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aspekte vom 22. November 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

"A rainy day in New York" - der neue Woody Allen; Nordic Noir - Krimi-Autor Thomas Engström; Preisverdächtig - der neue soziale Wohnungsbau; Covergirl mit 98 - Mode-Ikone Iris Apfel; Live: Arcis Saxophon Quartett

Beitragslänge:
38 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.11.2020

"A rainy day in New York"

Der neue Woody Allen

Ist auch seine Zeit vorbei? Mit der #MeToo-Bewegung kamen auch Missbrauchsvorwürfe gegen Woody Allen von vor 27 Jahren wieder hoch. Er soll im Jahr 1992 seine Adoptivtochter sexuell missbraucht haben. In den USA ist Woody Allen zur Persona non grata geworden. Sein neuer Film "A Rainy Day in New York" wird dort nicht gezeigt. Die mächtigen Amazon Studios kündigten einen Vertrag über vier Filme mit dem Regisseur auf, unvermarktbar sei er geworden. Woody Allen klagte auf Schadensersatz. Inzwischen hat man sich finanziell geeinigt. Auch seine Autobiografie will kein Verlag drucken - Woody Allen gilt als "toxisch". In Europa kommt "Rainy Day" zwar in die Kinos, aber keiner der Schauspieler will den Film bewerben. Hauptdarsteller Timothée Chalamet und drei weitere spendeten ihre Gage an Organisationen für Vergewaltigungs- und Missbrauchsopfer. Früher rissen sich die Stars darum, in seinen Filmen mitzuspielen - heute distanzieren sie sich reihenweise, wollen nicht mehr mit ihm drehen. Woody Allen beteuert seine Unschuld - und seine Adoptivtochter Dylan bis heute ihre Version. Gegen Allen wurde nie Anklage erhoben, neue Beweise gibt es nicht. Wie in einer griechischen Tragödie steht Aussage gegen Aussage - was bleibt, ist eine zerbrochene Familie. Allens neuer Film aber ist wieder eine romantische Komödie, die nostalgisch New York verklärt. Eine junge Studentin himmelt naiv ältere Männer im Filmgeschäft an und ihr Freund findet die "Richtige". Woody Allen-Fans bekommen, was sie erwarten. Und den nächsten Film hat er schon abgedreht - in Europa hat er noch Geldgeber gefunden.

Preisverdächtig

Der neue soziale Wohnungsbau

Modell Reihenhaussiedlung

Es ist eine Sensation in der Architekturwelt: In England hat ein Projekt für sozialen Wohnungsbau den renommierten Stirling Prize gewonnen. Ausgezeichnet wird die Goldsmith Street in Norwich, eine von der Kommunalverwaltung in Auftrag gegebene Reihenhaussiedlung. Nach Jahrzehnten, in denen der soziale Wohnungsbau in England so gut wie brach lag und die Wohnungskrise immer schlimmer wurde, hat dieses Signal aus der englischen Provinz weltweit Beachtung gefunden. Und wie sieht es in Deutschland aus? Von der Idee, die hier am Beginn der Moderne von Walter Gropius und Bruno Taut geboren wurde – nämlich hochwertige Baukultur mit kleinen Budgets zu verbinden - ist nichts mehr übrig. Der Staat hat sich aus dem sozialen Wohnungsbau verabschiedet. Die Sozialwohnungen, die noch gebaut werden, unterliegen einer "temporären Belegungsbindung". Das heißt, nach 20 Jahren stehen sie dem freien Markt zu Verfügung - nachgebaut wird meistens nicht. Die Architektursoziologin Christine Hannemann nennt die Lage "demokratiegefährdend". Städte, so Hannemann, seien zu "begehbaren Investmentfonds" geworden. Zeit umzudenken, sagt auch der Augsburger Stararchitekt Titus Bernhard. Er, der bisher Millionärsvillen gebaut hat, plant nun in Augsburg den Paradigmenwechsel. Gemeinsam mit der städtischen Wohnbaugruppe baut er 160 Wohnungen, die nach dem Prinzip einkommensgestaffelter Miete vergeben werden sollen. "Ein Architekt kann das", sagt Bernhard. "Grandiose Häuser für wenig Geld bauen."

Gast und Musik im Studio

Im Gespräch: Christoph Ingenhoven, Architekt

Auf der aspekte-Bühne: Arcis Saxophon Quartett

Cover-Girl mit 98

Die Mode-Ikone Iris Apfel

Iris Apfel
Quelle: ZDF

Sie bezeichnet sich selbst als den "ältesten Teenager der Welt": die 98-jährige New Yorkerin Iris Apfel. Auch heute saugt sie noch alles "wie ein Schwamm" auf, was mit Mode, Schmuck und Accessoires zu tun hat. Spätestens seit das Metropolitan Museum 2005 eine Ausstellung von Outfit-Kombinationen und Schmuck der ehemaligen Innenausstatterin und Unternehmerin zeigte, nennt man Iris Apfel eine Stil-Ikone - denn was sie trägt, fällt auf. Über Nacht wurde sie mit dieser Ausstellung berühmt, heißt es. Was sie meist mit den Worten kommentiert: "Das kann schon sein, aber diese Nacht dauerte 70 Jahre." Egal, ob es sündhaft teure Roben bekannter Designer wie Oscar de la Renta oder Balenciaga sind oder ungewöhnliche Vintage-Stücke vom Flohmarkt - die Art und Weise, wie sie die verschiedensten Teile kombiniert, wird mittlerweile als Kunstform angesehen. Ihre extravaganten Looks sind schon lange legendär und nicht selten Inspiration für Modedesigner. Iris Apfels Devise ist nicht: "Weniger ist mehr", sondern "Mehr ist mehr", weil "weniger langweilig ist". Wo Iris Apfel mitmischt, triumphiert Stil über Mode und Trends und das Individuum über das Kollektiv.

Eine Frau der Extreme

Die Sopranistin Marlis Petersen

Marlis Petersen
Quelle: ZDF

Sie mag die Extreme. Und sie mag es auch, tief in die Psyche ihrer Figuren einzudringen: Marlis Petersen. Im Sommer hatte die Sopranistin in München an der Bayerischen Staatsoper als Salome einen sensationellen Erfolg. Gerade steht sie hier wieder auf der Bühne, probt Erich Wolfgang Korngolds Oper "Die Tote Stadt". Die weibliche Hauptfigur, Marietta/Marie, hat Marlis Petersen an ihre Grenzen gebracht. Stimmlich. Das sagt sie selbst. Die 51-Jährige liebt solche Herausforderungen. Sie ist abonniert auf Frauenrollen, die einen Schrecken haben: Frauen, die nicht nett und liebevoll sind, starke Frauen mit Tiefe - keine Püppchen, sondern verwegene Luder. In dieser Saison ist Marlis Petersen auch "Artist in Residence" bei den Berliner Philharmonikern. In ihrer bisherigen Karriere faszinierte die Koloratursopranistin mit ihrer kristallklaren Stimme und ihrer Bühnenpräsenz. Doch die Stimme ist über die Jahre lyrischer geworden, behäbiger, aber auch runder. So musste sie Abschied nehmen, auch von geliebten Rollen wie der Königin der Nacht. Das war hart für sie. Doch ihre Stimme wollte einfach nicht mehr rauf in die Extremlagen. Zu ihren Paraderollen gehörte lange auch die Lulu von Alban Berg. Noch so eine "femme fatale". Auch diese hat sie abgelegt. Die Rolle hat ihr einiges abverlangt, sagt die Sopranistin. Sie hat Spuren hinterlassen. 18 Jahre lang hat sie die Lulu gesungen. Das Dunkle und Abgründige, die Brutalität hat abgefärbt auf sie. Davon wollte sie bewusst Abstand gewinnen. Mit der Marietta öffnet sie sich eine neue Frauenseele. Ende November wird sie an der Seite von Jonas Kaufmann in der "Toten Stadt" zu sehen sein. Premiere ist am 18.11.2019.

Nordic Noir

Kult-Krimi-Autor Thomas Engström

Thomas Engström: "West of Liberty"
Quelle: Random House

Der schwedische Schriftsteller Thomas Engström schreibt mit seinem Buch "West of Liberty" das klassische Genre des Spionageromans fort. Der Protagonist Ludwig Licht war zu DDR-Zeiten ein Doppelagent - er hat für die Stasi und die CIA gleichzeitig gearbeitet. Heute lebt er als Barbesitzer in Berlin-Kreuzberg - und macht sich im Auftrag der CIA auf die Suche nach dem untergetauchten Kopf einer global agierenden Whistleblower-Vereinigung. "West of Liberty" wurde vom ZDF in einer internationalen Produktion verfilmt - mit Wotan Wilke Möhring und Lars Eidinger in den Hauptrollen. (Sendedatum 24.11.2019) Wir haben Thomas Engström in Berlin getroffen und an den Spielorten des Romans interviewt.

Stab

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück
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