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aspekte vom 13. Juli 2018

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 13. Juli 2018

Themen u.a.: Rätselhafte Nico - Über das wilde Leben der Pop-Ikone; Scheitern als Chance: Von Bauchlandungen und Neuanfängen; Wie Demokratien sterben - und wie wir sie retten können; Gast: Ulrike Guérot, Demokratieforscherin; Live: Leon Bridges

Beitragslänge:
38 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.07.2019, 22:55

Rätselhafte Nico

Über das wilde Leben der Pop-Ikone

Sie war das erste Supermodel der Nachkriegszeit und weibliche Kultfigur der Popmusik. Geboren als Christa Päffgen kurz vor Kriegsausbruch in Köln, avancierte sie als Nico zur Pop-Art-Ikone der 60er. Als eine der ersten selbstbestimmt lebenden Frauen verweigerte sie sich vielen Rollen. Ihre musikalische Karriere begann mit Andy Warhol und Velvet Underground – persönlicher Tiefpunkt: ihre spätere Heroinsucht. Nico war ein rätselhaftes Phänomen in einer Zeit politischer und kultureller Umbrüche, in der sich die Popmusik entwickelte und explodierte. Ihre arrogante Ausstrahlung faszinierte die Männer, die Kunstszene von Paris und New York lag ihr zu Füßen. Bekannt wurde sie durch ihre ungewöhnlich tiefe Stimme und den New Wave Sound. Ihre amourösen und künstlerischen Episoden mit Lou Reed, Bob Dylan, Brian Jones, Iggy Pop und Jim Morrison sorgten für Aufsehen. Ein Skandal auch ihre Affäre mit Alain Delon - ihren gemeinsamen Sohn erkannte er nie an. Am 18. Juli 1988 starb Nico - durch einen Sturz vom Rad in Folge eines Aneurysmas. 30 Jahre nach ihrem Tod erscheint jetzt die erste Biographie über sie (Tobias Lehmkuhl: "Nico. Biographie eines Rätsel"). Und der Spielfilm "Nico, 1988" über ihre letzten beiden Lebensjahre kommt jetzt in die Kinos.

Scheitern als Chance

Von Bauchlandungen und Neuanfängen

Gelähmt fühlen sich die meisten - kurz nachdem sie einen Riesenfehler begangen haben. Den Fehler ihres Leben, der sie scheitern ließ. Wie geht man damit um? Was bedeutet Scheitern? "Die Deutschen tun sich wahnsinnig schwer mit Scheitern", sagt Patrick Wagner, der in Berlin die "Fuck Up Nights" organisiert. Events, bei denen Geschäftsleute erzählen, wie sie mit Ihrer Idee eine Bauchlandung gemacht haben. Es geht um Konkurse, Schulden, Scheidungen. Über Misserfolge müsse man reden, es gebe einen kathartischen Moment auf der Bühne, Erkenntnisse täten sich auf - so Wagner und seine Mitstreiter. Scheitern - im "Trend"?

Johannes Jacobi erzählt auf der Bühne, wie er mit der Idee, Inlineskating 'hip' zu machen, auf mehr als hunderttausend Euro sitzen blieb. Jahre litt er darunter. Bald aber ist er schuldenfrei. Um Entstigmatisierung geht es auch Gina Bucher. Sie hat das Buch "Der Fehler, der mein Leben veränderte" geschrieben. Darin erzählt sie wahre Geschichten - ganz alltägliche, wie die von der PR-Beraterin, die bei der Steuererklärung vergisst, einen kleinen Auftrag anzugeben. bis hin zu denen von Mehrfachmördern. Wie geht man mit einer Schuld um, die nicht mehr wieder gut zu machen ist? Wie schafft man die Wende hin zum lebenswerten, aufrichtigen Leben?

Wie Demokratien sterben

Und wie wir sie retten können

Steven Levitsky und Daniel Ziblatt: Wie Demokratien sterben. Und was wir dagegen tun können
Quelle: DVA

Demokratien sterben heute nicht mehr an einem Militärputsch oder im Bombenhagel, sie gehen an den Wahlurnen zu Grunde. In Russland, Venezuela, Ungarn oder in der Türkei sind Autokraten an die Macht gekommen, die die demokratischen Institutionen langsam und innerhalb eines legalen Rahmens von innen aushöhlen. Die Harvard-Professoren Daniel Ziblatt und Steven Levitsky haben darüber ein unaufgeregt nüchternes und zugleich eindringliches Buch geschrieben. In "Wie Demokratien sterben" geben sie den Wählern eine Checkliste an die Hand, die ihnen ermöglichen soll, Möchtegern-Autokraten schon im Vorhinein zu erkennen: Halten sie sich an die demokratischen Spielregeln? Behandeln sie ihre Gegner mit Respekt? Dulden oder tolerieren sie Gewalt? Beachten sie die Pressefreiheit? Der amerikanische Präsident Donald Trump hat schon im Wahlkampf all diese Kriterien nicht erfüllt. Allerdings wäre seine Wahl ohne das Versagen der Republikanischen Partei unmöglich gewesen. Wie die italienischen und deutschen Eliten bei Mussolini und Hitler, glaubten auch die Republikaner, sie könnten Trump einhegen und kontrollieren. Negative Folgen über die USA hinaus: Der Umstand, dass sich der Antidemokrat, der "serielle Regelbrecher" Trump, der sich in der Gesellschaft von Autokraten am wohlsten fühlt, Präsident der USA ist, ist schädlich für die Demokratie in der Welt – nun könnten sich auch die anderen Regelbrecher auf ihr "Vorbild" berufen. Ziblatt und Levitsky sehen in Trump jedoch nur das Symptom für die Krise der Demokratie. Die zerstörerische Polarisierung des amerikanischen Parteiensystems resultiere aus dem Umstand, dass sich die Republikaner seit den 60er Jahren zu einer immer radikaler werdenden Partei der weißen Mehrheit entwickelt haben - die Angst hat, ihre Vormachstellung zu verlieren, so die Autoren. Der Demokratischen Partei raten die beiden Professoren, jede Eskalationspolitik zu vermeiden und nicht mit gleichen Mitteln zurückzuschlagen. Die populistische Welle, die viele Demokratien bedroht, müsse vor allem durch breite gesellschaftliche Koalitionen und durch sozialpolitische Maßnahmen gebrochen werden. Und dadurch, dass wir uns bewusst machen, dass eine lebendige Demokratie, die wir so lange für selbstverständlich hielten, durchaus sterblich ist.

Gast und Musik

Im Gespräch: Demokratieforscherin Ulrike Guérot

Auf der Bühne: Retro-Soul-Sänger Leon Bridges mit "Beyond"

Hanns Eisler, der große Unbekannte

Einsamer Wandler zwischen den Welten

Hanns Eisler: Lieder Vol.1,  Holger Falk (Bariton), Steffen Schleiermacher (Klavier)
Quelle: MDG

Der Österreicher Hanns Eisler war gebürtiger Leipziger - und, was viele bisher nicht wussten, zudem sehr produktiver Liedkomponist. Hanns Eisler komponierte die DDR-Hymne, soviel ist bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass sein Liedschaffen annähernd so reich und umfangreich war wie das von Franz Schubert. Über seine Lieder kann man viel auch über den Menschen Hanns Eisler erfahren, der mit seiner Filmmusik sämtliche Klischees sprengte und gleich zwei Mal mit ihr für einen Oscar nominiert war. Eislers frühe Lieder strotzen vor Kraft, Energie und Revolutionswillen, später kippen sie sehr ins Pathetische. Pianist Steffen Schleiermacher und Bariton Holger Falk sind gerade dabei, sämtliche Eisler-Lieder auf CD aufzunehmen. Für ihre erste von vier CDs wurde das Duo soeben mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. aspekte begleitet die Musiker bei den Proben in Leipzig.

Neuer Aufbruch mit Perlkunst

Das Erbe von Afrikas Künstlerinnen

Perlkunst in Afrika ist mehr als nur Kunsthandwerk oder Kunstgewerbe. Sie ist - auch kulturhistorisch - klassische Kunst, die viel über die Entstehungszeit, gesellschaftlicher Entwicklungen und Traditionen aussagt. Eine Kunst, die vor allem von Frauen gestaltet wurde. Die Geschichte des Perlenhandels ist 3000 Jahre alt – geprägt durch Kolonialismus und Ausbeutung. Heute erfährt das traditionelle Handwerk eine künstlerische Aufwertung und ist vor allem für viele Frauen ein Aufbruch – erste Schritte in die Selbständigkeit. Die Perlkunst: ein Stilmittel der kreativen Kunst- und Fashionszene in Südafrika. Der Designer Laduma ist derzeit Shooting-Star einer internationalen Modeszene, seine Kollektionen des Labels "MaXhosa" sind durch traditionelle Perlarbeiten und lokale Materialien inspiriert. aspekte besucht die aufstrebende Designercommunity in Kapstadt, die in der Verbindung von Tradition und Moderne ein neues Selbstverständnis entwickelt - darunter die Performance-Künstlerin Thania Petersen, die Malerin Kamathi Mafafo, die Modeagentin Beatrace Angut Oola sowie die Designerinnen Laurence Kapinga Tshimpaka und Anna Richerby.

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