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aspekte vom 21. September 2018

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 21. September 2018

Das Leben vor dem Tode - Forensische Spurensuche; Heldin in Haft - Drama um eine Seenot-Retterin; Eine geheime Bibliothek in Syrien - Bücher sammeln aus Ruinen; Mit der Faust in die Welt schlagen: Fulminanter Debütroman aus Sachsen; Live: Samy Deluxe

Beitragslänge:
37 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.09.2019, 23:00

Heldin in Haft

Drama um eine Seenot-Retterin

Sie sind die Heldinnen der Flüchtlingskrise: die syrischen Schwimmerinnen Yusra und Sarah Mardini. Bei ihrer Flucht über das Mittelmeer schwammen sie über drei Stunden neben ihrem Schlauchboot, bei dem der Motor ausgefallen war, und hielten es auf Kurs. In Berlin begann Yusra wieder mit dem Schwimmen, nahm an den Olympischen Spielen in Rio teil und schrieb ein Buch. Ihre Geschichte wird von Stephen Daldry verfilmt. Nun hat das Heldenepos eine unerwartete Wendung genommen: Sarah, die in Berlin studiert, war als Seenotretterin auf Lesbos, um dort Geflüchteten zu helfen. Gemeinsam mit einem jungen Deutschen-Iren wurde sie verhaftet. Der Vorwurf: Spionage und Mitgliedschaft in einem illegalen Netzwerk für Flüchtlingshilfe. Nun sitzt sie in Athen im Gefängnis. Wie ist sie da reingeraten? Wird sie zur Symbolfigur einer Politik, die Seenotretter kriminalisiert und vor Hilfe abschrecken soll?

Die Bücher der Sendung

Eine geheime Bibliothek in Syrien

Bücher sammeln aus Ruinen

Daraya, ein Städtchen unweit von Damaskus und vor der Rückeroberung durch die Truppen Assads jahrelang vom Krieg verheert, beherbergte inmitten von Bomben, Terror und Verzweiflung für knapp zwei Jahre einen außergewöhnlichen Ort: eine Bibliothek mit über 15.000 Büchern - darunter viele vom Regime Assads verbotene. Die französische Journalistin Delphine Minoui erzählt in "Die Geschichte einer geheimen Bibliothek in Syrien" von den jungen Syrern, die ihr Leben riskierten, um Bücher aus dem Schutt zerstörter Häuser zu retten. Die geheime Bibliothek wurde zu einer Oase, einem Ort der Gemeinschaft, an dem Menschen lesen, lernen, diskutieren konnten - und für kurze Zeit der brutalen Realität des Krieges entkamen. Heute ist sie zerstört und Daraya eine Geisterstadt. Die jungen Leute, die die Bibliothek betrieben, sind geflüchtet. Einige ins türkische Exil, andere nach Idlib – der letzten Bastion der 'Rebellen'. Ein Angriff Assads und seiner Verbündeten steht dort kurz bevor.

Das Leben vor dem Tode

Forensische Spurensuche

Dame Sue Black
Dame Sue Black
Quelle: David Gross

Dame Sue Blacks Leben ist der Tod. Sie ist Schottin, Anatomin und eine der bedeutendsten forensischen Anthropologinnen weltweit. Ihre Fachkompetenz hat entscheidend zur Lösung vieler berühmter Kriminalfälle beigetragen, zudem war sie im Einsatz für die Vereinten Nationen im Kosovo, in Sierra Leone und - nach der Tsunamikatastrophe - in Thailand. Wann immer es ihre Zeit zulässt, berät sie Krimiautoren wie Val McDermid oder Lee Child. Black ist eine der wenigen Expertinnen im Bereich der Personenidentifizierung über besondere Hautmuster der Fingerknöchel und anderer Bereiche der Hand. Diese Analysen sind oft die einzige Identifizierungsmöglichkeit in Pädophilen-Fällen. Ihre Arbeit hat zur Überführung von pädophilen Straftätern in 27 Fällen geführt. Wenn die Professorin für Anatomie und forensische Anthropologie nun über den Tod schreibt, bietet sie keine tröstenden Plattitüden. Stattdessen porträtiert sie die verschiedenen Gesichter des Todes, die sie kennengelernt und erforscht hat. Ihr Buch "alles was bleibt" rekonstruiert, wie in der Forensik üblich, ausgehend vom Tod die Geschichte von gelebten Leben. Diese unsentimentale Begegnung mit dem Tod will vermitteln, dass wir den Tod nicht fürchten sollen, sondern ihn als integralen und notwendigen Teil des Lebens bewusst akzeptieren und annehmen. Oder wie T.S. Eliot in "East Coker" schreibt: "In meinem Anfang liegt mein Ende, in meinem Ende liegt mein Anfang."

Vor dem Anfang

Das Romandebüt des Schauspielers Burghart Klaußner

Expressive Charaktere und feinsinnige Persönlichkeiten - Burghart Klaußner wechselt in seinem Spiel mit einer Leichtigkeit, die beeindruckt. Er spielt seine Rollen nicht nur, er lebt sie. Klaußner gehört zu den großen Charakterdarstellern auf der Bühne und im Film. Akribische Rollenvorbereitung und sprachliche Brillanz brachten ihm spätestens seit Michael Hanekes "Das weiße Band" 2009 internationalen Ruhm ein - seine Verkörperung des bigotten Pfarrers ist meisterhaft authentisch. Oft spielt er herausragende historische Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit - wie Generalstaatsanwalt und Nazi-Jäger Fritz Bauer oder - im nächsten Fernsehfilm - Bertolt Brecht. Auch sein literarisches Debüt "Vor dem Anfang" hat er in die letzten Kriegstage gelegt. Zwei Soldaten haben in Berlin einen Auftrag zu erledigen. Sie desertieren und versuchen sich auf ein Segelboot auf den Wannsee zu retten. Unprätentiös, tragischkomisch ringt Klaußner seinen Figuren Normalität ab, verarbeitet nebenbei auch die eigene Familiengeschichte. Und das Schreiben geht weiter: Im nächsten Jahr ist Burghart Klaußner für mehrere Monate Stipendiat in der frisch renovierten Thomas-Mann-Villa in Los Angeles.

Gast und Musik im Studio

Samy Deluxe
Samy Deluxe
Quelle: Universal

Auf der aspekte-Bühne: Samy Deluxe mit "Flagge hissen"

Im Gespräch: Schauspieler Burghart Klaußner mit seinem Debüt-Roman "Vor dem Anfang"

Mit der Faust in die Welt schlagen

Fulminanter Debütroman aus Sachsen

Lukas Rietzschel, gerade einmal 24 Jahre alt, hat ein fulminantes literarisches Debüt vorlegt – und angesichts der erschreckenden Ereignisse von Chemnitz nach Ansicht mancher Kritiker "den Roman der Stunde" geschrieben: "Mit der Faust in die Welt schlagen". Die Geschichte spielt in der Lausitz, tief im Osten, tief in der Provinz. Sie setzt ein im Jahr 2000. Elf Jahre sind seit der Wende vergangen. Die Eltern von Tobi und Philipp scheinen es geschafft zu haben – sie bauen ein eigenes Haus für die kleine Familie. Sie sind nicht in den Westen gegangen, haben trotzdem den Anschluss an die neue Zeit gefunden. Und doch ist der Ton des Romans trüb und grau. Die beiden Jungen sind verloren in einer Welt, die sie nicht verstehen, in der ihnen keiner Antwort auf ihre Fragen gibt und schon gar nichts erklärt. Was bedeutet "Jude"? Dieses fremde Wort, das Philipp auf dem Pausenhof als Schimpfwort aufschnappt. Warum machen die Erwachsenen so ein Gewese um ein dahin geschmiertes Zeichen auf einem Stein? Keiner spricht mit den Kindern darüber. Aber ständig hören sie, wie die Erwachsenen schimpfen, sich beschweren - erst über die Sorben, die angeblich viel mehr Geld haben als alle anderen, und dann über die Ausländer, die man hier nicht haben will. Zukunft? Perspektive? Die scheint es nicht zu geben - nicht für die Generation der Eltern und ebenso wenig für die Kinder, deren Lebensweg Lukas Rietzschel bis ins Jahr 2015 folgt. Da sind sie selbst junge Erwachsene und längt in die rechte Szene gerutscht. Der Ältere eher ein Mitläufer, der Jüngere bewusst und radikal. Rietzschel kommt aus der Gegend, in der sein Roman spielt, ist wie seine Protagonisten in den 90er Jahren geboren, kennt ihre Lebensumstände. Wahrscheinlich ist ihm "Mit der Faust in die Welt schlagen" auch deshalb so atmosphärisch-dicht gelungen.

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