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aspekte vom 21. Februar 2020

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Auftakt der 70. Berlinale - Stars, Filme, Kontroversen; Wenn Lehrer Grenzen überschreiten - Vorwürfe gegen Berliner Ballettschule; Zu Gast: Nina Hoss und Lars Eidinger mit ihrem Film "Schwesterlein"; Live: Silbermond

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36 min
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22.02.2020
Video verfügbar bis 22.02.2021

Auftakt der 70. Berlinale

Stars, Filme, Kontroversen, Schweigen

Die Berlinale 2020 beginnt ernst - mit einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer in Hanau. Trauern und Feiern - dieser Widerspruch bestimmte den Auftakt der 70. Berliner Filmfestspiele. Es ist ein ein rundes Jubiläums-Festival und zugleich ein Neuanfang, denn es gibt eine neue Leitung der Berlinale. Ein erster Eindruck: alles ein bisschen wie immer, der Trubel, die Hitze im Kinosaal - und alles anders: – und natürlich die Stars, auf die man hier alle Jahre wieder voller Spannung wartet. Sigourney Weaver gehört diesmal zum Hollywood-Aufgebot. Starbesetzung auch in der Wettbewerbs-Jury: Ihr Präsident ist in diesem Jahr der britische Oscar- und Globe-Preisträger Jeremy Irons. Und auch Johnny Depp kommt nach Berlin – sehnsüchtig erwartet von seinen Fans. Mit seinem neuen Film ist er beklemmend nah dran an einer geheimnisvollen Krankheit, die an das aktuelle Corona-Virus erinnert: Es geht um die "Minimata"-Seuche, die in den 50er Jahren in Japan grassierte.

Mit der Niederländerin Mariette Rissenbeek und dem Italiener Carlo Chatrian gibt es einen Führungswechsel an der Spitze des Filmfestivals in nicht ganz einfacher Zeit. Wegen des Corona-Virus‘ haben einige Filmschaffende – aus China vor allem – abgesagt. Aber auch die Geschichte der Berlinale wirft düstere Schatten – ausgerechnet im Jubiläumsjahr. Plötzlich stellt sich die Frage, ob die Berlinale vor 70 Jahren von einem Nazi gegründet wurde: Als die Berliner Filmfestspiele 1951 starteten, ging im schillernden Glanz von Stars wie Sophia Loren irgendwie unter, dass der Mitbegründer der Berlinale – Alfred Bauer – nicht nur SA-Mann und Mitglied der NSDAP, sondern auch Nummer Drei in Goebbels Nazifilm-Hierarchie war.

Der Neuanfang des Festivals wird vor allem greifbar bei "Encounters", dem neu geschaffenen Preis der Berlinale. "Encounters" - der sogenannte "kleine Wettbewerb". 15 Filme, die spielerischer, experimenteller, spröder sein dürfen. Ein Glücksfall unter den "Encounter"-Filmen: Der Debütfilm "Nackte Tiere" von Melanie Waelde – ein toller Erstling. Die Berlinale 2020: Ein radikaler Neuanfang? Oder doch eher ein 'Weiter so' mit Stars und Sternchen? Zu früh für ein Urteil, das Festival geht ja erst los.

Deutschsprachige Filme im Wettbewerb

Das Rennen um den Goldenen Bären

Das ist durchaus eine Überraschung – da ist die Berlinale zum ersten Mal unter internationaler Leitung und dennoch ist der deutschsprachige Film mit gleich drei Beiträgen im Wettbewerb vertreten. Alte Bekannte wie Christian Petzold sind ebenso dabei wie Vertreter der jüngeren Regiegarde, darunter Burhan Qurbani und das schweizerische Regieteam Stéphanie Chuat und Véronique Reymond. Alle drei Filme haben Berlin als Ausgangspunkt für ihre Erzählung. Der Regisseur Qurbani interpretiert in seinem Wettbewerbsbeitrag "Berlin Alexanderplatz" Alfred Döblins Klassiker aus den 1920er Jahren neu und versetzt die Handlung ins Hier und Jetzt. Christian Petzold holt mit "Undine" eine alte Sage in die Gegenwart: Die der verratenen Wasserfrau und ihrer verlorenen Liebe. Bei Petzolds wird die mythische Figur zu einer Berliner Stadthistorikerin, die ihrem Schicksal zu entkommen versucht. Mit "Schwesterlein" konkurriert der dritte deutschsprachige Film um einen Bären. Die Schauspielstars Nina Hoss und Lars Eidinger sind darin Zwillinge, er Schauspieler an der Berliner Schaubühne, sie Theaterautorin in der Schweiz. Er erkrankt an Leukämie, sie möchte ihn retten. Sie riskiert ihre Beziehung, ihr Leben für seins, das zu Ende zu gehen droht.

Gast und Musik im Studio:

Nina Hoss und Lars Eidinger sprechen mit Katty Salié über die Jubiläums-Filmfestspiele unter neuer Leitung und über ihren Wettbewerbsfilm "Schwesterlein".

Silbermond
Die Band Silbermond
Quelle: dpa

Auf der aspekte-Bühne: Silbermond mit "Mein Osten"

Hanau: Verbaler Hass und die Folgen

Extremes Gedankengut und die Verantwortung der Rechten

Der Täter von Hanau veröffentlichte auf seiner Website eine irrsinnige Erklärung gespickt mit Rassismus und Verschwörungsmythen. Eine psychopathologische Geisterbahn auf 24 Seiten. Kulturwissenschaftler Joseph Vogl erkennt darin "eine Verknüpfung zwischen einer traurigen psychologischen Motivlandschaft auf der einen Seite und einer sehr weitläufig ausgebreiteten politischen Weltlage, die im Wesentlichen von Verschwörung, von Krieg, Aggression und Vernichtung gekennzeichnet ist." Extremes Gedankengut – die äußere Zuflucht für einen offenbar tief im Wahn phantasierenden Mann. "Was er im Kopf hat, ist übersetzt und radikalisiert das, was ich ständig von den rechten Teilen der AfD lese, und die dominieren im Moment die Partei", so der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke. Verbaler Hass wird Tag für Tag, Jahr für Jahr gesellschaftsfähiger - im Internet, in Parlamenten, auf der Straße. Das ist Rückenwind - für Rassisten wie auch rassistische Psychopathen. Kulturwissenschaftler Vogl: "Ich glaube, die Geschichte hat uns gezeigt, dass es nicht sehr viel mehr braucht als eine durchschnittliche deutsche, womöglich humanistische Erziehung, um zum Massenmörder zu werden."

Erfurter Kunstszene nach dem "Beben"

Wie gespalten ist das Land?

Erfurt, Landeshauptstadt und "Venedig des Ostens", wo Luther im Dom zum Priester geweiht wurde. Vor dem Björn Höcke 2015 eine "multikulturelle Revolution" behauptete, die angeblich "die Geschichte unseres (deutschen) Volkes beenden" solle. Erfurt wurde zum Symbol einer Grenzverletzung im Umgang mit der Demokratie. Die Partei, deren Ziel es ist, wie Björn Höcke bei einer Pegida-Demonstration in Dresden sagte, die "sogenannte Zivilgesellschaft trockenzulegen", versucht, die deutsche Gesellschaft auch in der bürgerlichen Mitte zu spalten. Wie gestaltet sich das alltägliche Miteinander aus der Perspektive von Kunstschaffenden und kulturell engagierten Bürgern in Erfurt? Das Kunsthaus Erfurt existierte schon in DDR-Zeiten. Früher im Visier der Stasi, heute auf der Liste rechtsradikaler Angriffe. Ein Ort von Kunst- und Meinungsfreiheit. Genau wie das gerade entstehende "Kulturquartier". Was können Kunst und Kultur im Alltag für die Verständigung zwischen unterschiedlichen Meinungen tun? aspekte fragt einen jungen Maler, eine Fotokünstlerin und einen Architekten. Eine Momentaufnahme

Wenn Lehrer Grenzen überschreiten

Vorwürfe gegen Berliner Ballettschule

Seit Jahrhunderten fasziniert das klassische Ballett mit seiner Perfektion. Aber was bedeutet die Präzision und Makellosigkeit für die Tänzer? Der Traum vom Tanz ist immer auch die Dressur des Körpers. Wie weit darf dieser Drill gehen? In Berlin gibt es schwere Vorwürfe gegen die Staatliche Ballettschule: von Kindeswohlgefährdung, Übergriffen und einer Kultur der Angst ist die Rede. Eine ehemalige Schülern und ihre Mutter sprechen mit uns darüber. Die Aufklärungsarbeit beginnt erst, doch Berlin ist kein Einzelfall: An der Ballettakademie in Wien stellte eine Sonderkommission im Dezember strukturelle Missstände fest, es geht um Erniedrigungen und Misshandlungen. Schülerinnen und Schüler berichten von Beleidigungen, körperlichen und psychischen Quälereien, Lehrkräfte wurden entlassen.

Mädchen beim Balletttraining
Quelle: colourbox.de

Woher rühren die immer wieder auftauchenden übergriffigen Verhaltensweisen? Fest steht: Klassisches Ballett ist ein Hochleistungssport, eine elitäre Kunstform, deren Bewegungsformen jahrelanges Training über körperliche Grenzen hinaus erfordern. Ist eine solche Schinderei noch mit der Lebensart des 21. Jahrhunderts zu vereinbaren? Genau das wird auf der alle zwei Jahre stattfindenden Biennale zur Tanzausbildung kommende Woche in Hamburg zu diskutieren sein: John Neumeier erklärt, dass Ballettschüler heute mehr leisten müssen als früher, doch die Menschlichkeit stehe im Vordergrund. Wie reagieren andere große Ausbildungsstätten in Deutschland auf die Vorwürfe in Berlin? Über die Konsequenzen, die aus den Vorfällen in Wien und Berlin gezogen werden müssen und über die Entwicklung des klassischen Balletts sprechen wir auch mit der Tanzexpertin Dorion Weickmann sowie der Tanzpädagogin Susanne Triebel sowie einer Schülerin aus John Neumeiers Abschlussklasse.

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück
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