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aspekte vom 12. Juli 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

"Yesterday" der Beatles im Kino: Rettung eines vordigitalen Mythos; Lebenslänglich für Julian Assange? Trumps Rachefeldzug gegen WikiLeaks; Chipperfields James-Simon-Galerie: Die Berliner Museumsinsel ganz neu; Live: Freya Ridings

Beitragslänge:
45 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.08.2019

Lebenslänglich für Julian Assange?

Trumps Rachefeldzug gegen WikiLeaks

Mathias Bröckers: Freiheit für Julian Assange! Westend Verlag

Man liebt den Verrat, nicht den Verräter. Die Botschaft gilt seit der Antike. Julian Assange bezahlte sie letztlich mit seiner Existenz. Die britische Regierung hat nun seiner Auslieferung an die USA zugestimmt. Sollten im Februar die Londoner Richter der Empfehlung folgen, drohen dem Whistleblower und Wikileaks-Gründer wegen vermeintlich schweren Landesverrats mehr als hundert Jahre Gefängnis. Nun entzündet sich auch in Deutschland eine zunehmend heftige Debatte. Welche Signalwirkung geht von diesem Fall für die Medienlandschaft aus? Ist die Verfolgung von Whistleblowern eine Attacke auf den freien Journalismus per se? Worin liegen Gemeinsamkeiten, worin die Unterschiede der beiden für die Demokratie so wichtigen Disziplinen? Autor und Journalist Michael Sontheimer, der Assange einst in seiner elenden Botschaftsherberge für den "Spiegel" besuchte, Abhör-Experte Jacob Appelbaum und Autor Matthias Bröckers über Aufklärung und Verrat - und die Frage, ob Assange ein Journalist ist.

Die Kunst der Henrike Naumann

Brisante Zeitfragen - möbliert

Vielleicht kann eine Schrankwand manchmal mehr sagen als tausend Worte. Bei der Berliner Künstlerin Henrike Naumann spricht einiges dafür: in ihren Möbel-Installationen stellt sich ein mulmiges Gefühl ein – aus Faszination und Widerwillen, eine Art ästhetisches Unbehagen. Verstörendes und Verdrängtes beschwören diese postmodernen Designs der 90er Jahre, die in Form und Farbe dem Besucher von heute hässlich wie die Nacht erscheinen. Für die 1984 in Zwickau geborene Naumann symbolisieren ihre Fundstücke von Ebay ein nicht eingehaltenes Versprechen der Postwende-Zeit. Als die DDR zu Ende ging, war Naumann fünf Jahre alt, die gesellschaftlichen Umstände des Systemwechsels waren für sie noch nicht greifba, aber spürbar als ästhetischer Bruch. Denn plötzlich musste alles raus, in viele ostdeutsche Wohnzimmer zogen die Holzimitate aus den Baumärkten der westdeutschen Provinz, seltsame Farben und Formen aus dem 'modernen' Westen, der Schrank-gewordene Kapitalismus. Wie es sich anfühlt, wenn ein System zuende geht, versucht Naumann auf unterschiedlichste Weise zu ergründen. Auslöser für ihre ersten Arbeiten war die Aufdeckung des NSU-Trios, deren Wohnung 2011 einen Kilometer von ihr entfernt in Flammen aufging, als Naumann ihre Oma besuchte. Wann und wo haben sich die Jugendlichen - auch aus ihrer eigenen Kindheit - radikalisiert? Sie will die Vergangenheit nicht vereinfachen, sondern eher komplizierter machen; zeigen, dass es mehr als eine Perspektive gibt, ein Narrativ, das die Diskussion beherrscht. Sie will mehr Raum, um miteinander zu sprechen – und nicht nur die Künstlerin sein, die den Osten erklärt. In Hannover widmet sie sich im Kunstverein ab dem 13. Juli deshalb jetzt dem Thema 'Treuhand und Expo 2000' unter dem Titel "Mensch, Natur, Twipsy".

Gast und Musik im Studio

Live auf der aspekte-Bühne: Freya Ridings - die Frau, die London vibrieren lässt - mit "Castles".

Im Gespräch mit Katty Salié: Daniel Domscheit-Berg zum Thema 'Schutz für Whistleblower'

"Yesterday" der Beatles im Kino

Rettung eines vordigitalen Mythos

Was wäre, wenn es die Beatles nie gegeben hätte? Das charmante Pop-Märchen "Yesterday" stellt genau diese Frage. In Danny Boyles gleichnamigem Film wird der 27-jähriger, erfolgloser indisch-britischer Singer-Songwriter Jack Malik von einem Bus angefahren - und in diesem Moment fällt auf der ganzen Welt für zwölf Sekunden der Strom aus. Dabei werden die Beatles und mit ihnen alle ihre Songs aus der Erinnerung der Menschen gelöscht. Nur noch Jack kennt als einziger Mensch ihre zahlreichen Megahits. Als er seinen Freunden im privaten Kreis "Yesterday" begleitet auf seiner Akustikgitarre vorstellt, denken sie, er hätte den Song geschrieben.

Europas Kulturhauptstadt Matera

Das urbane Labyrinth der Ewigkeit

Die 60.000-Einwohnerstadt Matera ist eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte 2019. "Open future", so lautet ihr Motto. Das heißt Zugang für alle, offene Debatten, Toleranz. Schwierig mit einer Staatsregierung, die auf Abschottung setzt. Kultur unter einer nun rechtsgerichteten Regierung in Rom erzeugt Spannungen. Wirkt sich das auf das Programm aus? Fast hellsichtig hatte sich Matera einst hinein geschrieben: "Wir wollen den ganzen Süden repräsentieren. Wir wollen für jene vergessenen Kulturen stehen, die alle Krisen überlebt haben!“ Der Süden war für die Regierungen schon immer weit weg: In den 30er Jahren schickten die Faschisten ihre Gegner gerne nach Matera in die Verbannung. Als "nationale Schande" wurde die kleine Stadt berühmt, denn dort lebten 15.000 Menschen in spät-antiken Höhlenwohnungen (Sassi) ohne Wasser, dafür mit ihren Eseln zusammen. Heute sollen die Sassi als Weltkulturerbe Teil des Kulturhauptstadtjahrs sein und statt Schwein und Esel hausen hier jetzt Luxus-Gäste aus aller Welt - über Airbnb. Eine Ausstellung in einer künstlichen Höhle zeigt eine ganz andere, überraschende Vision: Die alten Höhlenwohnungen sind Vorbild für Städte der Zukunft. Vielleicht gar für die Besiedlung des Mars! Sie sind effizient, energiearm und der Umwelt angepasst. Viele Kulturprojekte gibt es in der Stadt zu entdecken, sie kommen bei Touristen und Materanern gut an - wie das gemeinsames Lampenbauen für die Beleuchtung der Stadt. Schneider Ibrahim Savane - er kam vor drei Jahren von der Elfenbeinküste mit dem Boot übers Meer - schneidert aus Rettungsdecken edle Kleider. Teil eines Kulturhauptstadt-Projekts, das Einwohner und Geflüchtete zusammenbringt. In Zeiten von EU-Skepsis präsentiert Matera seinen fast eine Million erwarteten Besuchern den ganz eignen Blick auf Europa.

Chipperfields James-Simon-Galerie

Die Berliner Museumsinsel ganz neu

Die James-Simon-Galerie ist seit 1904 der erste Neubau auf Berlins berühmtester Insel – das Tor zu Berlins üppigem Kulturparadies. Während andere Bauprojekte in Deutschlands Hauptstadt für internationalen Spott sorgen, strahlt die Museumsinsel nun in einer ungekannten Pracht. Architekt David Chipperfield nennt die Galerie "einen Tempel, aber einen Tempel für Jedermann". So staatstragend das Bauwerk ist, so wenig tragfähig erwies sich der Untergrund: Unter dem Pflaster liegt nicht der Strand, sondern 1500 Eichenholzpfähle, die die musealste Insel der Welt tragen. Prinzip Venedig. Nach Pfusch am Bau musste nachgebessert werden, Taucher fixierten den Untergrund. Die Kosten explodierten von 70 auf 134 Millionen Euro. Nun die große Erleichterung: Nach 13 Jahren Bauzeit ist ein Meisterwerk demokratischer Baukultur vollendet und für alle zugänglich. Der bescheidene Brite Chipperfield hat seinem architektonischen Schaffen eine Krone aufgesetzt. Und Berlin kann sich freuen, dass ein Architekt von Weltformat Geschichte und Ästhetik auf Augenhöhe gebracht hat. Das Gebäude ist nach James Simon benannt - einem sozial engagierten Berliner Unternehmer, der gut mit dem Kaiser konnte und als "Kaiserjude" gescholten wurde. Er holte 1920 die Nofretete nach Berlin und schenkte der Stadt eine riesige Kunstsammlung. Simon starb 1932, ein Jahr vor dem Beginn des Nazi-Terrors, den er als Jude wohl kaum überlebt hätte. Die James-Simon-Galerie - ein lebendiger Ort für die Berliner und alle, die kulturelle Vielfalt und Offenheit lieben. Und ein Geschenk nicht nur für Berlin, sondern eine Hymne an gelebte und offene Kultur.

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