aspekte vom 18. November 2016

Moderation: Katty Salié & Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 18. November 2016

U.a.: Ken Loach: "Ich, Daniel Blake" Ein Film über die Ärmsten; "Wem gehört die Welt?" Ein Buch über die Reichsten; Im Kino: "Florence Foster Jenkins" Die schlechteste Sängerin der Welt; Live: Hundreds

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.11.2017, 23:05
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Ken Loach: "Ich, Daniel Blake"

Ein Film über die Ärmsten

2006 gewann der Regisseur Ken Loach in Cannes die Goldene Palme. Doch Loach, der Verfechter der Underdogs, ist auch mit 80 noch unermüdlich. Jetzt kommt "Ich, Daniel Blake", mit dem er dieses Jahr wieder in Cannes gewann, in die deutschen Kinos (Kinostart: 24. November). Es ist die Geschichte von Daniel Blake, einem ausgebildeten Handwerker und Durchschnitts-Engländer. Doch im hohen Alter macht ihm ein Herzinfarkt einen Strich durch die Rechnung.  Blake befindet sich in der Rehabilitation und darf nicht arbeiten, doch die willkürliche Staatsbürokratie verweigert ihm Arbeitslosen- und Sozialhilfe.

Schnell gerät er in einen Teufelskreis von Zuständigkeiten, Bestimmungen und Antragsformularen: ein wahrer Kampf gegen die staatlichen Windmühlen - ein Kampf auch um die eigene Würde. Diese geradezu kafkaeske Situation ist das Anliegen von Regisseur Loach und Drehbuchautor Paul Laverty, der für diesen Film monatelang wahre Geschichten in Ken Loachs Heimatstadt Nuneaton sammelte. Für Daniel Blake - und Ken Loach - wird aus Ohnmacht schließlich Wut.

Für Ken Loach ist die Undurchschaubarkeit der Anforderungen und bürokratischen Strukturen Absicht, Schikane, hat "System": Die Armen werden so für ihre Armut selbst verantwortlich gemacht. Und die staatliche Fürsorge wird als politisches Instrument genutzt. Unaufgeregt zeigt Ken Loach gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, erzählt von andauernder Erniedrigung und Unsicherheit – nicht nur in Großbritannien.

Ein Buch über die Reichsten

Wer sind die mächtigsten Player hinter den Kulissen von Politik und Wirtschaft? Der Journalist und Volkswirt Hans-Jürgen Jakobs stellt in einem 'Who is Who' der weltweiten Finanz- und Wirtschaftswelt die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus dar. Banken, Hedgefonds, Familien, Versicherungen - eine Kartografierung der Billionen rund um den Globus. Ein Spiel zwischen Gier und Angst, das ohne Regulierung in eine weltweite Krise steuert. Die Abhängigkeiten sind dramatischer als je zuvor, warnt der Autor.

Hans-Jürgen Jakobs: Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus.
Hans-Jürgen Jakobs: Wem gehört die Welt? Quelle: Knaus

Gast und Musik im Studio

Der Journalist und Autor Jan Fleischhauer spricht mit Jo Schück über die Gefährdung der Demokratie durch das verstärkte Auseinanderdriften von Arm und Reich - auch angesichts der Situation in den USA.

Auf der aspekte-Bühne: Das Elektropop-Duo Hundreds mit "Spotless"

Im Kino: "Florence Foster Jenkins"

Die schlechteste Sängerin der Welt

Ihre Aufnahmen sind ein unsterbliches Zeugnis des Grotesken - und für Generationen von Klassik-Fans eine feste Größe des schlechten Geschmacks. Florence Foster Jenkins sang alles, was das Koloraturfach her gab. Kühn, leidenschaftlich, doch leider komplett talentfrei. Ihre Geschichte ist komisch und tragisch zugleich. Zwei Filme beleuchten nun das Leben der Salon-Diva, die 1944 die Carnegie Hall für sich mietete und dort ein legendäres Konzert gab. Die Kritiken aber fielen vernichtend aus und sie selbst starb kurz darauf. So nahm ihr Leben "ein opernhaftes Ende", wie Joyce DiDonato in unserem Interview sagt. Und auch Meryl Streep kann sich - wie wir von aspekte - der Faszination der Florence Foster Jenkins nicht entziehen: "Florence Foster Jenkins" mit Meryl Streep in der Hauptrolle ist ab 24. November im Kino zu sehen. Seit dem 10. November läuft der mit nachgestellten Spielfilmsequenzen angereicherte Dokumentarfilm "Die Florence Foster Jenkins Story" ebenfalls im Kino - mit Joyce DiDonato als exzentrische Foster Jenkins.

Konzeptkünstler Michael Müller

Neue Ausstellung in Baden-Baden

Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden eröffnet am 25.11.2016 eine fulminante Ausstellung des Künstlers Michael Müller mit einer Performance, bei der 15 Tänzer und Musiker und mehrere lebende Albino-Axolotls aus Mexiko die Räume füllen. Die Performance  findet nur ein einziges Mal statt, aber mit einem riesigen Aufwand (hier Eindrücke aus der Probe). Müller macht Kunst mit Erlebnis- und Erkenntniswert und ist ein multimedialer Magier, der mit allen Materialien und Medien arbeitet, von Zeichnung bis Skulptur. Nebenbei hat er eine eigene Schrift erfunden, die sich K4 nennt. Er fischt tief in philosophischen wie mythologischen Gefilden. In die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden hat er tonnenweise Sand gekippt. Die Besucher werden eingeladen, ihre Schuhe auszuziehen und buchstäblich Abdrücke zu hinterlassen, unter anderem in feuchtem Ton. Der Titel der Ausstellung "Skits – 13 Ausstellungen in 9 Räumen“ deutet auf Müllers Hang zur Opulenz hin. Er benutzt die Geistesgeschichte genauso wie lebende Tiere, um sein „Programm der intellektuellen Erotik“ mit Leben zu Füllen. Ein Künstler, der ästhetische Abgründe schafft mit sinnlichen Explosionen irgendwo zwischen Götterhimmel und Darkroom. (Video: Müller erklärt sein skurriles Kochbuch)

Das Museum des 20. Jahrhunderts

Neue Architektur für Berlin

Die letzte prominente Freifläche zwischen Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie und Hans Sharouns Philharmonie ist vergeben. Gebaut wird das Museum des 20. Jahrhunderts - ein Prestigeprojekt, Kostenpunkt circa 200 Millionen Euro. Gewonnen hat der Entwurf des renommierten Schweizer Architekturbüros Herzog&de Meuron. In der Ausschreibung wurde Respekt gefordert vor den Nachbarbauten. Herausgekommen ist eine irritierend zurückgenommene Architektur - provozierend schlicht, klassisch modern. Und natürlich erregt er die Gemüter. Von "öde, trist funktional und aus der Umgebung gefallen" bis zu "revolutionär simpel, wegweisend, der Kunst dienend" reichen die aufgeregten Kommentare. Wir besuchen den Ort des künftigen Geschehens mit Architekt Matthias Sauerbruch und dem künftigen Hausherrn Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie Berlin.

Link zum Realisierungswettbewerb für den Museumsneubau am Kulturforum: Die Teilnehmer der Endrunde

Außenperspektive des Gewinner-Entwurfs „Das Museum des 20. Jahrhunderts“ von Herzog & de Meuron
Außenperspektive des Gewinner-Entwurfs „Das Museum des 20. Jahrhunderts“ von Herzog & de Meuron Quelle: Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel, Schweiz mit Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich/Berlin

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