Sie sind hier:

aspekte vom 18. September 2020

Moderiert von Jo Schück

Germanen - Ende eines Mythos - Eine Ausstellung klärt auf; Fassbinder als "Enfant terrible" - Oskar Roehlers neuer Film; Mit Kopftuch im Boxring - Der Kampf von Zeina Nassar; Live: Alin Coen

something
43 min
something
18.09.2020
Video verfügbar bis 17.09.2021

Mit Kopftuch im Boxring

Der Kampf von Zeina Nassar

Das Cover des Buches von Zeina Nassar: Dream Big - Wie ich mich als Boxerin gegen alle Regeln durchsetzte
Quelle: Hanser Literaturverlage

Zeina Nassar ist mehrfache Berliner Meisterin und deutsche Meisterin im Boxen. Gewichtsklasse: Federgewicht. Leicht sind ihr die Erfolge jedoch nicht gefallen, denn bis die 21-Jährige im Ring antreten durfte, mussten erst die nationalen Boxregeln geändert werden. Zeina Nassar ist gläubige Muslimin und boxt mit Kopftuch. Auch international darf die Berlinerin seit 2019 mit ihrem Sport-Hidschab antreten - ihretwegen wurden auch hier die Regeln geändert. Sie hat also viel erreicht, sportlich und gesellschaftlich. Jetzt träumt sie von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2021. Und sie hat ihre Geschichte aufgeschrieben: "Dream Big – Wie ich mich als Boxerin gegen alle Regeln durchsetzte" (erscheint am 21. September). Die Soziologiestudentin beschreibt unter anderem ihre Bemühungen, mit denen sie ihre Eltern davon überzeugte, Boxerin werden zu dürfen, und wie sie sich über Konventionen hinwegsetzte und zum Vorbild für viele junge Frauen wurde. Zeina Nassar studiert Soziologie und ist Mitglied im Ensemble des Berliner Gorki Theaters.

Lehrerin trotz Kopftuch?

Wie neutral muss der Staat sein

Eine Schulklasse unterrichten mit Kopftuch? Laut "Neutralitätsgesetz" ist das im Land Berlin an öffentlichen Schulen bisher verboten. Kopftuch - und auch Kippa oder Kreuz - sind laut Gesetz nicht gestattet, sowie "jegliche sichtbaren Symbole und auffallenden religiös oder weltanschaulich geprägten Kleidungsstücke". Damit ist Berlin eines der letzten Bundesländer, das an einem Kopftuchverbot festhält. Doch kippt jetzt das Neutralitätsgesetz? Eine muslimische Lehrerin hat gerade gegen das Land Berlin vor dem Bundesarbeitsgericht gewonnen – sie fühlte sich durch das Gesetz diskriminiert. Auch das Bundesverfassungsgericht urteilte schon 2015: ein pauschales Kopftuchverbot sei nicht zulässig. Wie ist die Praxis in Deutschland – wo dürfen Muslima mit Kopftuch unterrichten? Wie sehen das Schulleiterinnen und Schulleiter? Verletzt der Staat damit sein Neutralitätsgebot oder ist es andersherum: Verletzt er das Grundrecht auf Religionsfreiheit der Lehrkräfte?

Gast und Musik im Studio

Im Gespräch über Kopftuch, Neutralitätsgesetz und Religionsfreiheit: Lale Akgün und Khola Maryam Hübsch

Auf der aspekte-Bühne: Alin Coen mit "Alles was ich hab"

Die Kultur und das Elend von Moria

Zwischen Nothilfe und Ohnmacht

Buchcover "Gerald Knaus: Welche Grenzen brauchen wir?"
Buchtipp zum Thema
Quelle: Piper

Moria auf Lesbos ist zum Synonym für gescheiterte Migrationspolitik geworden. Der Brand - ob bewusst gelegt oder Unfall - hat klar gemacht, dass dieser Ort mit Menschenwürde nichts zu tun hat. Die europäischen Regierungen schachern um marginale Zahlen aufzunehmender Flüchtender. Die Menschen vor Ort werden von der Polizei mit Tränengas beschossen, außerhalb des neuen Lagers wird ihnen die Grundversorgung verwehrt, die Bearbeitung ihrer Asylanträge wird auf Eis gelegt. Eine Mélange aus gegenseitiger Erpressung und gefühlter und tatsächlicher Machtlosigkeit. Die Stimmung in den reichen EU-Ländern ist im Post-Corona-Modus ängstlich. Rechtspopulisten nutzen - vor allem im Internet - Existenzängste, um Stimmung gegen die Merkel-Regierung und die Flüchtenden zu machen. Engagierte Menschen und Kulturschaffende wollen angesichts der akuten Notlage vor allem eines: Den Menschen in Not helfen, die teilweise ohne Wasser und Nahrung da stehen und versuchen, sich der Unterbringung in einem neuen Lager zu entziehen. Es wird Geld gesammelt und Hilfsorganisationen vor Ort zugeführt. Welche Rolle können Kulturschaffende bei einer notwendigen Perspektivänderung spielen? Wie viel konkreten politischen Einfluss können sie nehmen? Was sind Strategien gegen die Überforderung unserer Wahrnehmung durch ein immer schwärzer werdendes Weltbild und das bedrohliche Gefühl der Ohnmacht?

Germanen - Ende eines Mythos

Eine Ausstellung klärt auf

Diese Ausstellung könnte wehtun. Zumindest dann, wenn man ein Faible fürs Völkische hat und fest daran glaubt, ein direkter Nachfahre jener angeblich so haarigen, trinkfesten, kampfeslustigen und freiheitsliebenden Germanen zu sein. Eine archäologische Bestandsaufnahme verspricht das Museum für Früh- und Vorgeschichte in Kooperation mit dem LVR-Landesmuseum Bonn auf der Berliner Museumsinsel. Die 700 zum Teil spektakulären Exponate stammen aus Deutschland, Dänemark, Polen und Rumänien. Allein die Fundorte sollten germanophile Nationalisten stutzig werden lassen. Sollten unsere europäischen Nachbarn etwa auch irgendwie germanisch sein? Der Mythos von den Germanen ist ein dreifach gemachter: Römische Polit-Autoren wie Caesar und Tacitus, deutsche Nationalisten des 19. Jahrhunderts und Nazis – sie alle (miss-)brauchten die Germanen für ihre jeweiligen Zwecke. Die archäologischen Funde widersprechen dem "überlieferten" Germanenwissen teils fundamental. Wir können nicht einmal mit Bestimmtheit sagen können, ob es "die" Germanen überhaupt gab. Die Ausstellung verspricht jede Menge Boden(-funde), nur das mit den Blut(-linien), sorry liebe Nazis, müsst ihr euch ein für alle Mal aus dem Kopf schlagen.

Fassbinder als "Enfant Terrible"

Oskar Roehlers neuer Film

Oliver Masucci als Rainer Werner Fassbinder im Film "Enfant Terrible"
Oliver Masucci als Rainer Werner Fassbinder
Quelle: Bavaria Filmproduktion

Im Mai diesen Jahres wäre Rainer Werner Fassbinder 75 Jahre alt geworden. Obwohl Fassbinder schon länger tot ist, als er gelebt hat, ist die Strahlkraft seines fast manischen Schaffens ungebrochen, er ist immer noch einer der bedeutendsten deutschen Filmemacher der jüngeren Zeit, seine Filme bieten in ihrer Leidenschaft nachfolgenden Regisseuren immer noch Inspiration und Orientierung. Eine große Hommage an Fassbinder und seinen Typus des Künstlers, der weder sich noch sein Ensemble, mit dem er mehr als ein Jahrzehnt arbeitete und lebte, je schonte, hat der Regisseur Oskar Roehler gedreht. Ein zweistündiges Biopic "Enfant Terrible" mit einem überragenden Oliver Masucci in der Rolle des Fassbinder, das tatsächlich die Intensität erfasst und verströmt, die Fassbinder ausmachte. Roehlers Film wäre in diesem Jahr in Cannes gezeigt worden, was jedoch wegen der Corona-Pandemie ausfiel, jetzt kommt er Anfang Oktober in die Kinos.

Stab

  • Moderation - Jo Schück
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.