aspekte vom 2. Dezember 2016

Moderation: Katty Salié & Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 2. Dezember 2016

U.a.: Der King und der Präsident: "Elvis und Nixon" im Kino; Hass im Netz - Woher kommt er? Wie entsteht er?; Scham und Wut - Ein Blick hinter den Populismus; Zu Gast: Schriftsteller Raoul Schrott; Live: Countertenor Franco Fagioli

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.12.2017, 23:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Der King und der Präsident

"Elvis & Nixon" im Kino


Das gab's nicht etwa nur "im Film", it's a true story: Im Jahr 1970 erscheint Elvis Presley unangekündigt vor dem Weißen Haus in Washington D.C. und besteht darauf, den mächtigsten Mann der Welt treffen: US-Präsident Richard Nixon. "Der King" sorgt sich um Amerika. In turbulenten Zeiten von Drogen, Hippie-Demos, Vietnam und Kommunismus hat er einen grandiosen Vorschlag. Elvis möchte "undercover" als Federal Agent für sein Land anheuern. Seine Martial Arts-Kenntnisse sowie Drogen- und Schauspielerfahrung, nicht zuletzt auch seine stattliche Waffensammlung sollen dabei helfen, den Kommunismus zu Fall zu bringen. Dies ist der Hintergrund von "Evis & Nixon", der jetzt in die Kinos kommt.

Nixon und Elvis Presley im Weißen Haus, 1970
Nixon und Elvis Presley im Weißen Haus, 1970 Quelle: pa/dpa-bildfunk

Und so unglaublich es klingt - so wahr ist es. Ja - und bekommt er nun den Job? Well, auch wenn Nixon zunächst keine große Lust hat, den berühmten Entertainer kennenzulernen - er lässt er sich von seiner Tochter und den Beratern überreden – denn ein Treffen mit dem König des Rock n’Roll ist nicht nur in Zeiten abnehmender Beliebtheit des Präsidenten hilfreich - ein Autogramm für die Tochter springt dabei auch noch heraus. Am 21.12.1970 trafen sich die beiden Größen aus Politik und Musik: das damals entstandene Foto ist bis heute das meist angefragte Foto in den National Archives der USA. Es trug dazu bei, dass nach Elvis' Tod immer wieder Gerüchte aufflammten, nach denen Elvis noch am Leben sei – er ist lediglich untergetaucht in Diensten des FBI. Was damals im Oval Office tatsächlich passierte, weiß niemand genau. Aber wie es möglicherweise ablief, und auch wie diese beiden unterschiedlichen Männer - grandios gespielt von Kevin Spacey und Michael Shannon - überraschend Gemeinsamkeiten finden, das kann man ab dem 8.12. im Kino bestaunen.

Woher kommt er? Wie entsteht er?

Im Internet kann man es sich so richtig gemütlich machen: Dank Algorithmen bleibt man in den sozialen Netzwerken unter seinesgleichen, liest und hört nur das, was man lesen und hören will, konsumiert Meinungen und Gerüchte statt Fakten – und sagt, was man denkt. Die „Filterbubble“ hat den Stammtisch abgelöst - und seine Schlagkraft potenziert. Was man sich früher nur hinter vorgehaltener Hand zu sagen traute, wird jetzt öffentlich, und zwar weltweit: Rassisten, Populisten, Hetzer bestätigen sich in ihren Meinungen untereinander, befeuern Hass und Vorurteile, greifen vor allem diejenigen an, die in ihrer gleichgeschalteten Welt fremd sind: Geflüchtete, Migranten, Homosexuelle. Diese „Trolle“ füttern sich gegenseitig und bereiten so den Nährboden eines immer stärker werdenden Populismus, ob nun in den USA oder in Europa oder Woauchimmer. aspekte trifft die Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw sowie die Schauspielerin Jennifer Ulrich, die auf Facebook mit Hass-Posts und Morddrohungen zu kämpfen hat.

Gast & Musik
Schriftsteller Raoul Schrott & Countertenor Franco Fagioli mit "Pien di contento in seno"

Scham und Wut

Ein Blick hinter den Populismus

Scham war einmal ein soziales Regulativ. Wer sich daneben benommen hat, wer gegen Mehrheitsmeinungen verstoßen hatte, sollte sich schämen. Populisten nutzen die Scham vermeintlich abgehängter Menschen, indem sie ihnen vorleben, dass man alles tun und sagen darf, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. 'Das muss man doch mal sagen dürfen!' gilt plötzlich als Legitimation und Befreiung, dabei münden ausgesprochene Rassismen und Beschimpfungen im politischen Diskurs oft nur noch in pure Verrohung. (Ausstellung "Scham - 100 Gründe rot zu werden" im Deutschen Hygiene-Museum Dresden). Dazu hier ein Interview mit dem Soziologen Prof. Sighard Neckel von der Uni Hamburg.

Adam und Eva und der Paradiesapfel - Playmobil
Scham gab es bekanntlich schon im Paradies ... Quelle: DHMD/Oliver Killig

Behinderung und Popkultur

Mit Selbstbewusstsein zur Inklusion?

Menschen sind nicht behindert. Sie werden behindert. Spätestens seit Sportler wie Oscar Pistorius und Markus Rehm mit ihren Unterschenkel-Blades für Höchstleistungen, aber auch Diskussion um Chancengleichheit sorgen, ist Behinderung nicht mehr ausschließlich ein Thema von Benachteiligung und Fürsorge. Technologie, Futurismus, Transhumanismus – in gewisser Weise wird die Wahrnehmung von Behinderung popkulturell. Zum Beispiel in der Person der unterschenkel-amputierten Popmusikerin Viktoria Modesta. Sie nennt sich Bionic Pop Artist. Ihre Prothesen sind futuristische Designerstücke zwischen Kunst und Hightech. Auch der Berliner Rapper Graf Fidi hat seine Behinderung zur Marke gemacht; er textet offensiv über sein körperliches Handicap. Über ein neues Selbstbewusstsein von Körperbehinderten und mögliche Folgen für die Gesellschaft.

Raoul Schrotts "Erste Erde. Epos"

Die ganze Welt in einem Buch

Er ist Professor für Literatur, Schriftsteller, Tiroler. Und Weltreisender. Für sein neues Buch "Erste Erde. Epos“ hat Raoul Schrott den aktuellen Stand der Wissenschaft zusammengesammelt: von der Ursuppe zu den Primaten über die Schrift und die kulturelle Evolution bis hinzu der Frage,warum wir Sex haben und uns solidarisch zu Gruppen formieren. Auf 844 gewaltigen Seiten schreibt Raoul Schrott über ALLES. Er erzählt die Entstehung der Welt mit eigenem Narrativ noch einmal neu. Schrotts Zugang zu dieser Komplexität ist die Poesie. Es entsteht dabei eine epische Dimension der Naturgeschichte, die in seinem Buch multiperspektivisch von fiktiven Charakteren und deren Lebenswelten erzählt werden. Mit einem ausführlichen Anhang liefert Raoul Schrott zudem ein enzyklopädisches Nachschlagewerk. Stilistisch verzichtet er oft auf herkömmliche Interpunktionen und Versalien. Am Anfang scheint das Buch fast unlesbar, nahezu größenwahnsinnig. Dann aber führt es raus in die Welt und zu dem, was sie im Innersten zusammen hält.

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