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aspekte vom 20. September 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Ausnahmezustand Klimawandel - Warum Klima-Rettung so schwierig ist; Der Run auf die Arktis - Wer darf die Bodenschätze ausbeuten?; Shooting-Star Ocean Vuong - Der Schriftsteller zu Gast im Studio; Live: Hayden Thorpe

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.09.2020

Ausnahmezustand Klimawandel

Warum Klima-Rettung so schwierig ist

Es ist Freitag und Deutschland im Generalstreik: Es gibt kaum ein Thema, bei dem sich derzeit so viele Wissenschaftler und Menschen einig zu sein scheinen: Es steht schlecht um unseren Planeten. Gletscher schmelzen, Wälder sterben, Arten verschwinden - ob sich die Erderwärmung noch begrenzen lässt? Es muss gehandelt werden, schallt es von überall her. Doch warum tun sich Menschen so schwer, effektiv aktiv zu werden? "Weil wir es nicht glauben können", lautet eine Erklärung des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Safran Foer.

Jonathan Safran Foer: Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können
Quelle: Kiepenheuer & Witsch

Er plädiert in seinem neuen Buch für das Engagement des Individuums - und zwar im Verzicht auf tierische Produkte. Ob das Verhalten des Einzelnen eine Lösung sein kann – eine ZDF-Reporterin wagte den Selbst-Test. Auf gemeinsames Vorgehen setzt dagegen "Fridays for Future" – eine Bewegung, die innerhalb kürzester Zeit so breit und groß geworden ist, dass selbst Protestforscher wie Professor Sabrina Zajak staunen. Doch können die Schüler wirklich die Mehrheit hinter sich wissen? Schon bilden sich radikalere Gruppen wie "Extinction Rebellion", die mit zivilem Ungehorsam und Blockaden auf die Klimakrise aufmerksam machen wollen. Sie fordern Bürgerversammlungen zur Bewältigung der Klimakrise. Und was hindert die Regierungen selbst, schneller aktiv zu werden? Über Hindernisse und Chancen im Kampf gegen den Klimawandel - für den Einzelnen, für die Gesellschaft und für die Politik.

Der Run auf die Arktis

Wer darf die Bodenschätze ausbeuten?

Marzio G. Mian: Die neue Arktis. Der Kampf um den hohen Norden
Quelle: Folio Verlag

In Narsaq, Südgrönland, leben seit Urzeiten Fischer, Jäger und Bauern. Doch jetzt stehen Veränderungen an. Ein chinesisches Unternehmen plant dort die weltgrößte Mine für Uran und seltene Erden. Bedrohung oder Chance? Manche sehen in der Förderung der Bodenschätze eine willkommene Einkommensquelle, die es Grönland endlich ermöglichen würde, die Unabhängigkeit von Dänemark durchzusetzen. Andere sehen ihre Heimat und ihre Lebensgrundlage durch die Ansiedlung großer Industrien, die mit schweren Umweltzerstörungen einhergehen werden, bedroht oder befürchten den Ausverkauf des Landes an ausländische Investoren. Der italienische Journalist Marzio Mian hat mit Journalisten aus Italien, den USA und England die Non-Profit-Organisation "The Arctic Times" gegründet, die sich die Berichterstattung über die Arktis auf die Fahnen geschrieben hat. Über zehn Jahre hat er für sein Buch "Die neue Arktis. Der Kampf um den hohen Norden" recherchiert. Narsaq ist für ihn beispielhaft für das Dilemma, das der Klimawandel für die Arktis bedeutet. Und auch für uns: Denn die seltenen Erden, deren Förderung in Grönland die Umwelt zerstören würde, werden hierzulande für die Produktion vieler Umwelttechnologien - zum Beispiel E-Autos - benötigt.

Der alltägliche Rassismus

Alice Hasters über ihre Erfahrungen

Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten
Quelle: Hanser Literaturverlage

'Mischling'? 'Café au Lait'? 'Halbschwarze'? Wie nennt man eine Frau, die eine afroamerikanische Mutter und einen weißen, deutschen Vater hat? Es gibt kein angemessenes deutsches Wort. Alice Hasters nennt sich daher "mixed". Die 30-jährige Journalistin und Autorin hat ein Buch geschrieben: "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" heißt es. Darin klärt Hasters anhand ihrer Biographie über die gängigen Rassismen in Deutschland auf. Und darüber, dass Viele ihre rassistischen Kommentare keinesfalls als solche sehen möchten und sich schnell in die Nazi-Ecke gestellt sehen. Über das Aufwachsen einer Frau, die in Köln-Nippes geboren wird, dort zur Schule geht, später in München studiert und über die Fragen, die ihr tagtäglich gestellt werden: Woher kommst du? Also woher kommst du eigentlich? Darf ich mal deine Haare anfassen? Kannst du eigentlich Sonnenbrand bekommen? Ein Gespräch mit Alice Hasters über Mikro-Aggressionen, positiven Rassismus - und wie das alles besser werden könnte.

Gast und Musik im Studio

Hayden Thorpe
Quelle: Broomberg & Chanarin

Auf der aspekte-Bühne: Hayden Thorpe am Flügel mit "Diviner"

Im Gespräch: Schriftsteller Ocean Vuong

Shooting-Star Ocean Vuong

Der Schriftsteller zu Gast im Studio

Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios
Quelle: Hanser Literaturverlage

Er war ein No Name, ein literarischer Underdog: Ocean Vuong, 1988 in Saigon geboren, kam als Zweijähriger mit Mutter und Großmutter in die USA. Bis zu seinem elften Lebensjahr konnte er aufgrund einer ererbten Legasthenie kaum lesen. Doch zehn Jahre später studierte er Englisch am Brooklyn College und veröffentlichte seit 2010 Gedichte. Vor zwei Jahren erhielt er sogar den hochrangigen englischen T. S. Eliot Prize - dennoch war sein Name nur Eingeweihten bekannt. Heute ist Ocean Vuong der Shootingstar der amerikanischen Literatur. Sein Debütroman "Auf Erden sind wir kurz grandios" erzählt die ewige Geschichte von Krieg, Flucht und Fremde. "Unsere Muttersprache zu sprechen heißt, nur teilweise auf Vietnamesisch zu sprechen, aber ganz auf Krieg", sagt er. Vuong verwebt seine Familiengeschichte mit seinen Romanfiguren - in Form eines Briefs, den der Sohn an die Mutter schreibt, um die eigene Geschichte zu verstehen. Ein Einwandererschicksal, ein Leben an den Rändern - "schmerzhaft, toxisch, unterbezahlt" nennt es der Autor. Nie wird die Mutter die Sprache der mächtigen USA verstehen. Sie arbeitet in einem der unzähligen Nagelstudios, typisch für Amerikas Vorstädte. Pflegt Hände und Füße der Kunden und bleibt doch immer eine Fremde. Ihr familiärer Alltag mit Sohn und Großmutter ist geprägt von Gewalt, Sprachbarrieren und Sprachlosigkeit. Die Angst, die Liebe, das Leben, gar sich selbst zu verlieren – sie ist allgegenwärtig. Ocean Vuong rebelliert dagegen – überraschend und schmerzhaft offen. Unterwerfung als Aufbegehren – das hat im testosterongetriebenen, latent gewaltbereiten Amerika noch kein Schriftsteller gewagt. Das kommt an. Es ist die subtile Kampfansage des queeren Schriftstellers an die Feinde der Vielfalt, an Spießer und Rassisten. Ocean Vuongs Roman ist auch die literarische Abrechnung mit dem 'American Dream'. Für die Mutter aus Vietnam ist er nie wahr geworden: "Du und ich, wir waren amerikanisch, bis wir unsere Augen öffneten."

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück

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