aspekte vom 20. Januar 2017

Moderation: Katty Salié & Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 20. Januar 2017

u.a.: Arm in Trumps Amerika - ein Fotoprojekt im mittleren Westen, Wird die Türkei zum Gefängnis? - Interview mit Autorin Aslı Erdoğan, „Kundschafter des Friedens“ – Vier Ostlegenden in einer Komödie, live: Blues-Sängerin Norma Jean Martine

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.01.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Ein Fotoprojekt im mittleren Westen

In den USA leben schon lange viele Menschen, die nichts zu verlieren haben. Underdogs, die nicht in das Erfolgsprofil des amerikanischen Traums passen und schon gar nicht in die Welt eines Milliardärs. Und doch hat ihnen Donald Trump im Wahlkampf große Versprechungen gemacht. Der Fotograf Jeffrey A. Wolin hat im Armenviertel Pigeon Hill in Bloomington / Indiana im Abstand von 30 Jahren Menschen fotografiert, die gemeinsam haben, dass sie die Worte Hoffnung und Vertrauen nicht kennen. Gewalt, Drogen, Armut, bestimmen den Alltag dieser Menschen. Wolin hat sie mit den Portraits nach 30 Jahren konfrontiert, sie erneut fotografiert und sie um Texte gebeten. Pigeon Hill steht sinnbildlich für ein Land, in dem Menschen, die sich nicht den Zugang zu teurer Bildung für ihre Kinder leisten können, selbst keine Arbeit haben, in die Kriminalität abdriften, vom Rest der Gesellschaft abgehängt werden. Wird sich das unter Trump ändern?

Wird die Türkei zum Gefängnis?

Die bis vor kurzem inhaftierte türkische Schriftstellerin Aslı Erdoǧan spricht mit „aspekte“ über die Repression in der Türkei, ihre Erfahrungen in der Untersuchungshaft, den Prozess gegen sie und eine drohende lebenslange Haftstrafe. Aslı Erdoǧan, die für eine kurdische Zeitung Kolumnen schrieb, ist in der Türkei – wie viele tausend andere im Zuge von Staatspräsident Erdoǧans Hexenjagd gegen Andersdenkende - wegen „Unterstützung einer terroristischen Organisation“ angeklagt. Sie wurde im Dezember 2016 aus der Haft entlassen - wie lange sie auf freiem Fuß sein wird, ist völlig ungewiss. Ihr Prozess soll im März fortgesetzt werden. Gerade wurde bekannt, dass die 49-Jährige in Österreich mit dem Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis ausgezeichnet werden wird. Sie habe sich immer „aktiv und vorbehaltlos für die Durchsetzung der Menschenrechte eingesetzt“.

Vier Ostlegenden in einer Komödie

Der BND hat ein Problem: Im fernen Katschekistan geht dem Agenten Kern (Jürgen Prochnow) bei einem Einsatz der zukünftige Präsident des Landes verloren. Um eine Blamage der Bundesregierung vor der Weltöffentlichkeit zu verhindern, scheint es nur eine beschämende Lösung zu geben … Keiner kennt den Hindukusch so wie er und hat bessere Kontakte zum KGB: der längst abgehalfterte, einst legendäre Top-Spion der DDR-Auslandsaufklärung Falk (Henry Hübchen). Eigentlich will ihm die zuständige junge BND-Agentin nur sein Insiderwissen abjagen – doch Falk, der nur Verachtung für die „Amateurtruppe“ übrig hat – setzt seine Bedingungen durch: Er und sein altes Team aus „Kundschaftern des Friedens“ werden den heiklen Einsatz vor Ort durchführen. Der Zonen-James-Bond reaktiviert Jaecki, den Techniker (Michael Gwisdek), Locke, den Logistiker (Thomas Thieme) und den ehemaligen Romeo-Agenten Harry (Winfried Glatzeder). Doch auch in Katschekistan ist nichts, wie es einmal war… Aber trotz veralteter Methoden ist manche alte Ost-Qualität von hohem Nutzen. Größter Coup der Agenten-Komödie von Regisseur Robert Thalheim ist die Besetzung: Hier sind gleich vier Legenden des Ostens versammelt. Der Film "Kundschafter des Friedens" läuft ab 26. Januar im Kino.

Gast im Studio: Katty Salié spricht mit Schauspieler Michael Gwisdek über den Film "Kundschafter des Friedens" und das Verhältnis zwischen Ost und West in Deutschland.

Die Museumseröffnung des Jahres

Es ist nur die Kopie einer Kopie und löst doch Begeisterungsstürme aus: das Palais Barberini in Potsdam, das frisch rekonstruiert am 20. Januar von Angela Merkel als Museum wiedereröffnet wird. Ursprünglich war das Palais Barberini 1771 im Auftrag Friedrichs des Großen im damals schon historistischen Renaissance-Stil errichtet worden. Vorbild war der Palazzo Barberini in Rom, benannt nach der Papst-Familie, die im Rom des 17. Jahrhunderts schlimmer gewütet haben soll als die Barbaren. Im Potsdamer Palais Barberini fanden früher viele Veranstaltungen ansässiger Kunst-, Literatur- und Musikvereine statt. 70 Jahre nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ließ nun SAP-Chef Hasso Plattner eine Replik der Replik errichten, um seine Gemäldesammlung und Leihgaben zu präsentieren. Der an Rekonstruktionen interessierte „Verein Stadtbild Deutschland“ hat den Palast Barberini gerade zum "Gebäude des Jahres" gekürt. aspekte wagt einen architekturkritischen und soziohistorischen Blick auf das Palais und seine Wiedereröffnung.

Immun gegen Populismus?

Jung, selbstbewusst, zuversichtlich? Oder eher jung, ängstlich und verzagt? Wie leben junge Menschen in einer immer unübersichtlich werdenden Welt? Was denken sie über Terror, innere Sicherheit, aufkommenden Populismus, die Zukunft Europas? Haben sie Vertrauen in die Politik, in das Bildungssystem, in die Medien? Und möchten 18 bis 35-Jährige Geflüchteten eher Schutz bieten oder sind sie der Meinung, Europa solle die Grenzen lieber dicht machen? Eine große europäische Studie stellte der „Generation Y“ diese und andere Fragen. Auch „aspekte“ will wissen: Was denken junge Kulturschaffende über aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen und wie fließt das in ihr Werk ein? Statt von erfahrenen und bekannten Experten lassen wir uns von den Jungen selbst ihre Welt erklären und sprechen mit der Schriftstellerin Alina Herbing (Niemand ist bei den Kälbern, Arche-Verlag, 10.02.17), dem Blogger Rayk Anders und der Journalistin Mareike Nieberding, die nach der für sie schockierenden Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten die Jugendbewegung „DEMO“ ins Leben gerufen hat.

Die amerikanische Sängerin Norma Jean Martine
Quelle: Universal

Sie ist in der Nähe von New York aufgewachsen, hat in Nashville Musik studiert, spielte im Vorprogramm von Stevie Wonder und Tom Odell und veröffentlicht am 20. Januar ihr erstes eigenes Album: „Only In My Mind” – eine Mischung aus Singer/Songwriter, Pop, Rock, Blues und Folk. In „aspekte“ spielt Norma Jean Martine „Still In Love With You“ und exklusiv für aspekte-online den Song „No Gold“.

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