Sie sind hier:

aspekte vom 15. Juni 2018

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 15. Juni 2018

Die Türkei vor den Wahlen. Erdogan vor dem Ende?; Ach, Europa: Ciao Italia. Der Abschied Italiens von der EU?; Völkermord an den Herero. Das Fotoprojekt von Marc Babej; Ade liebe Leser, adieu Kulturnation? 7 Mio. weniger Buchkäufer; Live: Courtney Barnett

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.06.2019, 23:59

Die Türkei vor den Wahlen

Erdogan vor dem Ende?

Echte Demokratie gibt es in der Türkei bereits seit dem Putschversuch nicht mehr: die vorgezogenen Neuwahlen am 24. Juni finden im Ausnahmezustand statt, der zum 7. Mal verlängert wurde. 160.000 Menschen sitzen im Gefängnis, die Medien sind gleichgeschaltet. Und doch scheinen die Türken trotz massiver Propaganda und Einschüchterung zu begreifen, dass ihr Land vor einer historischen Entscheidung steht: Sultanat oder parlamentarische Demokratie. "Tamam – genug" finden viele. Meinungsumfragen zeigen, dass Erdogan sich seines Sieges nicht sicher sein kann. Das Oppositions-Bündnis liegt derzeit beinahe gleichauf. aspekte trifft den bekannten Investigativ-Journalisten Ahmet Şık, der nach langer Haft vor kurzem zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Fall ist besonders grotesk: 2011 wurde er wegen seiner Enthüllungen über die Gülen-Bewegung und ihrer Verbindungen zur AKP-Regierung inhaftiert - jetzt ist er der "Unterstützung von Terrororganisationen" (zu denen auch die Gülen-Bewegung gezählt wird) schuldig gesprochen worden. Solange sein Revisionsverfahren läuft, ist er auf freiem Fuß. Seinen Job bei der Cumhuriyet, eine der drei letzten unabhängigen Zeitungen, hat er gekündigt. Er kandidiert jetzt für die prokurdische HPD. Deren Präsidentschaftskandidat, der charismatische Selahattin Demirtas, sitzt im Gefängnis, wird schon als der "türkische Mandela" bezeichnet. Von den übrigen Parteien isoliert, muß die HDP den Sprung über die 10 Prozent-Hürde schaffen. Die Türkei habe die "Dunkelheit der Lügen" nicht verdient, sagt Sik. "Ich kandidiere, um die Mauer des Schweigens einzureißen, um unser schönes Land mit dem Licht der Wahrheit zu erleuchten."

Das will auch Schauspieler Baris Atay, der mit seinem Theaterstück"„Diktatör" aufrütteln möchte. Darin zeigt der fiktive Diktator deutliche Parallelen zu Erdogan und dessen Allmachtsansprüchen. In etlichen Städten der Türkei wurde die Aufführung verboten, Atay bereits zwei Mal verhaftet. In Haft sitzt auch der einflussreichste Kultur-Mäzen Osman Kavala. Der Multimillionär, der sein Geld verwendete, um Kunst- und Kulturprojekte zu fördern, wurde wegen seines Engagements zur Anerkennung des Völkermords an den Armeniern und der Verständigung mit den Kurden massiv angefeindet. Für seine Freilassung setzen sich mutige Kulturschaffende wie die Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums "Depo Istanbul" ein. Außerdem treffen wir die in der Türkei gefangene deutsche Journalistin Meşale Tolu und den berühmten Sänger und Schauspieler Yavuz Bingöl. Der sang 2013 bei den Gezi-Protesten noch mit den Aufständischen – heute tritt er für die türkischen Truppen in Syrien auf. Warum findet er eine Türkei unter Erdogan paradiesisch? Aktuelle Stimmen aus einem gespaltenen Land.

Gast und Musik im Studio

Can Dündar
Quelle: ZDF

Im Gespäch mit Katty Salié: Can Dündar über die anstehenden Wahlen in der Türkei

Courtney Barnett
Quelle: Pooneh Ghana

Auf der aspekte Bühne: Alternative Rock aus Australien - Courtney Barnett mit "Nameless, Faceless"

Ade liebe Leser, adieu Kulturnation?

Sieben Millionen weniger Buchkäufer

Über tausend Preise für Literatur werden hierzulande jährlich vergeben. In kaum einem anderen Land wird das Schreiben und Lesen derart gefördert. Doch in der Konkurrenz um Aufmerksamkeit gehört das Buch zu den größten Verlierern unserer Zeit. Fast sieben Millionen weniger Buchkäufer und -käuferinnen gibt es heute im Vergleich zu noch vor ein paar Jahren. Einen 18-prozentigen Rückgang vermeldet eine aktuelle Studie des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Was heißt das für ein Land, das sich selbst gern als Kulturnation bezeichnet, dass es jetzt mehr Nicht-Leser als Leser zu geben scheint? Ist das wirklich so dramatisch - oder vielleicht ein ganz normaler Transformationsprozess? aspekte hört sich um in der Branche: bei Verlagen, Schriftstellern und Kritikern.

Völkermord an den Herero

Das Fotoprojekt von Marc Babej

Bild aus Marc Babejs Fotoserie "Unser Afrika"
Quelle: ZDF

Drei Frauen in Namibia: Eine blasse Frau mit weißem Sonnenschirm vor der Bibliothek in der Lüderitz-Bucht, eine ebenso selbstbewusste Schöne in der Uniform der deutschen Schutztruppe mit gestreckter Peitsche über ihrem Kopf in Windhuk, eine andere in einem sandverwehten Farmhaus in der Omaheke-Wüste. Die Fotos wirken modern, fast cool. Kulissen, Ausstattung und Haltung sind dagegen im Kolonialstil von 'Deutsch-Südwest' gehalten - so der Name der deutschen Kolonie 1884 bis 1915 auf dem Gebiet des heutigen Namibia. Der deutsch-jüdische Fotokünstler Marc Babej aus New York irritiert in seiner Fotoserie "Unser Afrika", die ab Mitte Juni in der "Rathausdiele" von Hamburg - dem einstigen Tor zu Deutschlands Übersee-Kolonien - gezeigt wird, einmal mehr. Babej zwingt zum genauen Hinsehen: Was ist heutig, was Vergangenheit? Wie weit entfernt ist die deutsche Kolonial-Ära wirklich? Auch der Völkermord, den Deutsche zwischen 1904 und 1908 an den Hereros und Namas begingen. Gerade klagen Vertreter der beiden namibischen Bevölkerungsgruppen auf Wiedergutmachung vor einem New Yorker Bezirksgericht - unter ihnen Ralph Kakuuo, der die zögerliche Haltung Deutschlands arrogant und respektlos findet. Ganz anders Ruprecht Polenz, der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für die Gespräche mit Namibia, der seine heikle offizielle Mission durch das Gerichtsverfahren verzögert sieht - während Grüne wie Cem Özdemir eine klare Anerkennung der Schuld und rasche Entschädigung für überfällig halten. Einig sind sich alle Parteien, dass dieser erste Genozid der Menschheit noch immer unterbelichtet ist und daher auch politisch und moralisch unterbewertet wird. Ein Grund mehr, warum Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank Marc Babejs Fotoprojekt in der Freien und Hansestadt zeigen möchte.

Ach, Europa - Ciao Italia

Der Abschied Italiens von der EU?

Im dritten Teil der Europa- Reihe blicken wir nach Italien als Zünglein an der Waage. Verabschiedet sich das Land gerade von der europäischen Idee? Was hat das für Folgen für Europa, was denken italienische Kulturschaffende darüber? Selten war Europa in seinen Kernwerten so bedrängt wie derzeit. Banken- und Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit haben ihre Spuren an den Südrändern hinterlassen. Die neuen Staaten im Osten attackieren demokratische Regeln und den Wertekanon der Humanität. Die Briten scheren aus der Union aus. Russland versucht, die Einigkeit zu spalten und Trump droht unverhohlen mit Handelskrieg. Wo gibt es sie noch, die überzeugten Europäer? Was passiert, wenn Italien jetzt die Gemeinschaft aufkündigt? aspekte spricht in Rom mit der Schriftstellerin Francesca Melandri, der ehemalige Politikerin Emma Bonino, dem ehemaligen Chefredakteur von 'Il Tempo', Mario Sechi und dem frischgebackenen Europaminister Paolo Savona.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.