aspekte vom 20. Oktober 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Noch 19 Stunden

Kultur | aspekte - aspekte vom 20. Oktober 2017

Drohungen gegen Künstler in Russland, Rechtsruck in Österreich, Amy Liptrot: "Nachtlichter", Wiederentdeckt: Jeanne Mammen, Gäste: Schauspieler Lars Eidinger sowie Die Toten Hosen

Beitragslänge:
36 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.10.2018, 23:59

Drohungen gegen Künstler in Russland

Kultur unter der Knute

Russland ist ein schwieriges Pflaster für Künstler, gerade steht der Kreml-kritische Theaterregisseur Kirill Serebrennikov unter Hausarrest, wegen angeblicher Veruntreuung von Fördermitteln. Womöglich ist sein Vergehen auch nur, dass er sich gegen die offizielle Lesart russischer Kunst stemmt, etwa mit einem Film, der die Homosexualität des Ballettstars Nurejew offen thematisiert. Ganz ähnlich ergeht es auch Alexej Utschitel, dem eigentlich kreml-freundlichen Regisseurs des Historienfilms "Matilda" mit Lars Eidinger in der Hauptrolle als Zar. Er erntet Beschimpfungen, Drohungen und Brandanschläge von ultranationalistischen, klerikalen Zarenfreunden, obwohl der Film noch nicht einmal Premiere hatte. Und der Kreml schweigt dazu.

Rechtsruck in Österreich

Wo bleibt der Aufschrei der Kultur?

Als sich die ÖVP 1999 anschickte, erstmals mit der rechtspopulistischen FPÖ zu koalieren, ging ein Aufschrei durchs Land: Zigtausende, Künstler und Schriftsteller voran, gingen auf die Straße, das Burgtheater war Tag und Nacht geöffnet, um dem winterlichen Protest ein Forum zu bieten. Und heute? Friedhofsruhe! Haiders Erben sind Normalität geworden. Ein Erklärungsversuch, u.a. mit David Schalko und Doron Rabinovici.

Amy Liptrot: "Nachtlichter"

Fulminantes Literaturdebüt

Amy Litptrot "Nachtlichter"
Quelle: btb

Was für ein Buch! Wir alle wissen irgendwas über den Suff – aber wie Amy Liptrot ihre Zustände und Abgründe, auch ihr "Trockenwerden" bzw. "Trockenbleiben" beschreibt, das fesselt. Dazu die melancholischen, detailreichen Schilderungen dieses "Felsens", der ebenso verhassten wie für sie als Ex-Trinkerin überlebensnotwendigen Orkney-Inseln, ihrer Natur, Menschen, Geschichten. Trotz aller ihrer persönlichen Widrigkeiten und Härten: Man will da hin. Die 38-jährige Autorin ist beim Schreiben zuallererst hart mit sich selbst. Mal packend, mal berührend schildert sie zwei Jahre ihrer mittlerweile sechs Jahre währenden Abstinenz, in einem gelungenen Mix aus Tagebuch und Blog. Vor der Einsamkeit der Orkneys ist sie vor gut 15 Jahren geflüchtet. Nach zehn Jahren in London, in denen sie es nicht schaffte, sich unter den Großstadt-Hipstern zu behaupten, letztendlich in der Gosse und in Entzugskliniken landete, rettete sie sich zurück nach ebendort. Und entdeckte die Einsamkeit für sich. Eine ihrer Ersatzdrogen: das eisige Wasser des Atlantiks, zu jeder Jahreszeit. aspekte war dabei – im Hochsommer auf der winzigen Insel Papay. Wassertemperatur: 13 Grad.

Gast & Musik im Studio

Im Gespräch: Schauspieler Lars Eidinger

Auf der aspekte-Bühne: Die Toten Hosen mit "Alles passiert" (Tourdaten)

Wiederentdeckt: Jeanne Mammen

Retrospektive der Berliner Künstlerin

Endlich gibt es eine umfassende Werkschau der zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geratenen Künstlerin Jeanne Mammen (1890-1976). Sie führte eine der ganz spitzen Federn im Berlin der 20er Jahre. Alle wichtigen Zeitschriften aus den Bereichen Mode, Kultur und Satire veröffentlichten ihre Werke. Berlinerin, frankophil, emanzipiert, den Nazis unter den Augen weggetaucht, 60 Jahre lang in einem Atelier am Kudamm wohnend – eine Ausnahmekünstlerin, die noch bis Mitte Januar 2018 in einer umfassenden Retrospektive in der Berlinischen Galerie wieder zu entdecken ist. Sie ist ein Paradebeispiel für unbeugsame Aufrichtigkeit, für Offenheit in jeder Richtung und für absolute Integrität. Jenseits ihrer Kunst könnte man durchaus Vieles von ihr lernen, was in den auch heute problematischen Zeiten sehr nützlich sein würde.

Ausstellungsstücke und ihre Herkunft

Die neue Herausforderung für Museen

"Alle reden von Provenienzforschung, aber jeder meint etwas anderes", sagt die renommierte Kulturhistorikerin Bénédicte Savoy, die im Sommer diesen Jahres für Schlagzeilen sorgte, als sie mit einem Eklat den Experten-Beirat des Berliner Humboldtforums aus Protest verließ. Seitdem reißt die Diskussion darüber, welche Relevanz Herkunftsforschung in der gegenwärtigen Museumsarbeit haben sollte, nicht ab. aspekte begleitet die Französin Bénédicte Savoy und ihren deutschen Kollegen David Blankenstein bei den Recherchen für ihre geplante Ausstellung über Alexander und Wilhelm von Humboldt für das Deutsche Historische Museum in Berlin (2019). Bei der Suche nach Objekten für diese Ausstellung recherchieren die beiden Wissenschaftler immer wieder auch die Herkunftsgeschichte jedes einzelnen Objektes. Wie gewinnt man Wissen über ihre Provenienz und wie wertet man ihre Objektbiografien? Wann geht es um Rückgabe und wann lediglich um das Wissen der Herkunftsgeschichte – welches allerdings zu ganz neuen Erkenntnissen führen kann? In Frankreich wird diese postkoloniale Diskussion bereits sehr viel länger geführt als in Deutschland und das berühmte Museé Quay Branly - 2006 eröffnet und ähnlich wie das Humboldtforum ein politisch gewolltes Völkerkundemuseum besonderer Art, - versucht Haltungen, die sich aus solchen Fragen ergeben, in seinen Ausstellungen umzusetzen. Können solche Positionen auch für die Diskussion in Berlin fruchtbar werden?

Stab

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück

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