Sie sind hier:

aspekte vom 15. November 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Whistleblowerin Katharine Gun im Kinofilm "Official Secrets"; Ist die katholische Kirche noch zu retten? Die Debatte um mehr Macht für Frauen; Die Künstlerin Sophie Calle; Chilly Gonzales und sein "Gonzervatory"; Live: Alice Phoebe Lou

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.11.2020

Whistleblowerin Katharine Gun

im Kinofilm "Official Secrets"   

In dieser Woche beginnen die Anhörungen des Whistleblowers, der die Trump-Ukraine-Telefonate ins Rollen brachte. Als Katharine Gun Whistleblowerin wurde, hatte das 21. Jahrhundert gerade erst begonnen. Es gab noch keinen Assange, keinen Snowden, keine Chelsea Manning. Donald Trump war noch in weiter Ferne. Es war das Jahr 2003. Die Welt stand kurz davor, von Bush und Blair in den Irakkrieg hineingelogen zu werden. Katharine Gun arbeitete für den britischen Abhördienst CGHQ. Ihr fiel eine Mail in die Hände, die bewies, wie weit die USA und Großbritannien bereit waren zu gehen, um den Irak-Krieg zu führen. Gun leakte das Dokument mit hohem persönlichen Risiko. Den Krieg verhindern konnte sie nicht. Der Kinofilm „Official Secrets“ erzählt Guns Geschichte. Wie hat sich das Whistleblowing seit 2003 mit der Gründung von Wikileaks verändert? Wie steht es um die Whistleblower? Dazu Interviews mit Katharine Gun und Martin Bright, dem Investigativjournalisten, der Guns Dokument 2003 veröffentlichte. Außerdem treffen wir Kristinn Hrafnasson, den Nachfolger von Julian Assange bei Wikileaks. Wir sprechen mit ihm über den zunehmenden Verfolgungsdruck auf Whistleblower.

Schriftsteller Ahmet Altan erneut in Haft

Weitere Justiz-Willkür in der Türkei

Ahmet Altan
Quelle: dpa / Jan Woitas

Der bekannte türkische Schriftsteller und Journalist Ahmet Altan ist wenige Tage nach seiner Freilassung erneut verhaftet worden. Nach dem Putschversuch war er, wie so viele andere, wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung inhaftiert worden. Im Gefängnis schrieb er sein Buch „Ich werde die Welt nie wiedersehen“. Nachdem das oberste türkische Berufungsgericht nach mehr als drei Jahren die Untersuchungshaft aufgehoben hatte, erhob der Generalstaatsanwalt nur wenige Tage später Einspruch wegen „Fluchtgefahr“. Altans Fall ist nur ein trauriges Beispiel für die Willkür der Justiz in der Türkei. Am 25. November erhält der 69jährige in München den Geschwister-Scholl-Preis – in Abwesenheit.

Ist die katholische Kirche noch zu retten?

Die Debatte um mehr Macht für Frauen

"Verteidiger des Glaubens": Film
Quelle: Realfictionfilm

Die katholische Kirche befindet sich in einer tiefen Krise. Was in den vergangenen Jahren über den Kindesmissbrauch und seine Vertuschung ans Licht kam, erschüttert die Glaubensgemeinschaft in ihren Fundamenten. Wie tief die Verwerfungen sind, führt der faszinierende Dokumentarfilm „Verteidiger des Glaubens“ von Christoph Röhl vor Augen. Er kann nachweisen, dass Papst Benedikt die Krise noch verschärfte: Der Pontifex war so beschäftigt, die liberalen Kräfte innerhalb der Kirche zu bekämpfen und Reformen abzuwehren, dass er die Verbrechen ignorierte, ja die Täter nicht anklagte, um den Ruf der Glaubensgemeinschaft nicht zu gefährden. Christoph Röhl zeigt seinen Film nun in der ganzen Republik. Er diskutiert mit katholischen Gläubigen. Dabei erntet er neben Kritik auch große Zustimmung: Viele Laien und Theologen sind mit ihrer Geduld am Ende. Sie fordern eine radikale Erneuerung des Klerus: Das Ende des Zölibats und die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern. Doch ist eine Reform der katholischen Kirche überhaupt noch möglich? Darüber sprechen wir mit dem Regisseur Christoph Röhl, den Frauen der Protestbewegung Maria 2.0 und den Theologen Hubertus Wolf und Christian Schaller.

Gast und Musik im Studio

Erzbischof Heiner Koch
Quelle: KNA

Im Gespräch: Erzbischof Dr. Heiner Koch zum Reformweg der katholischen Kirche

Alice Phoebe Lou
Quelle: Motor Entertainment

Auf der aspekte-Bühne: Alice Phoebe Lou live mit "Paper Castles“

Die Künstlerin Sophie Calle

Prophetin von Big Data?

Sophie Calle
Quelle: Les Ateliers Courbet

Sophie Calle wirkt wie eine Prophetin. Die Künstlerin lud schon vor Jahrzehnten wildfremde Menschen ein, in ihrem Bett zu schlafen. Um sie dort zu fotografieren, lässt sich von einem Privatdetektiv verfolgen und stellt dessen Beobachtungen ihren eigenen Eindrücken jener Tage gegenüber. Schließlich bittet sie 107 Frauen, den Abschiedsbrief ihres Geliebten vorzulesen und konzipiert mit dem Filmmaterial eine ganze Ausstellung. Als sie in Paris zufällig ein Adressbuch findet, beginnt sie, zu denen, die im Buch aufgelistet sind, Kontakt aufzunehmen. Aus den Gesprächen entsteht eine Art Fortsetzungsbericht für die Zeitschrift Libération. Die Geschichte löst einen handfesten Skandal aus. Dabei sieht sie sich als Spurensucherin, als Archäologin des Alltags, als Ethnologin der zeitlichen Ablagerungen menschlichen Lebens. Lange bevor die Frage nach Privatheit durch zunehmende Digitalisierung aufkommt, hat sich die Künstlerin Sophie Calle mit dem Thema beschäftigt. Und damit die Zukunft vorweg genommen. Sie folgt dem scheinbar Zufälligem, extrahiert einen Ausschnitt von Wirklichkeit, in dem Leben und Kunst, Identität und Rolle, Vertrautes und Unbekanntes ineinander zu oszillieren beginnen. Ob das, was dabei zum Vorschein kommt nun Realität oder Fiktion ist, liegt wie immer im Auge des Betrachters. „Das Adressbuch“, Suhrkamp 2019.

Chilly Gonzales "Gonzervatory"

Eine neue Art Musikschule

Chilly Gonzales – Gonzervatory 2019 in Köln
Quelle: The Gonzervatory / Philipp Jedicke

1,5 Million Kinder besuchen in Deutschland eine Musikschule. Eine Million nehmen zusätzlich privaten Musikunterricht. Doch Geld für die öffentlichen Musikschulen ist in der Kulturnation Deutschland kaum vorhanden. Die Kulturpolitik kapriziert sich lieber auf strahlende Leuchttürme. Wenn es um das Musikstudium geht, wird die Luft eng. Zwar ist Musik angesagt, wie lange nicht mehr: Aber in Deutschland gilt immer noch E oder U. Was an den Konservatorien im klassischen Bereich gelehrt wird, ist in erster Linie Disziplin, Auswendiglernen und Karrieredenken. Spielfreude und Spaß am Musikerleben bleibt eine Ausnahme. Durch die Hölle der akademisch-spaßbefreiten Musikausbildung ging auch der Kanadier Jason Beck, besser bekannt als Chilly Gonzales, oder einfach Gonzo. Der begnadete Entertainer lebt seit langer Zeit in Deutschland. Zusammen mit dem Klassikstar Igor Levit hat er mit seinem Klavierspiel auch schon das aspekte-Studio gerockt. Dieser Chilly Gonzales also hat sich gedacht, wenn es keine Musikschulen gibt, die Spielfreude fördern, dann mach ich einfach mein eigenes Konservatorium: Das „Gonzervatory“. Was das bedeutet, hat aspekte für Sie herausgefunden.

Stab

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.