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aspekte vom 13. April 2018

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 13. April 2018

U.a.: Die Renaissance der Heimat - Vom Sehnsuchtsort zur Kampfansage; Dinosaurier sind noch unter uns - Autor Bernhard Kegel klärt auf; Joshua Cohens "Buch der Zahlen" - Der Roman des Internetzeitalters; Auf der aspekte-Bühne: Nana Mouskouri

Beitragslänge:
31 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.04.2019, 23:00

Die Renaissance der Heimat

Vom Sehnsuchtsort zur Kampfansage

"Heimat" – das ist viel mehr als ein Ort oder eine Landschaft. Es ist ein Gefühl von Vertrautheit, Geborgenheit und Sehnsucht. Heimat ist da, wo man Wurzeln geschlagen hat, wo man sich nicht erklären muss und Teil eines kollektiven Wir ist. Vor allem aber ist Heimat ein umstrittener Begriff, spätestens seitdem die AFD ihn gegen die Geflüchteten in Stellung bringt und Heimatminister Horst Seehofer ihn den Rechten wieder entwinden will. Wir sprechen mit der Schriftstellerin Juli Zeh, dem Sänger Wolfgang Niedecken, dem Kabarettisten Uwe Steimle und der Soziologin Cornelia Koppetsch über die Frage, ob man sich seine Heimat aussuchen kann, wie homogen sie sein muss und ob sie geschützt werden muss vor sozialem Wandel und dem Zuzug "Fremder". Um den Begriff Heimat, so zeigt sich, ist ein Kulturkampf entbrannt, in dem sich wie im Brennglas die Konflikte unserer Zeit zeigen.

Gast und Musik im Studio

Nana Mouskouri: Forever Young
Quelle: Mercury

Auf der aspekte-Bühne: Nana Mouskouri mit einer Cover Version von "Love is a losing game"

Im Gespräch: Literaturkritiker Ijoma Mangold über Heimat und seinen Roman "Das deutsche Krokodil"

Dinosaurier sind noch unter uns

Autor Bernhard Kegel klärt auf

Bernhard Kegel: Ausgestorben, um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren.
Quelle: Dumont

Seit die wissensdurstige Britin Mary Anning im Jahre 1830 an der südenglischen Küste den ersten Dino – einen Ichthyosaurier – entdeckte, versuchen Menschen, sich anhand fossiler Knochenreste - im Glücksfall halbwegs vollständiger Skelette -, ein Bild von den Giganten des Erdmittelalters zu machen. Doch warum? Ist es, wie bei den Sauropoden, der bloße Gigantismus, der fasziniert? Warum rückte später der Tyrannosaurus Rex so extrem in den Mittelpunkt? Allein wegen seiner monströsen Raubtierhaftigkeit? Oder dank Hollywood? Was wissen wir tatsächlich von unseren Paläo-Vorgängern? Und warum beschäftigen wir uns weit weniger mit den heute lebenden Dinosauriern? Vermutlich war die Artenvielfalt der Dinosaurier nie größer als gerade jetzt, so der Dino-Experte Bernhard Kegel in seinem neuen Buch "Ausgestorben, um zu bleiben". Nur müsste man Vögel dafür als das nehmen, was sie tatsächlich sind: nicht Verwandte, nicht Nachfolger, sondern: Dinosaurier. Die riesigen Nicht-Vogel-Dinosaurier der Kreidezeit hatten viel mehr Ähnlichkeit mit den gefiederten Erdbewohnern von heute als lange angenommen. Fast kann man von einer Revolution des Wissens sprechen, zumal 85 Prozent aller heute bekannten Dinosaurierarten ihren Namen erst nach 1990 erhielten, also relativ junge Entdeckungen sind. Es ist Zeit, so Bernhard Kegel, für eine gründliche Revision eines Saurierbildes, das dem Homo sapiens seit nunmehr fast 200 Jahren als höchst variable Projektionsfläche dient.

Joshua Cohens "Buch der Zahlen"

Der Roman des Internetzeitalters

Joshua Cohen: Buch der Zahlen. Roman.
Quelle: Schöffling & Co

Epochenwechsel kündigen sich nicht mit Fanfaren an. Sie schleichen sich auf Zehenspitzen an und vollziehen sich weitgehend im Verborgenen. Solch ein Epochenwechsel kündigte sich auch zu Beginn der 70er Jahre an, als ein paar Nerds und 'Techies' in den Vorstadtgaragen des Silicon Valley eine neue Weltordnung zusammenlöteten. Wer hätte sich damals schon vorstellen können, dass die Zukunft diesem Nichts gehört, das wir Internet nennen? Diesem unsichtbaren, scheinbar immateriellen Netz, das alles speichert und alles mit allem verbindet? Zwei Zahlen, Eins und Null, mehr hat es nicht gebraucht, um unsere Welt für immer zu verändern. Es braucht wahrscheinlich eine gehörige Portion Größenwahn, um solch einen Epochenwechsel in einem einzigen Roman bannen zu wollen. Der Schriftsteller Joshua Cohen, New Yorker Literaturwunder mit jüdisch-deutschen Wurzeln, hat das Unmögliche gewagt und gewonnen: Die New York Times hat sein "Buch der Zahlen" mit "Ulysses" von James Joyces verglichen und zur "Great American Internet Novel" ausgerufen. Größere Lorbeeren kann ein Autor kaum einheimsen. Trotz seinen "nur" 750 Seiten ist es ähnlich umfangreich wie das Internet selbst. Und mindestens genauso herausfordernd, beschämend und überfordernd, voller Weisheit und Fake News - wahrscheinlich werden sich noch Generationen von Literaturwissenschaftlern die Zähne daran ausbeißen.

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