aspekte vom 17. März 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 17. März 2017

Pjotr Pawlenski im Pariser Exil: Diskreditiert Russland den Künstler?; Phänomen Transgender: Wie elastisch ist unser Geschlecht?; André Téchinés "Mit 17": Kraftvoll-Vitales vom Kino-Altmeister; Marc Babejs altägyptische Fotokunst: Neues aus dem Reich …

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.03.2018, 23:35
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Pjotr Pawlenski im Pariser Exil

Diskreditiert Russland den Künstler?

Er nähte sich den Mund zu, nagelte seine Hoden auf dem Roten Platz fest oder steckte die Tür des russischen Geheimdienstes in Brand: Pjotr Pawlenski ist einer der aufsehenerregendsten und berühmtesten politischen Künstler Russlands. Jede seiner Aktionen zwingt den Staat zum Handeln, der so Teil seiner Kunst wird. Mit dem Einsatz seines eigenen Körpers entlarvt er die Gewalttätigkeit des Machtapparates und prangert gleichzeitig die politische Gleichgültigkeit in der russischen Gesellschaft an. Vor einigen Wochen ist er aus Russland geflohen und hat in Frankreich politisches Asyl beantragt. aspekte hat Pawlenski getroffen, mit ihm über seine Kunst und über sein Asyl gesprochen. Am 16. März startet der Dokumentarfilm "Pawlenski - Der Mensch und die Macht" über ihn im Kino.

Gast & Musik

Live: Joy Denalane mit "Alles leuchtet"

Studiogast: Schriftsteller und Kinderpsychiater Jakob Hein

Phänomen Transgender

Wie elastisch ist unser Geschlecht?

Trans*menschen werden nach wie vor diskriminiert, wie ganz aktuell das Einkassieren der Transgender-Rechte in den USA durch Donald Trump unter Beweis stellt. Doch gleichzeitig kann man in der Literatur, der Mode, den Medien usw. eine ganz starke Gegenbewegung beobachten: Trans* ist normal, Trans* ist Kult! Auf dem aktuellen Cover der französischen Vogue ist zum ersten Mal ein Trans-Model zu sehen (ähnlich progressiv einst 1988 Naomi Campbell als erstes schwarzes Modell), bei der aktuellen Staffel von 'Germany’s Next Topmodel' sind zwei Trans*models dabei, die vierte Staffel der Golden Globe- und Emmy-prämierten US-Serie "Transparent" soll 2017 in Deutschland laufen, Trans*sängerin Anohni veröffentlicht am 17. März eine neue EP mit sechs Songs, die Opernsängerin Lucia Lucas singt als Trans*frau ihre Rollen im Bariton. Folgerichtig ist, dass durch die zunehmende Thematisierung die Zahl der Trans*personen zunimmt – auch unter Kindern und Jugendlichen. In ihrem Dokumentarfilm "Mädchenseele" (Premiere am 17.3. in London) erzählt die Filmemacherin Anne Scheschonk die Geschichte der siebenjährigen Nori und ihrer Mutter. Nori kann sich mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht identifizieren und lebt als Mädchen seit sie drei Jahre alt ist. Aber sorgen die genannten Medien- und Kulturbeschäftigungen mit dem Thema Trans* wirklich für eine Öffnung und für mehr Akzeptanz? Oder dienen sie doch der Befriedigung eines Voyeurismus? Was kommt bei den Betroffenen an? Und wie akzeptiert sind Trans*menschen wirklich in unserer Gesellschaft? Wir sprechen mit einem Journalisten sowie einer Therapeutin (von der Beratungsstelle "queer leben"), beides Trans*personen.

Transgender - Buchtipps zum Thema

André Téchinés "Mit 17"

Kraftvoll-Vitales vom Kino-Altmeister

Am 13.März feiert der französische Altmeister André Techiné seinen 74. Geburtstag – und kommt zugleich mit seinem erstaunlich frischen, jungen Film "Mit Siebzehn"in die deutschen Kinos ( Start 16.3.). Als die Mutter eines Jungen ins Krankenhaus muss, wird ihr Sohn eingeladen, bei einer Ärztin und deren Sohn zu wohnen. Doch diese ahnt nicht, dass die beiden Teenager einander nicht mögen und in der Schule beim geringsten Anlass aufeinander losgehen. Als ihre Prügeleien entdeckt werden, weiß keiner zu sagen, woher die seltsame Feindschaft eigentlich rührt. Ohne viele Dialoge zeigt der Film so einfühlsam wie eigenwillig, wie unvorhersehbar das Leben ist – wie man es mit siebzehn empfindet. Téchiné präsentiert die Pubertät als cineastisches Kraftfeld – eine Geschichte von zwei Jungen, die nicht voneinander lassen können, egal ob sie sich prügeln oder küssen.

Marc Babejs altägyptische Fotokunst

Neues aus dem Reich der Pharaonen

Der in New York lebende deutsch-amerikanische Fotograf Marc Babej überrascht seit Jahren mit ungewöhnlichen Annäherungen an die Vergangenheit. Jetzt präsentiert er ab Ende März im Hildesheimer Roemer-Pelizaeus-Museum – der nach Berlin bedeutendsten ägyptischen Sammlung in Deutschland – eine "fotorealistische Repräsentation der alt-ägyptischen Kunst". Dahinter verbirgt sich eine originalgetreue Rekonstruktion ägyptischer Bildmotive mit den Mitteln der heutigen High-tech-Fotografie. Das Besondere: Im alten Ägypten wurden Menschen nicht "realistisch" abgebildet, vielmehr mussten sich Größenverhältnisse, Perspektiven, selbst anatomische Gegebenheiten der Aussageabsicht unterordnen. Zugleich verschmolzen Text und Bild häufig – was zu zahlreichen Abweichungen von unserer gewohnten Wahrnehmung führt, aber auch die Aufmerksamkeit schärft. Genau diese sogenannte „aspektive“ Darstellung findet sich jetzt auf Babejs Foto-Tafeln. Der Aufwand dafür war enorm: Zum einen mussten Frisuren und Schmuck, Möbel und Alltagsgegenstände, selbst Mumien aus dem alten Ägypten anhand historischer Vorbilder rekonstruiert werden. Zum anderen Motive und Fotomodelle aus acht unterschiedlichen Kamera-Perspektiven abgelichtet und die Details am Computer nach altägyptischen Stilprinzipien neu geordnet werden. Ob in den USA oder Deutschland: Museumsleute sind begeistert, weil Marc Babej mit heutigem Blick einen 4000 Jahre alten Kunststil highlightet und den altehrwürdigen Sammlungen einen neuen Geist einhaucht. (Ausstellung "Yesterday-Tomorrow" vom 30.3. - 17.9.2017)

Aufgewachsen im Chelsea-Hotel

Nicolaia Rips' Mythen-Rendezvous

Wenn die späten 60er bis 80er Jahre der Kunst- und Bohème-Szene in einem Ort kondensiert wären, dann im "Hotel Chelsea" in New York. Was sich hinter den Mauern dieses alten Kastens abgespielt hat, reicht von Mord, Alkohol und Drogen-Exzessen über Höhenflüge der Kunst bis zu menschlichen Dramen. Die Namen der Hotelgäste sind Legende: Marilyn Monroe und Arthur Miller, Bob Dylan, Dylan Thomas, Patti Smith, die Sex Pistols. Leonhard Cohen schrieb: “I remember you well in the Chelsea Hotel. You were talkin' so brave and so sweet. Givin' me head on the unmade bed. While the limousines wait in the street”. Wie es ist, in diesem Hotel 20 Jahre später aufzuwachsen, wenn zwar der Lack zwischenzeitlich ab ist, die Gäste weniger legendär aber immer noch schräg sind und der Glamour nur noch in den Mauern steckt, das beschreibt die 19-jährige Autorin Nicolaia Rips. Ihr Roman "Alles außer Gewöhnlich“ erzählt vom Erwachsenwerden einer jungen Frau, ihren schrägen Eltern und den Mitbewohnern eines legendären Hauses.

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