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Generation Corona - Jugend in Warteschleife?

aspekte vom 20. November 2020 - moderiert von Katty Salié.

Generationenkonflikt durch Corona - Vertieft die Pandemie die Gräben?; Film: "Und morgen die ganze Welt" - Gespräch mit Darstellerin Mala Emde; Musiker und ihre Ängste - Neue Offenheit im Pop-Business; Musik: Elif

43 min
43 min
20.11.2020
20.11.2020
UT
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Video verfügbar bis 19.11.2021

Generationenkonflikt durch Corona

Jugendliche und junge Erwachsene haben eine ambivalente Rolle in der Pandemie: Einerseits gelten sie als Infektionstreiber, da sie angeblich Kontaktbeschränkungen ignorieren und in großen Gruppen feiern gehen. Andererseits aber ist gerade die junge Generation besonders von den Einschränkungen betroffen: Schule, Universität, Auslandsjahr, Lehrstelle – alles wackelig. Und egal, ob an dem Feier-Vorwurf was dran ist oder nicht: Die Pandemie trifft junge Leute in einer sensiblen Phase in ihrer Biografie, die eh von Unsicherheit geprägt ist, in der sie sich abnabeln, neue Kontakte knüpfen – da gehört das Feiern nun mal dazu. Zumal einer Studie der Tui-Stiftung zufolge sich 83 Prozent der jungen Generation der 16 bis 26-Jährigen in der Pandemie äußerst verantwortungsbewusst und vernünftig verhalten – auch aus Solidarität der älteren Bevölkerung gegenüber. Eine Solidarität, die gerade junge Klimaaktivisten vor Corona immer von den Erwachsenen verlangt haben – ohne durchschlagenden Erfolg. Jetzt erleben sie, wie wissenschaftliche Erkenntnisse über ein tödliches Virus immense politische Konsequenzen hat – wissenschaftliche Tatsachen in der Klimakrise aber von der Politik in der Regel abgetan wurden. Und dass die Jugend im Grunde die Altersgruppe ist, die am wenigstens Unterstützung von politischer Seite bekommt. Verschärft die Corona-Krise den Clash der Generationen?

Musik und Gespräch

Sängerin Elif und aspekte-Moderatorin Katty Salié
Sängerin Elif und aspekte-Moderatorin Katty Salié
Quelle: ZDF/Jula Hoepfner

Elif mit "Alles helal"

Psychiater und Autor Jakob Hein zu der Frage "Was macht Corona mit der Jugend?"

Ausgebremst - wie geht es der Generation Z ?

Die Generation der heute 14- bis 25-Jährigen galt einst als sorgenfrei: aufgewachsen im wirtschaftlichen Wohlstand, eher zu viele als zu wenige Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Durch Corona sieht auf einmal alles anders aus: Eine ganze Generation scheint ausgebremst – in Sachen Schule, Ausbildung, Studium. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist im Vergleich zum letzten Jahr um etwa neun Prozent zurückgegangen. Etwa ein Drittel der deutschen Jugendlichen kann laut einer Umfrage die beruflichen Pläne nicht so umsetzen wie vor der Pandemie geplant. Die Abiparty ist ausgefallen, das Gap-Jahr im Ausland dahin und selbst die Aussicht, aus dem Elternhaus auszuziehen, ist wenig verlockend, wenn die Uni nur online stattfindet und man Kommilitonen höchstens im Netz treffen kann. Was essenziell ist für Abnabelung und Selbstentwicklung, macht Corona zunichte. Und oft lässt sich das, was jetzt verpasst wird, nicht mehr nachholen. Was macht das mit den Jugendlichen? Wie gehen sie mit der gegenwärtigen Situation um? Wie sehen sie ihre Zukunft? aspekte spricht mit zwei Absolvent*innen renommierter Musik- und Schauspielschulen - also solche konnte man bislang sicher sein, ein Engagement nach dem Abschluss zu bekommen. Eine Geigerin und ein Schauspieler berichten, wie Corona ihre Leben verändert hat - bis hin zur nackten Existenzangst.

Wie politisch ist die Generation Z?

Was beschäftigt die Jungen - außer der Klimakrise und Fridays for Future? Engagieren sich junge Menschen in den Parteien? Lilly Blaudszun, 19, ist Mitglied der SPD. Für die Studentin gibt es kein entweder/oder. Politische Aktion und Parteiarbeit gehören für sie zusammen. Der Schüler Leonhard Geßner hat mit gerade mal 16 Jahren für seinen youtube-Kanal schon einige Berliner Spitzenpolitiker interviewt und ein Buch geschrieben - über Politik und seine Generation, die Generation Z, die viel politischer sei als manche Stimmen tönen. Und auch die Influencerin Diana zur Löwen hat nach ihren erfolgreichen Jahren im Lifestylebereich politische Themen für die Gestaltung der Zukunft entdeckt. Wirtschaftsunternehmen wie Politiker sind gut beraten, mehr darauf zu hören, was ihre Generation zu sagen hat. Mit dieser Meinung stehen die drei für viele ihrer Generation.

Der Film "Und morgen die ganze Welt"

Das Drama von Regisseurin und Ko-Drehbuchautorin Julia von Heinz scheint der Film der Stunde: Er ist hochaktuell, politisch brisant und aufregend jung. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Studentin Luisa (Mala Emde), die vom landadeligen Elternnest in ein besetztes Haus zieht. Gemeinsam mit Linksautonomen und Antifas will sie etwas gegen die zunehmende Rechtsradikalität in unserem Land tun. Schon bald bezweifelt Luisa, dass Demos, Spaßtorten und Farbbeutel ausreichen im Kampf gegen gewaltbereite Neonazis. Nach der Gewalt gegen Sachen plant sie noch drastischere Schritte. Wie weit darf man gehen für seine Überzeugung? Kann Gewalt gerechtfertigt sein – und wann? Diese Fragen stellt der Film differenziert und ohne einfache Antworten zu geben. Er konfrontiert die Zuschauer, fordert zur Diskussion auf und ist dabei authentisch und von immenser Wucht. "Und morgen die ganze Welt" ist auch ein Film über das Erwachen eines politischen Bewusstseins, über die Suche einer jungen Frau nach ihrem Weg – großartig gespielt von der 24-jährigen Mala Emde. Bei den Filmfestspielen in Venedig hat sie dafür den Preis der unabhängigen Filmkritik als beste Darstellerin erhalten.

Musiker und ihre Ängste - Neue Offenheit im Pop-Business

Lady Gaga spricht über ihre Depression und Billie Eilish drückt in drastischen Bildern ihre Angst aus. "Mental Health"-Probleme erobern expliziter denn je die Popwelt. Auch in Europa. Ist es gesund, offen zu sprechen? Oder besteht die Gefahr, dass sich junge Fans von düsteren Vorbildern hinabreißen lassen? Wo hört mutige Aufklärung auf und wo beginnt ein düsterer Wettbewerb? Ist die Generation der Millennials stärker betroffen oder sind sie nur lauter? Spätestens seit dem Selbstmord des schwedischen DJ-Superstars Avicii im Jahr 2018 bekennen sich immer mehr Pop-Größen zu ihren Diagnosen. Einst tabuisierte Krankheiten werden klar benannt. Mit ungekannter Offenheit zeigen die Stars ihre dunkelsten Dämonen – nicht nur in ihrer Musik, sondern auch auf Social Media. Seit Anfang 2020 gibt es in Deutschland den Verband "Mental Health in Music", der Hilfe für betroffene Musiker*innen anbietet. "Musik ist ein freies Feld, das soll auch so bleiben. Aber Studien zeigen, dass es vielen Musiker*innen nicht gut geht", erklärt die Mitgründerin und Therapeutin Anne Löhr. Oft ist die eigene Kunst ein Ventil für die Emotionen. Doch wie verhindert man, dass Popstars dann durch Rampenlicht und harten Erwartungsdruck nicht brechen wie Avicii?

Stab

  • Moderation - Katty Salié
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