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aspekte vom 23. August 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Von Menschen und Herrenmenschen - Kolonialismus und seine Folgen; Fashion made in Africa - Der Aufbruch junger Designer; Eine literarische Entdeckung - Hendrik Otremba und sein neuer Roman; Live: Lxandra

Beitragslänge:
35 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.08.2020

"Die Hand Gottes" im Kino

Eine Doku über Diego Maradona

Szene aus dem Film "Maradona"
Szene aus dem Film "Maradona"
Quelle: AP

Asif Kapadia hat eine Schwäche für Ikonen. Nach seinem oscarprämierten Dokumentarfilm über Amy Winehouse und der Doku über Formel 1-Ikone Ayrton Senna widmet der britische Regisseur seinen neuen Film nun Diego Maradona. Am 5. Juli 1984 wechselte der argentinische Kicker von Barcelona nach Neapel für eine Ablösesumme, die die Welt noch nicht gesehen hatte. Die ärmste Stadt und der teuerste Spieler - ein Traumpaar, das sich perfekt ergänzte, heiß liebte und dramatisch trennte. Sieben Jahre Erfolge, Siege, Triumphe. Aber auch Sex und Koks und Camorra. Es ist die Zeit in Neapel, auf die sich der Film konzentriert. Aus über 500 Stunden unveröffentlichten Filmmaterials aus Maradonas persönlichem Archiv schafft Kapadia mit "Diego Maradona" ein dichtes, bewegendes Portrait, in dem er der legendären 'Hand Gottes' erstaunlich nahe kommt.

Von Menschen und Herrenmenschen

Kolonialismus und seine Folgen

Sind die Sammlungen des künftigen Berliner Humboldt Forums Ausdruck kolonialen Unrechts? Die kurze Episode deutscher Kolonialherrschaft wurde lange als Fußnote der Geschichte abgetan. Ihre Folgen schienen gering, ihr Schrecken wurde von zwei Weltkriegen und dem Holocaust überlagert. 100 Jahre nach dem Verlust der letzten überseeischen Gebiete aber hat ein Umdenken stattgefunden. Im Zentrum der Debatte steht die ethnologische Sammlung des Berliner Humboldt Forums. Gestohlen, erpresst oder allzu billig erworben, lauten die Vorwürfe. Ausgerechnet Deutschlands wichtigstes Kulturprojekt schmücke sich mit kolonialem Raubgut. Der US-Historiker Glenn Penny kommt in seinem neuen Buch "Im Schatten Humboldts" zu einem anderen Urteil: Als Adolf Bastian 1873 das Berliner Völkerkundemuseum gründete, besaß das Deutsche Reich noch keine Kolonien. Da war der Gründervater der deutschen Ethnologie aber längst vom Sammelfieber gepackt. Bastian träumte von einem begehbaren Archiv der Menschheit. In seinem Museum sollten die Besucher selber erkennen, dass es mehr Verbindendes als Trennendes zwischen den Kulturen gibt. Die einzigen Wilden, denen man in Afrika begegnen könne, seien schließlich Weiße. Auch wenn Bastian und seine Nachfolger später einen Teufelspakt eingingen, um die ethnologische Sammlung zur größten der Welt zu machen, blieb ihr Projekt doch entschieden antirassistisch. Dass die Mär vom deutschen Herrenmenschentum schließlich dennoch triumphierte, gehört zur Tragik der deutschen Ethnologie. Ein Plädoyer für eine differenziertere Debatte.

Gast und Musik

Auf der aspekte-Bühne: Lxandra mit "Swimming Pool"

Aus Johannesburg wird der Autor und Journalist Bartholomäus Grill zugeschaltet. Grill berichtet seit mehr als 25 Jahren für deutschsprachige Medien aus Afrika. In seinem neuen Buch "Wir Herrenmenschen" zeigt er, wie die deutsche Kolonialgeschichte unsere Gesellschaft bis heute prägt.

Eine literarische Entdeckung

Hendrik Otremba und sein neuer Roman

In diesen Tagen ist der zweite Roman eines Multi-Talents erschienen: "Kachelbads Erbe" von Hendrik Otremba. Der 35-jährige Otremba ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Sänger der Post-Punk-Band "Messer" und bildender Künstler, außerdem unterrichtet er 'Kreatives Schreiben' an der Universität Münster. Sein literarisches Debüt "Über uns der Schaum" erschien noch im kleinen Berliner Verbrecher Verlag und war eher ungestüm, sein neues Buch - bei Hoffmann & Campe - ist viel breiter angelegt. Es geht um die Geschicke eines (fiktiven) Pioniers der Kryonik, des deutschstämmigen H.G. Kachelbad, der im Los Angeles der 80er Jahre für das Unternehmen 'Exit US' Menschen einfriert, "die in ihrer Gegenwart, nicht mehr leben zu können", wie es im Buch heißt - in der Hoffnung, dass diese Menschen eines Tages aufgetaut werden können, um ein neues, von Alter und Krankheit befreites Leben zu beginnen. Otremba beschreibt im ersten Teil glaubwürdig das Prozedere und die Motivlage der Individuen, die sich zu diesem Schritt entschließen, im zweiten Teil des Romans geht es unter anderem darum, wie Kachelbad, unterstützt von diversen Mitstreitern, seine "kalten Mieter" durch ein schweres Erdbeben rettet. Die Romanhandlung hat ihre Basis in der Realität: Tatsächlich gibt es weltweit mehrere hundert Menschen, die in Stickstofftanks gelagert auf einen (vollkommen ungewissen) Neuanfang warten, wenn etwa ihre bis dato unheilbaren Krankheiten eines Tages heilbar sein sollten. Wichtig für den Roman ist allerdings nicht nur die spektakuläre Romanhandlung, sondern etwas anderes, das immer mitschwingt. Otrembas Roman ist ein Plädoyer für eine neue Literatur des Gefühls, beziehungsweise des Mitgefühls, und scheut sich nicht vor großem Pathos. Vertreten die vielen jungen Absolventen deutscher Literaturinstitute einen eher unterkühlten und lakonischen Schreibstil, so bedient sich Otremba der ganzen Gefühlsklaviatur.

Die Bücher der Sendung

100 Jahre Weimarer Verfassung

Ein Reenactment beim Kunstfest Weimar

Vor 100 Jahren, am 21. August 1919, endete die Sitzungsperiode der verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar. An diesem Tag entstanden eine Reihe diese Epoche prägende Bilder, als sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf den Treppen und dem Balkon des Nationaltheaters versammelten. Am Abend desselben Tages fand auf dem Theaterplatz ein Volksfest statt. Zum 100. Jahrestag wurden zur Eröffnung des Kunstfestes in Weimar die Fotos des Auszugs aus dem Deutschen Nationaltheater mit hunderten Weimarer Bürgern in dunkler Kleidung vor dem Deutschen Nationaltheater nachgestellt - eine "soziale Skulptur", die Bewusstsein für historische Entwicklungen schaffen soll, so der künstlerische Leiter Rolf C. Hemke. Die Zeitreise mit schwingenden Röcken, schwarzen Zylindern und historischen Redebeiträgen hat Regisseur Nurkan Erpulat vom Berliner Maxim-Gorki-Theater inszeniert. Das Kunstfest Weimar ist eines der größten Festivals für zeitgenössische Kultur in Ostdeutschland und hat in diesem Jahr unter anderem 22 szenische Projekte mit Ur- und Erstaufführungen im Programm.

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück

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