kunstfest Weimar
Quelle: dpa

Das Kunstfest Weimar ist das erste deutschsprachige Bühnenfestival, das nach dem Corona-Lockdown in die Offensive geht und sich traut. Noch bis zum 13.9.2020 finden an zwölf Spielorten in Weimar über 200 Veranstaltungen statt. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren zwar in abgespeckter Version, dafür aber mit einem fulminanten Programm. Das Festival ausfallen zu lassen, wäre für Rolf Hemke, Leiter des Kunstfests Weimar, nicht denkbar gewesen: "Wir müssen weitermachen. Wir müssen für unser Publikum das sein. Wir müssen für unser Publikum spielen, koste es, was es wolle." Dass sich die neue Corona-Realität auch im Programm ausdrückt, ist für den Macher unabdingbar gewesen. Dafür hat er sogar eine Uraufführung in Auftrag gegeben: Umgesetzt hat sie die Autorin Theresia Walser, die auch zum ersten Mal Regie führt. In "Endlose Aussicht – Ferien auf dem Seuchendampfer" wird eine Kreuzfahrt zum endlosen Monolog über eine Reise, in der die Zeitzonen immer mehr verschwimmen und die Pandemie die Normalität aushebelt. Mit "Five Deleted Messages" von Falk Richter und dem Sybille Berg-Text "Paul oder Im Frühling ging die Welt unter" in der Inszenierung von Ersan Mondtag nähern sich auch diese Stücke dem Thema der letzten Monate. Geistreich, hintersinnig und witzig. Doch ist es möglich, einfach die Reset-Taste zu drücken, auf der Bühne und im Zuschauerraum für größtmöglichen Abstand zu sorgen und dann wieder von vorne zu beginnen?

Gast und Musik im Studio:

Im Gespräch: Dramatikerin Theresia Walser zu der Frage, was Corona mit dem Theater macht.

Auf der aspekte-Bühne: Giant Rooks mit "Watershed"

Systemrelevante Menschen in der Kunst

Ein Projekt von Christian Jankowski

In den letzten Wochen wurde so manche Fernsehsendung von geisterhaften Auftritten heimgesucht. Hinter Moderatorinnen und Moderatoren tauchten Menschen in Schutzkleidung und mit Masken auf, die kein Wort gesprochen haben und nach kurzem Gestikulieren wieder verschwanden. So in der aspekte-Sendung vom 14. August, aber auch in BILD-TV, dem Mittagsmagazin, namhaften Nachrichtensendungen in Thailand und in "heute". Sogar Spielfilmproduktionen wurden von diesen "Engeln" heimgesucht. Dahinter kann nur einer stecken: Der Medienkünstler Christian Jankowski, der sich als charmant-hinterhältiger Interventionist in den verschiedensten Fernsehformaten einen Namen gemacht hat. Italienische Fernsehwahrsager, eine aspekte-Sendung, in der er die Moderatoren kurzerhand überkopf hängte oder eine Castingshow im Vatikan, in der der beste Jesus-Darsteller gesucht wurde - Jankowski ist nichts heilig. Und so schaltet er sich auch in die Corona-Situation ein und macht eine Videoarbeit mit dem Titel "Sender und Empfänger" - in Kooperation mit der Bangkok-Biennale. In Zeiten, wo der Kunstbetrieb langsam und behutsam wieder Fahrt aufnimmt, bringt Jankowski "systemrelevante" Menschen auf den Bildschirm und in den Kontext prominenter Sendungen. Sie bekommen eine Bühne - und eine Stimme.

Die Kirche im Dorf lassen

Denkmalschutz sakraler Bauten

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals, der Corona bedingt in diesem Jahr virtuell stattfinden muss, stellt aspekte vier Kirchendenkmäler im Osten der Republik vor, die seit der Wiedervereinigung mit viel Engagement und Sachverstand vor dem Verfall gerettet wurden. Von der kleinen Gutskapelle in Darsikow (Brandenburg) bis zum gewaltigen Backstein-Koloss von St. Georgen in Wismar. Nach 40 Jahren Sozialismus waren nicht nur die alten Sakralbauten in desolatem Zustand. Den Kirchenruinen, vielerorts zum Abriss freigegeben, waren auch die Gemeinden abhanden gekommen. Was tun mit einem Haus Gottes, wenn Gott ausgezogen ist? Kann Kultur die Leerstelle füllen?

Kunstliebhaber Trump

Ein Präsident steht auf Fakes

Im November 2018 verbrachte Donald Trump ein paar Tage in Paris. Anlass seiner Reise war eigentlich der 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs, der im großen Stil begangen wurde. Aber darum geht es nicht. Weil Trump wegen schlechten Wetters einen Termin absagte, hatte er ein paar Stündchen Zeit, sich die Residenz der amerikanischen Botschaft in Paris, wo er logierte, genauer anzuschauen - dabei erlebte er eine künstlerische Epiphanie. Er war von verschiedenen Artefakten, die er dort entdeckte, so begeistert, dass er sie kurzerhand in sein Flugzeug laden ließ, um sie mit nach Washington zu nehmen. Das Porträt von Benjamin Franklin, eine Büste von Franklin und diverse Figurinen entpuppten sich zwar gleich nach der Ankunft als Replikate bzw. epigonal, doch Trump war offenbar hochzufrieden. aspekte mit ein paar Überlegungen zu Trump, seinem Verhältnis zur Kunst und natürlich zum "Fake".

Stab

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück
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