aspekte am 21. Juli 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte am 21. Juli 2017

Dokufilm "Weit" über eine Weltreise - Der Überrraschungshit des Sommers, Der Roman „American War“ - Apokalyptische Szenen der Zukunft, Strebermigranten - Wie geht erfolgreiche Migration?, Regisseur Barrie Kosky in Bayreuth - Meistersinger zur …

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.07.2018, 22:55

Dokfilm "Weit" über eine Weltreise

Der Überrraschungshit des Sommers

Dreieinhalb Jahre waren sie unterwegs, durch 38 Länder. 96.700 Kilometer. "WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt" heißt ihr Film von dieser Reise, 130 Kinominuten, die sich durch MundzuMund-Propaganda seit Wochen in den Kinos halten und dabei immer mehr Publikum mitnehmen. Denn der unverstellte Film von einem jungen Paar aus Freiburg, das einfach so um die Welt reist, mit fünf Euro Budget pro Tag, ohne Flugzeug, ohne eigenes Fahrzeug, mit nichts weiter als dem Campingzeug auf dem Rücken und der Bereitschaft, anzupacken, wo etwas anzupacken ist, schafft etwas Großartiges: Er gibt uns das Vertrauen in die Welt zurück, in fremde Menschen, Hilfsbereitschaft, Wärme, Lachen, Musik, in Neugier und die Lust am Entdecken. Natürlich hat das zuallererst mit den beiden Protagonisten zu tun, der 20-jährigen Gwen(dolyn) und dem neun Jahre älteren Patrick, die so positiv auf die Welt schauen, dass sie genau dieses Echo in ihrem Gegenüber auslösen - ob nun in den Weiten Kasachstans, in den Sandwüsten des Iran, im Hochgebirge Pakistans oder im eigentlich tramperfeindlichen Japan. Zur Halbzeit kommt in Mexiko – ungeplant, aber freudig begrüßt – ein Baby dazu, ändert Tempo und Verlauf der Reiseroute, aber nichts am Prinzip: Sich behutsam diese Welt anzuschauen, vor allem die Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise leben und sich doch erstaunlich ähneln in ihrer Freundlichkeit. Eine beruhigende Botschaft in unruhigen Zeiten.

Gast & Musik im Studio

Im Gespräch: Emilia Smechowski & ihr Buch "Wir Strebermigranten"; Live: Thomas Dybdahl mit "Like Bonnie & Clyde"

Der Roman "American War"

Apokalyptische Szenen der Zukunft

Omar El Akkad: "American War"
Quelle: S. Fischer

Die Vereinigten Staaten im Jahr 2075: Wieder kämpfen Nordstaaten gegen Südstaaten, ein Zweiter Bürgerkrieg, ausgelöst durch den Kampf um das Verbot fossiler Brennstoffe. Amerika ist nicht größer sondern kleiner geworden, der Meeresspiegel drastisch angestiegen, New York und Florida sind versunken. Katastrophen der Gegenwart konsequent in die Zukunft gedacht. Was geschieht, wenn Klimaveränderungen und Kriege Amerika erreichen? Im Mittelpunkt des Romans "American War" von Omar El Akkad (hier im aspekte-Interview) steht die Familie Chestnut. Als der Vater getötet wird, flieht die 6-jährige Sarat mit ihrer Mutter und den Geschwistern vom Mississippi in den Norden. Die Jahre im Flüchtlingscamp, Krieg und Terror verändern sie: aus dem neugierigen und klugen Mädchen wird eine erbarmungslose Kämpferin. Wie Krieg und Umweltzerstörung auch den Menschen zerstören - das ist das zentrale Thema des Romans. Der Autor, selbst viele Jahre als Kriegsreporter im Mittleren Osten und Afghanistan unterwegs, hinterfragt die aktuellen Krisen, indem er sie in die Zukunft und nach Amerika projiziert. Was wäre, wenn die Ereignisse, die weit weg von uns sind, hier passieren würden?

Strebermigranten

Wie geht erfolgreiche Migration?

Deutschland, einige Wochen vor der Bundestagswahl. Eine der brennenden Fragen dabei: Wie gelingt die Integration von hunderttausenden Flüchtlingen? Was müssen sie tun, um hier anzukommen, ihren Platz zu finden, zu gefallen oder: um nicht aufzufallen? "Ich bin wer, den du nicht siehst", so beschreibt die Autorin Emilia Smechowski sich und die zwei Millionen anderen polnischen Aussiedler in Deutschland. Polen gelten als die Integrations-Champions, sind deutscher als die Deutschen, weswegen Smechowski in ihrem gleichnamigen Buch auch von "uns Strebermigranten" spricht. Ganz anders die ghanaische Schauspielerin Dayan Kodua, die es als Miss Schleswig-Holstein kürzlich sogar bis in den Tatort geschafft hat und auch deswegen als eines der wenigen schwarzen Role-Models gilt. Ihr Appell an junge Afro-Deutsche: "Du kannst es schaffen! Verstecke dich nicht hinter deiner Herkunft!" Für den palästinensischen SPD-Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh aus Berlin Spandau beginnt Integration dann, wenn die Leute ihren Koffer auspacken und wenn wir klar definieren, in welche Werte wir eigentlich integrieren. Der Mann, der von sich sagt, seine Herkunft gehöre zu ihm, vor allem aber sei er Sozialdemokrat und wie ein Preuße, hat gerade mit seinem Buch "Ich Deutsch!" einen erfrischenden migrations-erfahrenen Beitrag zur Leitkulturdebatte hinzugefügt.

Buchtipps zur Leitkulturdebatte

Regisseur Barrie Kosky in Bayreuth

Meistersinger zur Festspieleröffnung

Jetzt ist auch noch Barrie Kosky in Bayreuth gelandet. Bayreuth bekommt sie also alle. Denn eigentlich wollte der jüdische Opernregisseur Barrie Kosky Wagner nicht mehr inszenieren. Doch als die Festspiele ihm ausgerechnet die "Meistersinger", Wagners nationalistische Oper anboten, nahm er das als Herausforderung. Wie wird Kosky, der für eine geniale Wiederbelebung der Operettentradition steht, sich an diesem Werk abarbeiten? Kurz vor der Premiere beobachtet aspekte ihn auf der Probebühne und spricht mit ihm über die Faszination Bayreuth.

TV-Tipp: 3sat sendet am Freitag, den 28. Juli, um 20:15 Uhr die "Meistersinger" aus Bayreuth

Marcel Duchamp und sein Pissoir

Fountain und die Frage ‚Was ist Kunst‘

"Fountain" von Marcel Duchamp
"Fountain" von Marcel Duchamp Quelle: dpa

2499 Kunstwerke wurden 1917 auf der Ausstellung der "Society of Independent Artists" in New York gezeigt. Doch ausgerechnet eines, das nicht gezeigt wurde, weil abgelehnt, ist noch in Erinnerung: "Fountain" von Marcel Duchamp. Erst über die Jahrzehnte wurde das Pissoir berühmt, landete im Museum und machte Marcel Duchamp zum einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die bohrende Frage bleibt bis heute: Wie kann ein Pissoir Kunst sein? Seit Duchamps "Ready made" - Erfindung muss ein Kunstwerk nicht mehr gemalt, gestaltet oder als Kunstwerk hergestellt sein. Sondern Kunst ist alles, von dem der Künstler/die Künstlerin behauptet, es sei Kunst. Punkt. Dieser Gedanke provoziert auch 2017 manche Zeitgenossen noch wie am ersten Tag. Und das Objekt der Erregung kann "Mann" heute nicht mehr benutzen, ohne an Duchamp zu denken. (The Fountain-Archives von Saâdane Afif)

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