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aspekte vom 17. Mai 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 17. Mai 2019

"Sunset over Hollywood" - Ein etwas anderes Altersheim; Ware Wohnung - Über das Spekulieren mit Immobilien; Wie gerecht ist unser Land? Eine Bestandsaufnahme; Plovdiv, Bulgarien - Europ. Kulturstadt 2019; Theaterregisseurin Anna Bergmann; Live: Darjeeling

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.05.2020, 23:59

Sunset over Hollywood

Ein etwas anderes Altersheim

Hier ist das alte Hollywood noch lebendig: im Altersheims der US-Filmbranche im nördlichen Hollywood. Mit "Sunset over Hollywood" gelingt dem deutschen Regisseur Uli Gaulke ein bezaubernder Blick in die Welt des Altwerdens. Er besucht die betagten Bewohner des "Motion Picture Country Home". Das 1940 gegründete Altersheim wurde von Stars wie Charly Chaplin und Kirk Douglas ins Leben gerufen und subventioniert. Dort leben dürfen alle, die lange bei Hollywoods Filmproduktionen mitgearbeitet haben: große und kleine Stars, Regisseure, Produzenten, Masken- und Kostümbildner, Schnittmeister, Ton- und Kameraleute. Die meist über 80-Jährigen tragen den "großen Auftritt" in sich, für die Kamera von Uli Gaulke schmeißen sie sich noch mal in Schale, benutzen Rollatoren und elektrische Rollstühle wie lässige Accessoires und zeigen offen ihren Alltag: In einer Schreibgruppe denken sie über ein neues Ende des Films Casablanca nach. Eine 94-Jährige macht sich schick fürs Casting. Ihr etwa gleichaltriger Nachbar, ein Regisseur, kämpft bei einem Dreh gegen ungewollte Zooms und Kamerafahrten des jungen Filmteams. Dabei wird gerne gestritten. Missgeschicke und kleine Altersschwächen werden mit jüdischem Humor weggelacht. Und auch geliebt und geflirtet wird ordentlich, inklusive Hochzeit.

Ware Wohnung

Über das Spekulieren mit Immobilien

Entmietungen, Luxussanierungen, explodierende Mietpreise auf dem Wohnungsmarkt - existentielle Probleme für immer mehr Menschen. In vielen Großstädten der Welt können sich nicht nur Geringverdiener, sondern zunehmend auch Angehörige der Mittelschicht keine angemessene Mietwohnung oder gar ein Eigenheim mehr leisten. Mietpreise in den Städten schnellen in die Höhe - die Einkommen tun das nicht. Leilani Farha, UN-Sonderberichterstatterin für das Menschenrecht auf Wohnen, ist zwei Jahre durch die Welt gereist, um herauszufinden, wer aus der Stadt gepusht wird und warum. "Ich glaube, es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Wohnen als Handelsware und Gold als Handelsware. Gold ist kein Menschenrecht, Wohnen schon“, sagt Leilani. In Toronto, London, Uppsala, Barcelona, Berlin-Kreuzberg, Seoul und anderen Städten besucht sie Menschen, die Angst um ihre Wohnung haben oder sie schon räumen mussten. Der schwedische Dokumentarfilmer Fredrik Gertten hat Leilani auf ihren Reisen begleitet - sein Film "Push" beleuchtet eine neue Art des anonymen Hausbesitzers, unsere immer weniger bewohnbaren Städte und eine eskalierende Krise, die uns alle betrifft.

Gast und Musik im Studio

Darjeeling
Quelle: Liza Arbeiter

Live auf der aspekte-Bühne: Darjeeling mit "Early Sunday Morning"

Im Gespräch: Soziologe Steffen Mau

Wie gerecht ist unser Land?

Eine Bestandsaufnahme

Ein Aufschrei ging durch Deutschland, als der Jungsozialist Kevin Kühnert ein wenig über Sozialismus nachdachte. Wer immer nach sozialistischen Modellen wie Enteignung oder Vergesellschaftung ruft, erntet Empörung und Widerspruch: Geht gar nicht, nicht wählbar, geschichtsvergessen! Geht doch, wenn man Braunkohle-Löcher, Autobahnen oder Stromtrassen dringend bauen will, merken Kühnerts Unterstützer an. Was läuft eigentlich in Deutschland schief, dass man auf diese Idee mal wieder kommen muss? Die Ungleichheit im Land nimmt zu, die Einkommensschere geht stetig weiter auseinander. Der Niedriglohnsektor wächst, die Mieten steigen, der Immobilienmarkt boomt. Wie viel Gerechtigkeit braucht auch eine soziale Marktwirtschaft? Ist vielleicht im Kapitalismus die soziale Schere mit eingebaut, so dass Gegensteuern sinnvoll wäre?

Plovdiv, Bulgarien

Europäische Kulturhauptstadt 2019

Die alte Tabakstadt in Plovdiv
Die alte Tabakstadt in Plovdiv, denkmalgeschützter Spielort im Kulturjahr - eine Bürgerinititaive hat den Abriss verhindert.
Quelle: ZDF/Gerald Giesecke

"Plovdiv? Nie gehört. Wo ist denn das?" Zumindest in den alten Bundesländern wird man diese Antwort öfters hören. Im Osten hingegen ist die Stadt ein Begriff: zweitgrößte Stadt Bulgariens, mitten im Lande gelegen, zu DDR-Zeiten ein begehrter Urlaubsort mit reichlich Altertum, Wein und natürlich der Nähe zum Schwarzen Meer. Mit seinen heute mehr als 350.000 Einwohnern gilt Plovdiv als am längsten dauerhaft bewohnte menschliche Siedlung schlechthin, als Ort mit 8000 Jahren Geschichte. Und wer war nicht alles dort im Laufe der Jahrtausende: Thraker, Griechen, Armenier, Osmanen, Juden, Muslime, Orthodoxe – und für lange Zeit die Römer. Sie hinterließen ein heute teil-restauriertes 180 Meter langes Stadion und die bis heute prächtigste Bühne der Stadt – das antike Theater auf einem der Hügel um das frisch herausgeputzte Altstadtviertel. Soweit die Antike, so weit so gut. Den Titel Kulturhauptstadt hat man aber nicht etwa mit den Schätzen der Stadt gewonnen, sondern mit einer offenen Bewerbung, die ihre Mängel thematisiert. Und so kam es auch zum Motto dieses Jahres: "Together". Der mangelnde Zusammenhalt in Plovdiv ist vielgestaltig, es fehlen Brücken. Brücken von der Antike ins EU-Europa, Brücken zwischen Identitäten. Unter anderem liegt Stolipinovo, eines der größten Roma-Viertel Europas, in den Grenzen der Stadt. Einheimische nennen es nur "Ghetto". Und dann ist da noch die Kontroverse um "Balkan Pride" - die umstrittene Ausstellung über die Schwulen- und Lesbenbewegung auf dem Balkan. Plovdiv: eine Entdeckung für Reisende, eine Stadt mit großer Kultur - und eine europäische Baustelle.

Anna Bergmann

Porträt einer Theaterregisseurin

Regisseurin und Schauspieldirektorin Anna Bergmann
Regisseurin und Schauspieldirektorin Anna Bergmann
Quelle: pa/dpa-bildfunk

Anna Bergmann - seit letzter Spielzeit Schauspieldirektorin am Staatstheater Karlsruhe - hat ein Anliegen: Mehr Frauen im Theater. Auf und hinter der Bühne. Ihre Inszenierungen spiegeln das. Vielschichtig, kraftvoll und unaufdringlich pathetisch setzt sie Frauen in Szene. Ihre Inszenierung "Persona" nach dem Film von Ingmar Bergmann und mit Corinna Harfouch in der Hauptrolle ist ein Ringen um Existenz und Selbstbehauptung. Gerade ist die Regisseurin dafür mit einer Einladung zum Berliner Theatertreffen ausgezeichnet worden. Es ist eine Kooperation mit dem Staatstheater Malmö. Bergmann arbeitet schon lange mit schwedischen Häusern zusammen. Dort ist das normal, was hier noch ein Sonderfall ist: eine hundertprozentige Frauenquote im Leitungsteam und ein paritätisch besetztes Ensembles. Dafür setzt sich Bergmann auch in Karlsruhe ein. Sowohl auf Leitungsebene als auch in der Regie hat sie Frauen um sich geschart. Bergmann ist vor allem daran interessiert, Frauen zu fördern und zu unterstützen, die trotz Familie und Kindern arbeiten wollen. Rahmenbedingungen im Theater zu schaffen, die das ermöglichen. Sie selbst hat einen dreijährigen Sohn und kennt die Probleme sehr gut. Ihre Initiative setzt positive Signale, das spürt sie: "Es hat sich tatsächlich so ein Umbruch ereignet. Plötzlich ist es schick, Frauen im Spielplan vorkommen zu lassen. Es gibt noch ein paar standhafte Kollegen, die sich da weigern, aber nichtsdestotrotz glaube ich, dass es total voran geht."

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