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aspekte am 2. Februar 2018

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte am 2. Februar 2018

U.a.: Korea und die Olympischen Spiele - Annäherung über den Sport?; Die Kunst von Thomas Scheibitz - Abstrakte Verführung; US-Buchpreisträgerin Jesmyn Ward - Literarische Größe im tiefen Süden; Live: Tocotronic

Beitragslänge:
34 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.02.2019, 23:00

Korea und die Olympischen Spiele

Annäherung über den Sport?

Nordkoreanische Sportler werden an den Olympischen Spielen in Südkorea teilnehmen. Das ist eine Überraschung, denn zwischen den beiden Ländern herrschte zwei Jahren absolute Funkstille und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un sprach in letzter Zeit häufiger über seinen Atomknopf als über den Willen zur Annäherung mit dem Bruderstaat. Kann der Sport nun den Weltfrieden bringen? Oder ist die Olympia-Teilnahme nordkoreanischer Sportler nur Kalkül? Was bedeutet das für die Menschen in beiden Staaten vor Ort? Welche Bedeutung haben heute und welche hatten in der Vergangenheit die Olympische Spiele für die Politik? aspekte spricht mit der südkoreanischen Filmemacherin Sung-Hyung Cho, die für ihren Film "Meine Brüder und Schwestern im Norden" Nordkorea bereiste, sowie mit dem Sportphilosophen Gunter Gebauer.

Sind Tierversuche ethisch vertretbar?

Von Affen und Autogasen

Die Entrüstung ist groß: Autokonzerne lassen Affen Diesel-Abgase einatmen, um belegen zu können, dass Diesel ungefährlich ist. Rechtlich ist das in den USA vielleicht möglich. Ethisch? Verwerflich. Die erste Welle der Empörung kostet bei VW den zuständigen "Generalbevollmächtigten" den Job. Schon wird nach einem grundsätzlichen Verbot von Tierversuchen gerufen. Doch wie heuchlerisch ist das eigentlich? Tierversuche sind doch auch in Deutschland an der Tagesordnung. Über eine Millionen Tiere sterben hier jedes Jahr bei Tierversuchen. Warum ist das nötig? Und wann überflüssig? Wann gegen das Gesetz? Wann eine Sünde? "Monkey Gate" jedenfalls war nicht gerechtfertigt. Tiere dürfen nicht für PR-Zwecke instrumentalisiert werden. Im Reich der Tierversuche gibt es zudem strukturelle Probleme: Viele werden privat finanziert und ausgeführt. Welche Resultate werden veröffentlicht, welche nicht? Welche Rolle spielen eigentlich Tierschutzkommission und Ethikrat? Zehn Affen inhalieren Dieseldünste vor der Glotze. Viele Fragen sind offen. Sind die Makaken nichts als ein weiteres Kapitel in der fortwährenden Mensch-Tier-Beziehungskrise? Oder aber eine neue, vielleicht gar kriminelle Qualität? aspekte trifft in Basel einen Experten in tierischen Angelegenheiten, den Philosophen Markus Wild.

Gast und Musik im Studio

Schriftsteller Florian Werner zum Thema "Was können wir von Tieren lernen?" Sein neues Buch "Die Weisheit der Trottellumme" erscheint im März.

Tocotronic
Quelle: Universal/Michael Petersohn

Auf der Bühne: Tocotronic mit "Electric Guitar" von ihrem neuen Album "Die Unendlichkeit"

Erich Kästners Kriegstagebücher

Als Hitler ihm einen Roman stahl

Erich Kästner: Das blaue Buch. Geheimes Kriegstagebuch 1941-1945
Quelle: Atrium

Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Am Ende seines Lebens, ausgebrannt und vom Alkohol gezeichnet, war sich Erich Kästner da nicht mehr so sicher. Während der Nazi-Zeit emigrierte er nicht wie viele seiner Künstler-Freunde, sondern blieb in Deutschland, obwohl offiziell mit einem Schreibverbot belegt. Nicht nur, weil er es nicht übers Herz brachte, seine geliebte Mutter im Stich zulassen, sondern vor allem, um später Zeugnis ablegen zu können, um den großen Roman über die Jahre der Nazi-Diktatur zu schreiben. Einen Roman, den er freilich nie beendet hat. Die Frage nach dem Warum könnte nun sein lange verschollenes Kriegstagebuch beantworten. Es ist - überspitzt formuliert - ein Dokument des künstlerischen Scheiterns und zeigt einen unverstellten Blick auf einen großen Moralisten, der den eignen moralischen Maßstäben nicht immer genügt. Gerade in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus kann Kästners legendenumwittertes "Blaues Buch" den Nachgeborenen auch als Warnung dienen: Es reicht nicht, sich über die braunen Populisten lustig zu machen. Wer sie nicht frühzeitig und entschieden bekämpft, muss ihnen ohnmächtig in den Untergang folgen.

US-Buchpreisträgerin Jesmyn Ward

Literarische Größe im tiefen Süden

Jesmyn Ward: Singt ihr Lebenden und ihr Toten, singt, Roman, Kunstmann
Quelle: Kunstmann

Jesmyn Ward ist eine der afroamerikanischen Autorinnen und Autoren, die zur Zeit den "Great American Novel" umschreiben. Mit dem "Katrina"-Roman "Vor dem Sturm" und dem im Februar erscheinenden Buch "Singt ihr Lebenden und ihr Toten, singt" gelang ihr, was vorher nur Autoren wie William Faulkner, Philip Roth oder John Updike schafften. Sie ist die erste Frau und die erste Schwarze, die den "National Book Award", einen der beiden wichtigsten US-Literaturpreise, zwei Mal gewann: 2011 und 2017. Sie wird auch "der weibliche Faulkner" genannt. Schrieb der über arme Weiße, so schreibt Ward über arme Schwarze. Das Portrait einer Autorin, die, genau wie ihre Geschichten, tief im amerikanischen Süden verwurzelt ist - wo die Geister der Vergangenheit -Sklaverei und Rassismus- überall gegenwärtig sind.

Die Kunst von Thomas Scheibitz

Abstrakte Verführung

Thomas Scheibitz: Flatland, 2017, Öl, Vinyl, Pigmentmarker auf Leinwand, 280 x 450 cm
Thomas Scheibitz: Flatland, 2017, Öl, Vinyl, Pigmentmarker auf Leinwand, 280 x 450 cm Quelle: Atelier Scheibitz

In die Welt von Thomas Scheibitz einzutauchen heißt, zu lernen, was ein malerisches Problem ist. Und wie man vollkommen analog, mit Pinsel und Farbe, eine eigenes Universum erfinden kann. Der 49-Jährige, in Radeberg geborene Vollblutmaler stellt sich die Probleme selbst und ist extrem präzise bei der Ausführung seiner Gemälde. Kann man ein abstraktes Bild nacherzählen? Zum Beispiel "Eine gelbe Banane geht in einer Landschaft spazieren". Scheibitz meint: "Wenn man es nacherzählen kann, dann ist das Bild verloren." Ein hartes Kriterium, das er sich selbst auferlegt. Denn nachdem Gemälde alles dürfen, auch wieder gegenständlich sein, ist Malen ein verdammt harter Job, wenn man nie gesehene Bilder erfinden möchte. Seine Gemälde und Skulpturen haben eines gemeinsam: Sie verlocken mit ihren klaren Farben, kräftigen Linien und spannungsreichen Kompositionen. "Masterplan \ Kino" heißt seine aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum Bonn. Hier treten 70 seiner Gemälde und Skulpturen in ein Gespräch, das den Betrachter zum Zuhören verführt. Die Titel, die Scheitbitz den Gemälden gibt, reichen von trockenen Himmelsrichtungen wie "WNW" bis zu "Paolo entkleidet Francesca in offener Gegend". Immer wieder tauchen versteckt Formen auf, die aussehen wie Herzen, Äpfel, oder Kerzen - aber genau das auch wieder nicht sind. Scheibitz baut vor uns etwas auf, das gleich wieder in der Form zerfließt. Anschauen kann man das. Erklären nicht.

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