aspekte vom 17. November 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 17. November 2017

Fatih Akins NSU-Film "Aus dem Nichts" - Schockierend nahe an der Realität; Kompromisse: Vernünftig oder Verrat?; Mutige Mädchen in China - Die Fotos von Luo Yang; Das Auto als Emanzipations-Vehikel - Bildband über Pionierinnen am Steuer; Live: Dillon

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.11.2018, 23:05

Fatih Akins NSU-Film "Aus dem Nichts"

Schockierend nahe an der Realität

Diesen Film schickt Deutschland ins Oscar-Rennen: Entsetzen und Wut über die Morde des NSU brachten Fatih Akin dazu, "Aus dem Nichts" zu drehen, seine persönliche Verarbeitung des rechtsextremen Terrors. Auch er hätte ein Ziel sein können: wegen seines Aussehens, seines Namens, seines türkischen Hintergrundes, sagt er. Und so widmet sich sein Spielfilm auch nicht den Tätern, sondern den Opfern. Katja (gespielt von Diane Kruger - in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichnet) verliert ihren türkisch-kurdischen Mann und ihren kleinen Sohn bei einem Anschlag, der an das Nagelbombenattentat in der Kölner Keupstraße erinnert. Wie dort wird auch in Akins Film die Bombe auf einem Fahrrad vor einem Laden abgestellt. Und wie bei der Ceska-Mordserie beschuldigen die Ermittlungsbeamten die Angehörigen und kriminalisieren das Opfer ("Drogenmilieu?" "PKK?") - für Akin eine zweite Ermordung. Allein gelassen mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer muss Katja als Nebenklägerin beim Prozess die grausamen Details der Verbrechen und die Ungerührtheit der Täter ertragen. In der Fiktion werden die Täter freigesprochen - anders als es beim NSU-Prozess zu erwarten ist, wo für Beate Zschäpe und die vier Mitangeklagten hohe Haftstrafen gefordert werden. "Aus dem Nichts" ist ein starker, erschütternder Film mit einem verstörenden, provozierenden Ende.

Der Kompromiss: gelobt und verachtet

Vernünftig oder Verrat der Ideale?

"Ein Kompromiss ist, wenn alle Beteiligten gleich unglücklich sind" - sagte einst Angela Merkel. Werden also Donnerstagnacht oder Freitagfrüh alle mit hängenden Schultern das Ende der Sondierungsgespräche verkünden - und das acht Wochen nach der Bundestagswahl? Oder wird ein Kompromiss gefunden sein, bei dem alle Beteiligten denken, sie hätten irgendwie gewonnen? Der Kompromiss ist in diesen Zeiten eine heikle Angelegenheit - er ist in Verruf geraten. Schnell ist vom Verrat der Ideale und Aufgabe der einst gesteckten Ziele die Rede. In unseren Profil- und identitätsfixierten Zeiten geht es nicht mehr um die gemeinsame Sache, sondern um die Existenz des Einzelnen. Doch wie entsteht ein guter Kompromiss, der Visionen ermöglicht statt sie einzuebnen? Worin besteht Verhandlungsgeschick - und ist beim Kompromiss die Kunst der Diplomatie nötig? Wo hatten Kompromisse in der Geschichte Erfolg, wo waren sie faul und zum Scheitern verurteilt? Aspekte spricht über das Wesen und die Grenzen des Kompromisses - mit Norbert Blüm, Jutta Ditfurth und Albrecht von Lucke.

Gast & Musik im Studio:

Im Gespräch: Yvonne Boulgarides, deren Mann 2005 in München von dem NSU ermordet wurde und Yavuz Narin, Opferanwalt der Nebenklage

Auf der aspekte-Bühne: Dillon

Mutige Mädchen in China

Die Fotos von Luo Yang

Luo Yangs "Girls" sind exzentrisch, schön und selbstbewusst, zugleich verletzlich, schüchtern und fragil. Sie gehören zu einer chinesischen Subkultur, die im Westen bislang kaum wahrgenommen wurde. Luo Yang, geboren 1984, stammt aus der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas. Ai Weiwei bezeichnete sie 2012 als eine der aufstrebenden Stars der zeitgenössischen chinesischen Fotografie. 2013 waren ihre Arbeiten in der von Ai kuratierten Show "FUCK OFF 2" im Groninger Museum in den Niederlanden zu sehen. Zahlreiche Ausstellungsteilnahmen in Asien sowie Solo-Ausstellungen in Berlin und Hong Kong verhalfen ihr zu internationalem Ruhm. Luos Werk wechselt zwischen sorgfältig durchdachten Bildkompositionen und spontaner Schnappschuss-Ästhetik. Die junge Künstlerin fotografiert Freundinnen und Frauen ihres Alters in den boomenden Megastädten Chinas. Ihnen gemein ist die Suche nach Orientierung und Selbstfindung in einer Kultur, in der Turbokapitalismus, Globalisierung und traditionelle Lebensentwürfe aufeinanderprallen. Luos Bilder zelebrieren eine neue Freiheit - und werfen zugleich einen kritischen Blick auf die Lebensrealität junger Frauen im heutigen China.

Das Auto als Emanzipations-Vehikel

Bildband über Pionierinnen am Steuer

Susanne Gretter: Mutig, mondän, motorisiert
Susanne Gretter: "Mutig, mondän, motorisiert. Rasante Geschichten von der Frau am Steuer." Elisabeth Sandmann Verlag

Was haben Bertha Benz, Erika Mann, Francoise Sagan und Gertrude Stein gemeinsam? Sie alle waren Pionierinnen - im Automobil, saßen hinterm Steuer, als das Autofahren, wenn überhaupt, noch eine männliche Domäne war. Sie trotzten allen Gefahren und Klischees, liebten die Geschwindigkeit und vor allem die Freiheit, die das neue Fortbewegungsmittel verhieß. Sie gingen im Auto auf Weltreise oder als Rennfahrerinnen an den Start - schlüpften, wenn nötig, aus ihren eleganten Kleidern in den Mechaniker-Overall. Das Auto - von Anfang an war es ein Emanzipationsvehikel. Und das scheint es bis heute geblieben zu sein, wie der Blick nach Saudi-Arabien zeigt, dem einzigen Land, in dem es Frauen bislang verboten war, selbst Auto zu fahren.

Stab

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück

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